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Einstieg in die Zukunft

19.06.2019

MERCEDES-BENZ ACTROS

Wir haben mit dem neuen Lkw-Flaggschiff von Daimler eine erste realistisch-­futuristische Ausfahrt unternommen und sind auch ohne Spiegel gut angekommen.

Das erste was man sieht, ist das, was man nicht sieht. Der neue Mercedes-Benz Actros hat bekanntlich mit Ausnahme des Rampenspiegels keine Außenspiegel mehr. Schon bei der Weltpremiere in Berlin im vorigen September hat uns das beeindruckt, dieses Mal konnten wir die anstelle der Spiegel zum Einsatz kommenden „MirrorCams“ (eine von vier Weltpremieren am Fahrzeug) auch auf einer etwas ausführlichen Testrunde rund um Barcelona im alltäglichen Verkehrsgeschehen testen.

Bei dieser Ausfahrt arbeitete das System sehr überzeugend – sowohl in Kurven, bei Überholvorgängen, bei Tunnel-Durchfahrten und beim Rangieren. Von Seiten der Entwickler wurde uns glaubhaft versichert, dass die „MirrorCams“ auch bei schwierigen Wetterbedingungen (starker Regen, Schneefall) sowie im Nachteinsatz verlässlich funktionieren.

Cockpit-Revolution

Deutlich anders als in bisherigen Fahrzeugen wurde der Arbeitsplatz des Fahrers gestaltet. Er ist durch das neue Multimedia-Cockpit mit zwei Farbdisplays (in der Basisversion mit je 10-Zoll-Bildschirmdiagonale) geprägt. Statt des konventionellen Kombiinstruments mit Tacho, Drehzahlmesser und Tankanzeige gibt es einen Bildschirm mit allen fahrrelevanten Infos für den Fahrer. Der mittlere Bereich des Displays ist individuell konfigurierbar.

Als Ersatz für das klassische Schalterbedienfeld gibt es einen weiteren Flachbildschirm mit Touchscreen-Bedienung. Wichtige Funktionen wie Licht, Heizung, Klima oder das Telefon können auch durch „Schnelleinsprungtasten“ angewählt werden. Für Aufbauhersteller sind „virtuelle Schalter“ vorgesehen, die zusätzliche Steuerungsgeräte und Fernbedienungen überflüssig machen sollen.

Das primäre Farbdisplay und das sekundäre Touch-Display können auch über das neue Multifunktionslenkrad mit Touch-Control-Pads, auch Finger-Navigation-Pads genannt, angesteuert werden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat man die wichtigsten Funktionen im Griff, für das volle Ausschöpfen aller Möglichkeiten ist naturgemäß eine etwas intensivere Beschäftigung mit dem System nötig.

Sicherheits-Team

Weitere Highlights der aktualisierten Actros-Generation sind die zahlreichen Sicherheits-Assistenten. Dazu zählen unter anderem der neue Active Brake Assist 5 mit verbesserter Personenerkennung, der Verkehrszeichen-Assistent, die elektronische Feststellbremse und ein Anhänger Stabilitätsregel-Assistent.

Teilautomatisiert

Eine besonders beeindruckende Innovation ist der neue Active Drive Assist ADA, der dem Fahrer erstmals in einem Serien-Lkw teilautomatisiertes Fahren in allen Geschwindigkeitsbereichen bietet.

Neu dabei sind die aktive Querführung und die Verbindung von Längs- und Querführung in allen Geschwindigkeitsbereichen durch das Zusammenspiel von Radar- und Kamerainformationen.

Eindrucksvolles vermag auch die intelligente Tempomat- und Getriebesteuerung Predictive Powertrain Control zu leisten. Die neue Generation nutzt neben einem satellitengestützten Ortungssystem präzise digitale Straßenkarten, die Daten über die Topografie, den Kurvenverlauf, die geometrische Beschaffenheit von Kreuzungen und Kreisverkehren sowie Verkehrszeichen enthalten. Das System optimiert die Fahrweise damit nicht nur in Gefällen oder Steigungen, sondern auch auf kurvigen Überlandstrecken, auf denen der Einsatz eines Tempomaten bisher nicht optimal möglich war. 

