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Brückensicherheit

31.08.2018

Nach der Katastrophe von Genua hat sich der STRAGÜ umgehört, wie es um die Brückensicherheit in Österreich steht.

Volker Bidmon, Abteilungsleiter Abteilung 9 – Straßen und Brücken, Amt der Kärntner Landesregierung

Wir haben im südlichsten Bundesland nachgefragt, bei Bmst. DI Volker Bidmon, Abteilungsleiter Abteilung 9 – Straßen und Brücken, Amt der Kärntner Landesregierung:

STRAGÜ: Wie viele Brücken warten Sie in Kärnten und in welchem Zustand sind diese?

Volker Bidmon: Das Kärntner Straßennetz umfasst rund 2.750 km und in diesen Straßenzügen befinden sich rund 1.750 Brücken, wobei in der letzten Legislaturperiode noch rund 30 Gemeindebrücken der Straßenbauabteilung übertragen wurden. Die Brücken werden nach Schulnoten (1 bis 5) klassifiziert, wobei sich ca. 90 Brücken in der Klasse 4 befinden. D.h. 5 Prozent sind in der Güteklasse 4, von den o.g. rund 1.780 Brücken ist lediglich eine Brücke gänzlich gesperrt, die zum Schluss als Radwegbrücke in Verwendung war. In Summe sind also 95 Prozent der Brücken in sehr gutem bis befriedigendem Zustand (1 bis3) was einen guten Wert darstellt. Zu berücksichtigen wird sein, dass aber viele Brücken in den 1950iger und 1960iger Jahren gebaut wurden und in rund zehn Jahren viele Brücken österreichweit und so auch in Kärnten das natürliche Ende der geplanten Lebensdauer erreichen werden und dann ein höherer Neubaugrad als heute erforderlich sein wird.

STRAGÜ: Wie wird für die Sicherheit der Brücken gesorgt?

Bidmon: Nach dem Einsturz der Wiener Reichsbrücke 1976 wurde österreichweit ein Prüf- und Kontrollsystem für Brücken entwickelt. Die Brückensicherheit wird durch Kontrollen und Prüfungen gewährleistet. Die Vorgangsweise ist in der RVS (Richtlinie für Verkehr und Straße) geregelt. Alle zwei Jahre werden Brücken von den Brückenmeistern eingehend kontrolliert und alle sechs Jahre durch Prüfteams eine Brückenprüfung mit Kontrollbericht durchgeführt. Notwendige Wartungen werden sofort erledigt. Mittelfristige Arbeiten werden ins Bauprogramm aufgenommen und abgearbeitet.

STRAGÜ: Wie steht es allgemein um die Brückensicherheit in Kärnten?

Bidmon: Ich denke sehr gut, allerdings darf man sich nicht in Sicherheit wiegen und denken „uns kann nichts passieren“. Das wäre aus meiner Sicht der falsche Zugang. Bei der Vielzahl an Objekten hat man laufend die Prozesse zu überdenken und darauf zu achten, dass keine Fehler entstehen oder etwas übersehen wird.

STRAGÜ: Könnte so ein Unglück wie in Genua auch in Kärnten passieren?

Bidmon: Nach menschlichem Ermessen Nein. Es liegt kein Prüfbericht vor, wo aktuell zu reagieren wäre und das nicht getan wurde. Allerdings hat es auch in Österreich in der Vergangenheit Vorfälle bei Bauzuständen gegeben, wo Schlimmes hätte passieren können. Es hat sich sicherlich in den letzten Tagen jeder Verantwortliche der für die Brückensicherheit, egal wo, zuständig ist Gedanken gemacht, ob in seinem Bereich die Arbeitsprozesse perfekt sind.

STRAGÜ: Welche Brückenprojekte haben für Sie in nächster Zeit Priorität in Kärnten?

Bidmon: Der überwiegende Teil sind Sanierungen und Neubauten von kleineren Brücken. Rund 20 Brücken werden jährlich saniert, generalsaniert oder neu gebaut.

STRAGÜ: In Feistritz/Drau ist eine Brücke nur einspurig befahrbar, muss man sich sorgen?

Bidmon: Die einspurige Befahrbarkeit zeigt, dass Sicherheit oberste Priorität hat. Die statische Nachrechnung zeigte ein Problem und es war zu reagieren. Auch wenn das kurzfristig nicht populär ist, war und ist so zu handeln. Durch die verkehrliche Nähe zu einem Eisenbahnprojekt wurde die Bauzeit etwas verschoben – aber 2019 wird die Brücke neu gebaut.

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