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Einer der neun Elektro-MAN die in Österreich im Praxistest unterwegs sind.

Elektro Praxistest

14.03.2019

Im März 2019 war die neun Lkw umfassende E-Testflotte in Österreich ein halbes Jahr unterwegs: Eine Zwischenbilanz.

Vor vier Jahren schlossen sich 18 große österreichische Unternehmen aus den Bereichen Handel, Logistikdienstleistung und Produktion zusammen, um gemeinsame Schritte im Bereich nachhaltige Logistik zu setzen. Das „Council für nachhaltige Logistik“, kurz CNL, wählte MAN als Partner für ein Pilotprojekt zur Elektrifizierung des Verteilerverkehrs. Um den Feldversuch so praxisnah wie möglich zu gestalten, nahmen neun Lkw-Betreiber jeweils einen eTruck in ihren Fuhrpark auf und schickten ihn auf Tour. CNL-Leiter Werner Müller betreut das zukunftsweisende Projekt aus wissenschaftlicher Sicht und zieht eine durchaus erfreuliche Zwischenbilanz: „Die Fahrzeuge haben sich bisher als sehr zuverlässig erwiesen und ihre Touren ohne größere Probleme absolviert.“

Kleinere Defekte und Störungen waren schnell behoben, und Müller zeigt sich von der schnellen Reaktion des MAN Technik-Teams beeindruckt. „Zugegeben, wir haben uns vor dem Winter gefürchtet, aber die Fahrzeuge haben sich auch bei Minusgraden und auf Schneefahrbahnen bewährt“, sagt Müller. Nun steht die nächste Nagelprobe bevor: „An heißen Sommertagen werden die mit Kühlkoffer ausgestatteten eTrucks besonders beansprucht“, so Müller. Auch das begeisterte Feedback der eTruck-Fahrer freut den Wissenschaftler: „Sie können dank des hohen Drehmoments des Elektromotors nun beim Ampelstart mit jedem Pkw mithalten, das macht ihnen offensichtlich großen Spaß.“  

Günstige Betriebskosten

Eine abschließende Berechnung der Betriebskosten wird zwar erst das Ende der Studie zeigen, doch Werner Müller kann schon jetzt sagen, dass diese voraussichtlich rund ein Drittel unter jenen eines Diesel-Lkw gleicher Größe liegen werden. „Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Hersteller auf den Elektro-Zug aufspringen und Verteiler-Lkw der 18 bis 26-Tonnen Klasse auf den Markt bringen“, so Müller.

Und noch einen Wunsch richtet er an die Entwicklungsabteilungen der Lkw-Hersteller: „Eine Reichweite von 400 Kilometer wäre gut, damit die Elektro-Trucks nicht nur in der Stadtlogistik sondern auch österreichweit eingesetzt werden können.“

Nächster Schritt

Noch läuft der Feldversuch, und schon wird das nächste CNL-Forschungsprojekt gestartet: Unter dem Titel „MegaWatt-Logistics“ werden ab sofort bis 2021 in Wien, Salzburg und Graz Lösungen für einen emissionsneutralen Gütertransport mit elektrischen Lkw der 18- und 26-Tonnen-Klasse erarbeitet. Projektleiterin ist die Universität für Bodenkultur, Fördergelder kommen vom Klima- und Energiefonds. Diesmal sind neben Handels- und Logistikunternehmen auch Energieversorger, Netzbetreiber und Ladeinfrastrukturanbieter an Bord. So wird mit Hochdruck an einer Elektrifizierung des Verteilerverkehrs gearbeitet, die politisch gewollt und aus Klimaschutzgründen wohl unvermeidlich ist. Projektleiter Werner Müller geht davon aus, dass spätestens im Jahr 2023 der Break Even bei den Total Cost of Ownership (TCO) von Elektrotrucks erreicht wird.

Autor/in:
Peter Seipel

Peter Seipel, geboren in Wien, startete seine Karriere als Journalist und Fotoreporter 1986 in der Motorredaktion des KURIER. Von 1989 bis 1998 war er Redakteur des Monatsmagazins WIENER, danach freier Journalist, unter anderem tätig für die Magazine profil, trend, brandeins und technology review. Seit 2009 ist er Redakteur beim Österreichischen Wirtschaftsverlag.

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