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Fördern, nicht verbieten!

20.06.2018

Der Sommer naht, das Geschäft brummt und die Fahrer fehlen! Im Handel tun sich bereits vereinzelt Regallücken auf, weil Produzenten ihre Ware nicht vom Hof bekommen, vermeldete jüngst eine deutsche Frachtenbörse. Die Anzahl der Frachtangebote sei im Mai im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent gestiegen, heißt es dort. Und das alles vor dem Hintergrund des sich weiter verschärfenden Fahrermangels: Im Schnitt fehlen jedem heimischen Transportunternehmer aktuell drei Lenker, hat der Fachverband Güterbeförderung mittels einer Umfrage unter seinen Mitgliedern erhoben.

DAMOKLESSCHWERT PENSIONIERUNG
Mehr als zwei Drittel der Fahrer sind über 40 Jahre alt – ein Drittel davon sogar zwischen 51 und 60 Jahren. Der derzeitige Mangel ist also erst ein Vorbote einer dramatischen Entwicklung: Man kann sich bereits darauf einstellen, dass Fahrer teurer werden – schon jetzt wird in letzter Konsequenz munter vom Mitbewerb abgeworben, mit der Folge, dass sich die Löhne nach oben lizitieren. Vielleicht hat diese Entwicklung aber ja auch zur Folge, dass sich doch der eine oder andere junge Mensch wieder für den Fahrerjob interessiert … 

TIROL WEITER AUF DER BREMSE
Einen ganz eigenen Weg gegen den Fahrermangel geht man in Tirol: Dort will man den Lkw weiter aus dem Land verbannen, wie sich bei genauerem Studium des Programms der neuen Landesregierung zeigt. Bezeichnenderweise beschäftigt sich gleich das erste der 34 Kapitel mit dem Thema Verkehr. Ist es schließlich „eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Legislaturperiode“, denen man sich „besonders annehmen“ will. Oberstes Ziel seien wirksame Maßnahmen, um den Transitverkehr einzudämmen und die Zahl der durch Tirol transitierenden Lkw bis zum Jahr 2027 auf eine Million Fahrten pro Jahr zu begrenzen, heißt es darin. Wichtige Kernelemente der Tiroler Transit-Strategie sind das klare Bekenntnis zum Brenner Basistunnel und dem Ausbau der Zulaufstrecken, die Beibehaltung der Lkw-Blockabfertigungen an verkehrsreichen Tagen, die Einführung einer entsprechend hohen Korridormaut von Verona bis München, die Förderung des kombinierten unbegleiteten Verkehrs und der rollenden Landstraße sowie begleitend auch die Umsetzung von zusätzlichen Lärmschutzmaßnahmen in besonders belasteten Gebieten. Und man will die Ausweitung entlastender Maßnahmen wie das sektorale Fahrverbot (z.B. Aufnahme der Euro 6 Lkw Schadstoffklasse), auslaufende Genehmigungen für besonders emissionsstarke Lkw, Fahrverbote sowie IG-L-Geschwindigkeitsbeschränkungen. Als Draufgabe will man auch die Bestimmungen für Ausnahmen von Fahrverboten beim Ziel- und Quellverkehr evaluieren.

AUTOMATISIERTE BLOCKABFERTIGUNG
Wenn durch Lkw-Verkehr die Verkehrs- und Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben sei, so heißt es, sollen künftig automatisch Blockabfertigungen an neuralgischen Punkten (z.B. Unterinntalautobahn, Außerfern, etc.) durchgeführt werden. 

Die Situation für das Güterbeförderungsgewerbe wird sich in Tirol also weiter verschärfen. Schade, dass sich die Tiroler Intentionen fast ausschließlich auf Verbote beschränken, denn darauf, Anreize zu schaffen. In Deutschland geht man da andere Wege: Der neue Verkehrsminister Scheurer fördert mit 10 Millionen Euro pro Jahr die Anschaffung von CNG-, LNG- und Elektro-Lkw. Dass diese alternativen Antriebe durchaus praxistauglich sind, lesen Sie in unserer Juni-Ausgabe. Es geht also auch anders, liebes Tirol!

STRAGÜ 06/18
Autor/in:
Marco Dittrich
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