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Durchgestylt und arbeitswillig

15.11.2010

Wenn der Herr im Anzug plötzlich einen Minibagger liefert, hat der Ford Ranger 3,0 TDCi seine Finger im Spiel. Metamorphosen einer Pick Up-Tour, vom Geschäftstermin zur Nachbarschaftshilfe.

Einige Eigenschaften werden Nutzfahrzeugjournalisten offenbar in die Wiege gelegt. Sie sind bekannter Maßen technisch interessiert, können wenigstens halbwegs schreiben (der eine mehr, der andere weniger) und brauchen je nach aktuellem Testauto unbedingt ein Übermaß an Hilfsbereitschaft. Anders lässt sich die folgende Geschichte auch nicht verkraften.

 

In Anzug und Krawatte

Zu gewissen Geschäftsterminen soll sogar der Autor dieser Zeilen schon in Anzug und Krawatte verpackt in einen Transporter oder wie in diesem Fall in einen Pick Up gestiegen sein. In der Doppelkabine des Ford Ranger 3,0 TDCi Wildtrak ist das auch keine Hexerei. Wenn die Nähte der Fußmatten Ton in Ton mit den Nähten der Ledersitze harmonieren, ist der dazwischen hinein gepferchte Gelegenheitsanzugträger sowieso hart an der Kippe des underdressed sein. Ungeplante Zwischenfälle beginnen meist ohne Vorwarnung, sonst würden sie ja anders heißen. Und so kam es, dass sich der Zündschlüssel im Zündschloss gerade in Richtung anlassen bewegte, als es an der Fahrertüre klopfte.

 

Willkommene 3 Tonnen Anhängelast

Auslöser der akustischen Reiseunterbrechung war der Erdbeweger aus nächster Nachbarschaft, der mit seinem Minibagger längst der Welt die eine oder andere Schramme hätte verpassen sollen. Wenn, tja wenn da nicht sein Zugfahrzeug noch bevor der Anhänger samt Bagger angehängt worden wäre, den Geist aufgegeben hätte. Der Blick auf die ungewöhnliche Schale des Lenkers lässt die anstehende Bitte noch zäher aus seinem Mund fließen. Nachdem er im Vorbeifahren die Anhängevorrichtung des Ford gesehen hat und zudem natürlich weiß, dass dieser „mit seinen 156 PS und 3 Tonnen Anhängelast spielend den Anhänger mit Bagger ziehen könnte", wollte er nur fragen, ob Fahrer und Pick Up nicht kurzfristig einspringen könnten. Im Angesicht der Einser-Panier traf ihn das „Warum nicht" zu einem Zeitpunkt, als er sich viel zu früh bereits wieder abgewendet hatte. Wieso widerwillig einer zugegeben wichtigen Pressekonferenz folgen, wenn der Ford Ranger endlich einmal so richtig von der Leine gelassen werden möchte.

 

Bis zum letzten Meter

Fünf Minuten später steckt der Autor immer noch in seinem Anzug und beobachtet im Rückspiegel den Minibagger, der dem blauen Pick Up im Genick sitzt. 1,5 Tonnen Lebendgewicht und der Tandemachsanhänger machen sich auf dem Weg zur Baustelle natürlich bemerkbar. Mit dem lange übersetzten 5. Gang kommt das Gespann überland trotzdem recht flott in Fahrt. Wer hat da über Jahre hinweg immer wieder vehement für ein 6-Gang-Getriebe interveniert? Als ob es der Bauherr gewusst hätte, liegt seine Baustelle am Ende eines ausgefahrenen Feldweges. Die letzten Meter könnte der Minibagger natürlich alleine dahin kriechen. Muss er aber nicht, wenn die Antriebskräfte des Ranger auf Vorder- und Hinterachse ihre Stärken zeigen können. Nach dem Abladen, ein kurzer Blick auf die Uhr. Die zweite Hälfte der Pressekonferenz geht sich schon noch aus. Mit Anzug, Pick Up und natürlich dem Anhänger hinten dran. Denn der wird erst am Abend wieder abgehängt.

Fazit: Der erste Pick Up, bei dem wir für eine freiwillige Anzugpflicht plädieren würden.


Factbox
Motor:
3,0 Liter 4-Zylinder-Turbodiesel, 115 kW (156 PS)
Eigengewicht: 1.845 kg
Nutzlast: 980 kg
Anhängelast ungebremst/gebremst: 750 kg/3.000 kg
Testverbrauch: 8,9 l/100 km
Grundpreis: 30.600,-- Euro (exkl. MwSt.)

+ Multitalent für Arbeit und Freizeit
+ antrittstarker 3,0 Liter Motor
+ bis zu 3,0 Tonnen Anhängelast
– kein Multifunktionslenkrad verfügbar
– 4WD nur mechanisch schaltbar
– übervorsichtige Tankuhr

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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