Dass diese neue Technologie auf einem kurvenreichen und topographisch sehr abwechslungsreichen Abschnitt der Teststrecke dermaßen perfekt funktionierte, verblüffte uns im Rahmen der Testfahrten, zu denen auch ausgewählte österreichische Lkw-Betreiber geladen waren, am allermeisten.

Die unglaubliche MirrorCam

Eines der Highlights des neuen Actros ist ohne Zweifel die MirrorCam, davon konnte sich der STRAGÜ auf den ersten Kilometern in Barcelona – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Bild machen: Statt der herkömmlichen Haupt- und Weitwinkelspiegel arbeitet dieses System komplett mit Digitalkameras und Displays. Die MirrorCam bietet dabei eine erheblich verbesserte Rundumsicht, ihre Leistungen gehen deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. 

Nachtsicht-Modus

Die Kameras sind rechts und links am Dachrahmen befestigt. Die aufgezeichneten Bilder werden mit einer Auflösung von 720 x 1920 Pixel auf zwei 15 Zoll großen Displays angezeigt, die an den A-Säulen in der Kabine angebracht sind. Mehrere Hilfsfunktionen der MirrorCam sollen den Fahrer unterstützen: Während der Vorwärtsfahrt ist die klassische und gewohnte Aufteilung der Sichtfelder analog herkömmlicher Spiegel auf den Displays darstellbar. Allerdings schwenkt bei Sattelzugmaschinen während Kurvenfahrten das Bild des kurveninneren Displays mit und liefert so eine optimale Sicht auf den gesamten Trailer – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu einem herkömmlichen Spiegelsystem. Darüber hinaus tragen Distanzlinien zu einer besseren Einschätzung des rückwärtigen Verkehrs bei. Außerdem kann eine zusätzliche Linie, die individuell eingestellt werden kann, z. B. das Trailer-Ende anzeigen. So soll das zentimetergenaue Rangieren erleichtert werden. Bei beginnender Dunkelheit wechselt das System in einen Nachtsicht-Modus.

Ersatz: Spiegel

Für außereuropäische Märkte wird es den Actros weiter mit konventionellen Außenspiegeln geben. Diese Befestigungsmöglichkeiten können bei Ausfall des Systems auch für die Weiterfahrt mit Ersatzspiegeln genutzt werden.

Serienproduktion gestartet

Mit einem saphirblauen 1851er startete die Serienproduktion des neuen Mercedes-Benz Actros. Damit schreibt man im Werk Wörth die Erfolgsgeschichte seiner volumenstärksten Baureihe der Schwer-Lkw fort. Seit dem Start der ersten Actros-Generation 1996 wurde sie über 1,2 Millionen Mal verkauft. Interessant: Bereits im Jahr 2014 startete man in Wörth intensive Vorbereitungen entlang des Produktentstehungsprozesses und nutzte dabei modernste Technologien wie beispielsweise Virtual Reality (VR). So wurde der Zusammenbau des Fahrzeugs auf Basis digitaler Modelle in einem speziellen VR-Raum simuliert, um später den Produktionsablauf in optimaler Weise zu realisieren. Rund 50 ebenfalls frühzeitig von den Wörther Experten aus dem Lieferantenmanagement ins Leben gerufene Projekte mit Lieferanten wurden angestoßen, um zum Produktionsstart die im Fahrzeug enthaltenen neuen Systeme und Technologien reibungslos zu implementieren.

Hochflexibel

Zusammen mit allen weiteren Baureihen des Werks läuft der neue Actros hochflexibel je nach Kundenauftrag über ein und dasselbe Montageband. Um der dadurch nochmals erhöhten Komplexität gerecht zu werden, wurde auch in der Montage selbst eine Vielzahl an Anpassungen und Neuerungen vorgenommen. So erforderte das neue Multimedia-Cockpit des Actros eine deutliche räumliche Erweiterung der Cockpit-Vormontage. Weiters wurden im Bereich der Prüf- und Inbetriebnahmetechnik umfassende Anpassungen durchgeführt sowie eigens neue Prüfstande implementiert, auf denen die Mitarbeiter jede MirrorCam individuell kalibrieren.

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