Direkt zum Inhalt
Coronavirus

Coronavirus hält Logistiker in Atem

09.03.2020

Das Coronavirus dominiert die Schlagzeilen weltweit, inzwischen hat es auch die Wirtschaft infiziert. Immer mehr Sektoren werden von den Auswirkungen der Epidemie erfasst, längst auch die Automobilindustrie sowie das Transportgewerbe.

Der Genfer Autosalon wurde ebenso abgesagt wie die geplante Weltpräsentation des neuen Lkw-Programms von Volvo Trucks. Viel schlimmer ist freilich, dass das Virus inzwischen die gesamte Weltwirtschaft angesteckt hat. Das Coronavirus ist die größte Gefahr für die Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise. Zu diesem Schluss kommt die OECD in ihrer aktuellen Konjunkturprognose. Laut dieser Prognose könnte sich das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf eineinhalb Prozent halbieren. Im besten Fall, wenn sich die Lage also bald stabilisieren sollte, erwartet die OECD, dass die Weltwirtschaft 2020 um 2,4 Prozent zulegen wird. Selbst das wäre immer noch ein herber Rückschlag, bedenkt man, dass das Wachstum 2019 mit 2,9 Prozent schon nicht berauschend gewesen ist.

Im Zentrum der Turbulenzen steht das Transportgewerbe. Weitere Einschränkungen des Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehrs sind laut OECD absehbar und dürften zu einer Verschlechterung des Geschäfts- und Konsumklimas sowie in weiterer Folge einer Verlangsamung der Produktion führen.Tatsächlich häufen sich auch bereits die Gewinnwarnungen von börsennotierten Unternehmen. All jene, die die Kursrückgänge an den Börsen Anfangs für völlig unangebracht und überzogen hielten, mussten wieder einmal lernen, dass an der alten Weisheit doch etwas dran ist: jener nämlich, dass der Markt letztendlich doch irgendwie immer recht hat. Die Auswirkungen des Virus mitsamt der damit verbundenen Ängste spüren nicht nur Fluggesellschaften. Der weltgrößte Reedereikonzern Maersk geht wegen des Coronavirus-Ausbruchs in China von einem schwachen Start ins Geschäftsjahr 2020 aus. Kein Wunder, konnten doch zuletzt zahlreiche Containerschiffe nicht auslaufen. Auch der Vorstandsvorsitzende des Duisburger Hafens, Erich Staake, rechnet mit negativen Auswirkungen auf die Transportbranche durch das Coronavirus. „Bereits heute hat die Ausbreitung des Coronavirus in der globalen Transportwirtschaft für erhebliche Rückgänge im Handelsvolumen gesorgt“, sagte Staake laut einer Mitteilung der Hafengesellschaft. „Die negativen Auswirkungen bei Umsatz und Ertrag werden in der gesamten Branche und auch in den Geschäftszahlen spürbar sein.“ Experten rechnen mit teils gravierenden Auswirkungen auf den Export und die Wertschöpfungsketten und befürchten - mit Verweis auf die Verwundbarkeit international verzahnter Lieferketten -, dass Lieferketten unterbrochen werden könnten.

Seismograf der Weltwirtschaft

Als einer der größten Logistikkonzerne weltweit gilt die Deutsche Post als Seismograf für die Weltwirtschaft. „Eine weltweite Krise wie der Coronavirus geht an uns nicht spurlos vorbei“, räumte CEO Frank Appel ein. „Deshalb müssen wir unsere Ergebnisprognose nun unter Vorbehalt stellen.“ Mitarbeiter, Anleger und Analysten werteten dies als indirekte Gewinnwarnung. Am stärksten betroffen sind freilich Unternehmen mit starkem Chinageschäft. Apple beispielsweise wird seine Quartalsziele nicht erreichen. Der Konzern leidet gleich doppelt, China ist in der Produktion wie auch auf der Nachfrageseite ein wichtiger Markt.

Und dann ist da noch Amazon. Der Online-Riese spürt Corona von allen Seiten. Zunächst verzeichnete Amazon eins skurrile Sonderkonjunktur. Im Zuge der allgemeinen Panik schnellte zunächst die Nachfrage nach einschlägigen Produkten zum (vermeintlichen) Schutz vor dem Virus in die Höhe. Allen voran jene nach Desinfektionsmitteln und vor allem Atemschutzmasken. Die Folge: Mehrere Marketplace-Händler hatten die  Prise massiv erhöht. US-Medien berichteten, dass ein Händler erst kürzlich 119,95 Euro für ein kleines Fläschchen Desinfektionsmittel verlangte. Die Kosten für sogenannte N95-Masken sind derweil um 400 (!) Prozent gestiegen. Inzwischen hat Amazon reagiert und geht gegen solche offensichtlichen Versuche, in Zeiten des Coronavirus den großen Reibach zu machen, vor.

Derweil hat der Online-Gigant auch schon sein eigenes Corona-Problem: Ein Mitarbeiter des Konzerns ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Amazon hat in Seattle seinen Hauptsitz und beschäftigt in der Region mehr als 50.000 Menschen. Last not least häufen sich die Anzeichen, dass Amazon, obwohl diese Aktie im Zuge der Corona-Panik ebenfalls deutlich nach unten korrigiert hatte, mitunter durchaus auch ein Profiteur der Situation sein könnte. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass Amazon in der USA einen regelrechten Kundenansturm erlebt, da immer mehr Menschen physische Shops, allen voran die in den USA so beliebten Shopping Malls sowie große Supermärkte, meiden und lieber online ordern. Prompt hat Amazon angeblich bereits Probleme, die Lieferzeiten bei den Expressdiensten Prime Now und Amazon Fresh einzuhalten und Kunden bereits darüber informiert.

Autor/in:
Marco Dittrich
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
23.03.2020

Der Container Terminal Enns (CTE) ist bisher kaum von der Corona-Krise betroffen, da die rechtzeitig getroffenen Maßnahmen Wirkung zeigen.

Aktuelles
23.03.2020

Die Instruktoren der ÖAMTC Fahrtechnik schwingen sich in die Cockpits von Liefer-Lkws und unterstützen den Lebensmittelkonzern SPAR bei Zustellungen in ganz Österreich.

Interviews
20.03.2020

Der TU-Professor und Geschäftsführer von Fraunhofer Austria, Wilfried Sihn, sieht enorme ...

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck verspricht Österreichs Unternehmen: "Es sind genügend Mittel vorhanden."
Interviews
18.03.2020

Wie lange die Krise andauern wird, kann Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck aktuell nicht sagen, aber sie ist sicher: Das  ...

Meldungen
18.03.2020

„Einsam ist erst der Mensch, wenn er vom Finanzamt vergessen wird.“ Dieser Spruch gilt auch in der Krise. Welche Maßnahmen zur Entlastung für Betriebe aufgrund der Conornakrise jetzt im Bereich ...

Werbung