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Ein Pinguin, viele Pferde

14.04.2017

"Um Wertschätzung zu erfahren, müssen sich die ­Transporteure auch selbst wert­schätzen!" - Peter Fahrner, Neuer Obmann Stmk.

Schon in der letzten Ausgabe habe ich meine Bedenken geäußert, dass die Elektro-Lkw-Euphorie überhastete Fahrverbote oder Einfahrtsbeschränkungen für Diesel-Lkw in Ballungsräumen mit sich bringen könnte. Ähnlich könnte es sich beim Traum vom „fahrerlosen Lkw“ verhalten. Der „Kurier“ berichtete kürzlich von einer Konferenz in Brüssel, im Rahmen derer ein Vertreter des Internationalen Transport Forums davon schwärmte, dass ein Lkw der heute von Lissabon nach Warschau viereinhalb Tage benötige, dies in Zukunft in eineinhalb Tagen bewältigen könne. Denn autonom fahrende Lkw müssen ja schließlich keine Ruhepausen einhalten, nicht schlafen oder essen. Wie in einem Computerspiel könnten die Fahrzeuge dann vom Büro aus kontrolliert und quasi via Joystick bewegt werden, so die Fantasien. EU-Forschungskommissar Carlos Moedas bekundete auf eben dieser Konferenz, dass bereits in zwölf Jahren selbstfahrende Autos Teil des Alltagsverkehrs seien und untermauerte seine Einschätzung mit einer kernigen Aussage: „Ein Auto zu besitzen, das nicht selbst fährt, wird bald so sein, als hätte man ein Pferd.“ Ende Mai will die EU ja ihre künftige Güterverkehrsstrategie auf den Tisch legen, mal sehen, welch autonomer Wahnsinn da bereits einfließen wird … 

MODERS ABSCHIED

Einer, der sich als Interessenvertreter künftig weder mit Elektro- noch mit autonom fahrenden Lkw beschäftigen muss, ist Albert Moder. Der Obmann des steirischen Güterbeförderungsgewerbes hat dieser Tage sein Amt niedergelegt – einer der größten Kämpfer für die Anliegen der Transportbranche der jüngsten Vergangenheit zieht damit nach 20 Jahren Interessenvertretung (davon mehr als zehn Jahren als Spitzenvertreter) seinen Hut. 

Der Scheiflinger Unternehmer sprühte nur so vor Ideen, seine steten Bemühungen um eine Imageverbesserung des Gewerbes und seine Hartnäckigkeit und offene Konfrontationsbereitschaft in der Umsetzung politischer Verbesserungen werden in Erinnerung bleiben. Probleme zu umschweifen war nie seine Sache, er packte sie lieber gleich und direkt an. Entsprechend konnte er etliche Erfolge einfahren, musste aber auch „herbe Rückschläge seitens der Politik und der Beamten“, wie er es selbst sagt, einstecken. „Nicht immer hat alles so funktioniert, wie ich es für uns steirische Transporteure wollte“, meint Moder zum Abschied, „und dennoch sind mir viele positive zukunftswirksame Gespräche im Gedächtnis und ebenso viele Dinge, die umgesetzt werden konnten!“ Nicht nur das Gewerbe, auch Ihr Chefredakteur verliert einen oftmals kontroversiellen aber immer engagierten Unternehmervertreter als Mitstreiter wie Gegenüber. 

MUT UND SELBSTVERTRAUEN

Moders Nachfolge tritt der Pinggauer Unternehmer Peter Fahrner an. Er kündigt bereits an „auch neue Wege“ in der Interessenvertretung zu gehen: „Um Wertschätzung zu erfahren, die die Branche und deren Unternehmen auf jeden Fall verdienen, müssen sich die Transporteure auch selbst wertschätzen“, so sein Credo. Seine vordringlichste Aufgabe sieht er darin, „das Selbstbewusstsein innerhalb der Branche zu heben, um dieses Selbstbewusstsein auch wieder nach außen tragen zu können.“ Ähnliche Worte waren jüngst auf den Fachgruppentagungen in Salzburg und Niederösterreich (siehe Berichte ab Seite 18) von den dortigen Obmännern – Gruber und Gruber – zu vernehmen. Niederösterreichs Neuer, Karl Gruber, untermauerte seinen Appell um ein neues Selbstverständnis der Branche gar mit einem Bild, bei dem ein bunter, attraktiv erscheinender, Pinguin aus lauter grauen Artgenossen hervorstach. Pinguine kommen auf glattem Untergrund bekanntlich besser zurecht als Pferde …

Autor/in:
Marco Dittrich
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