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Den Fuß am Ball und am Gas

20.06.2016

Etwas mehr als 1.260 Tage bzw. knappe dreieinhalb Jahre: Von der durchschnittlichen Lebensdauer eines Verkehrs- oder Infrastrukturministers in der zweiten Republik war Gerald Klug mit 133 Tagen im Amt weit entfernt.

Im neuen Jahrtausend (die durchschnittliche Wirkungsdauer der Verkehrsminister hat sich hier auf zwei Jahre reduziert) ist sein Nachfolger Jörg Leichtfried bereits der zehnte Minister in diesem Ressort – jeder einzelne Leser soll sich selbst eine Meinung bilden, ob das ein Indiz für eine besonders hohe Bedeutung eines Bereichs ist oder eher ein Zeichen mangelndem Interesses an einer zukunftsweisenden Verkehrsgestaltung in Österreich. Ich war übrigens noch nicht auf der Welt, als das Verkehrsministerium das letzte (und für genau vier Jahre das einzige) Mal in ÖVP-Hand war … 
Jörg Leichtfried hat sich jedenfalls – genauso übrigens wie Christian Kern – eine Chance verdient: Bei Erscheinen dieser Ausgabe feiert der neue Minister gerade erst seinen 49. Geburtstag und bringt trotzdem bereits mehr Verkehrsfachwissen in sein neues Amt ein, als seine zehn Vorgänger gemeinsam. Während er dem Sektoralen Fahrverbot in Tirol durchaus Positives abgewinnen kann (siehe auch Seite 8), hält er sich zur flächendeckenden Maut bedeckt, klarer Befürworter ist er jedenfalls schon einmal nicht, was dem grünen Verkehrsguru Georg Willi gleich zu Leichtfrieds Amtsantritt gegen den Strich geht. Ein gutes Signal … 

2017: KRÄFTIGE MAUTERHÖHUNG

Noch vor dem Sommer will der neue Minister die Lkw-Mauttarife für 2017 in Begutachtung schicken, wie er uns ausrichten ließ (siehe Seite 8). Über die Höhe derer lässt sich bis dahin nur spekulieren – ein entsprechendes Gesamtpaket dazu wurde ja schon vor geraumer Zeit ausverhandelt (wir berichteten). Zu Jahresbeginn 2017 ist als Teil des (bislang recht „günstigen“) Pakets der Zeitpunkt einer kräftigen Tariferhöhung gekommen, nicht zuletzt aufgrund der lange abgewehrten Einrechnung der „Externen Kosten“ für Lärm und Luftverschmutzung: Insider rechnen mit bis zu 12 Prozent an Mehrkosten in gewissen Maut-Tarifstufen – vermutlich werden auch die immer mehr werdenden Euro 6-Lkw im heimischen Bestand einen entsprechenden Obolus für das Gesamtsystem leisten müssen. Umso früher die Tarife auf dem Tisch liegen, desto früher werden auch die Kunden des Transportgewerbes dafür sensibilisiert. „Ich weiß, dass das schon lange ein großes Anliegen der Transportwirtschaft ist“, merkt Minister Leichtfried bei Beantwortung unserer „3 Fragen“ an. Die Voraussetzungen sollten also rechtzeitig gegeben sein. Wer glaubt, Mauterhöhungen – in welchem Ausmaß auch immer – selbst schlucken zu können, dem wird schon bald die Luft wegbleiben. Dies sei an dieser Stelle einmal mehr erwähnt. 

SEKTORALES FAHRVERBOT 

Die Luft wird auch so manchem im Tirol-Verkehr wegbleiben. Unsere Alpin-Kämpfer legen sich zum dritten Mal mit ganz Europa an und wollen einmal mehr ihr Sektorales Fahrverbot durchbringen (siehe alle Details auf den Seiten 8 und 9). Rollt die Landstraße auf der Schiene eigentlich noch durch Tirol? Kein einziger Teilnehmer unserer online-Umfrage hat auf die Frage geantwortet, wie er mit dem Sektoralen Fahrverbot in Tirol umgeht: „wir nutzen die Rollende Landstraße“. Aber wen interessieren solche Kleinigkeiten – wir legen uns jetzt erst einmal mit dem Ball am Fuß mit ganz Europa an und dann schauen wir, ob der neue Bundeskanzler und seine Minister tatsächlich mit dem Fuß am Gas bleiben!

Autor/in:
Marco Dittrich
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