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Apple schließt weltweit seine Stores - nur in China sperrt man schon wieder auf.

China lässt hoffen

17.03.2020

Es ist ebenso ironisch wie logisch: Ausgerechnet China, von wo aus das Coronavirus seinen Ausgang nahm, scheint die Krise langsam hinter sich zu bringen. Und das im internationalen Vergleich mit den vergleichsweise geringsten wirtschaftlichen Schäden. 

Symptomatisch für die aktuelle Lage ist die Situation in der Luftfahrt, einer mit dem Straßengüterverkehr verwandten Branche. Der Weltverband der Fluggesellschaften hat bereits Alarm geschlagen: „Wir sind in einer der schlimmsten Krisen, die wir je hatten“, sagt IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac. Wegen der weiterlaufenden Kosten, zum Beispiel auch für Kreditzinsen, reichten die Finanzmittel bei drei Viertel der Airlines weltweit für nicht einmal drei Monate aus.

Ohne staatliche Hilfe seien viele Konzerne in ihrer Existenz bedroht. Juniac beziffert den notwendigen Finanzbedarf mit 150 bis 200 Milliarden US-Dollar (bis zu 180 Milliarden Euro).

Ausgerechnet in China zeichne sich jedoch eine Normalisierung der Geschäftsbetriebe ab. Die Kapazitätsauslastung liege dort inzwischen bereits wieder bei 60 Prozent.

Tatsächlich scheint sich die Situation im Reich der Mitte generell langsam wieder zu normalisieren, wenngleich die jüngsten Zahlen freilich noch katastrophal sind: Die Industrieproduktion fiel in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der Verkauf im Einzelhandel ging sogar um 20 Prozent zurück. Aber: Außerhalb der Provinz Hubei haben laut offiziellen Angaben 95 Prozent der großen Unternehmen sowie 60 Prozent der kleineren Firmen mittlerweile ihren Betrieb bereits wieder aufgenommen.

Geradezu Symbolcharakter haben die jüngsten Nachrichten von Apple: Der amerikanische Tech-Riese hat jetzt verkündet, wegen der Corona-Pandemie sämtliche Stores weltweit, also auch in Europa und den USA, zu schließen, und zwar bis zum 27. März. Mit einer Ausnahme: Ausgerechnet in China, wo die Stores bereits geschlossen waren, sperrt Apple seine 42 Geschäfte auf dem Festland jetzt wieder auf!

Tatsächlich scheinen chinesische Unternehmen die Coronavirus-Krise im internationalen Vergleich am schnellsten und mit den geringsten wirtschaftlichen Schäden hinter sich zu lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Ad-hoc-Umfrage unter 152 Aktien- und Rentenanalysten der Fondsgesellschaft Fidelity International.

Geringere Gewinnrückgänge

Von den Analysten, die einen Gewinnrückgang der von ihnen abgedeckten Unternehmen erwarten, glauben 85 Prozent der China-Analysten, dass sich dieser Rückgang auf die erste Jahreshälfte beschränkt. Bei den Analysten für andere Regionen sind dies dagegen nur 42 Prozent.

„Da China das erste vom Virus befallene Land war, scheint es logisch, dass es sich am schnellsten erholen wird. Allerdings hängt die in einzelnen Ländern benötigte Zeitspanne zur Wiederbelebung der Wirtschaft weitgehend von den Maßnahmen der jeweiligen Regierungen ab“, kommentiert Fiona O’Neill, stellvertretende Leiterin des Aktien-Researchs von Fidelity International. Insofern macht China der restlichen Welt nun wieder Hoffnung.

Allerdings gibt es sehr wohl Unterschiede: „Die chinesischen Behörden haben relativ schnell erhebliche Beschränkungen für die betroffenen Regionen verhängt“.  Dadurch bestünden gute Chancen, dass sich die Auswirkungen auf die Gewinnsituation chinesischer Unternehmen relativ schnell wieder erholen - vorausgesetzt es gibt keinen zweiten Virusausbruch. Im Westen hätten sich die Bemühungen indes darauf konzentriert, die Virusausbreitung zu verlangsamen und Ausfälle der Wirtschaft so lange wie möglich zu vermeiden, wie die Expertin betont. Nachsatz: „Welcher Ansatz letztlich besser ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht final beurteilt werden.“

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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