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Halbe Sachen

20.02.2019

Das neue Jahr hat rasanter begonnen, als so manchem in der Transportwirtschaft lieb war: Vor allem die gewaltigen Schneemengen sorgten in Großteilen Österreichs für hervorragende Winter-Auslastung der Lkw-Flotte. Allerdings nur bei jenen, die in der Schneeräumung bzw. im Abtransport dessen tätig waren. Jene Unternehmer, die sich in der Warenverteilung engagieren, kosteten Straßensperren viel Geld – des einen Freud, des anderen Leid …

ANTI-TRANSIT-WAHN
So litt auch die Beteiligung vieler Transportunternehmer an unserer von hochkarätigen Branchenkennern geprägten Podiumsdiskussion im Rahmen der Fachmesse „AutoZum“ in Salzburg unter dem Schneeräum-Stress. Dabei hätten sich die Themen und Vorträge durchaus mehr Interesse verdient. Schließlich steht die Einführung einer neuen Digitaltachographen-Generation unmittelbar vor der Haustür. 
Und dann ging unter der gewaltigen Schneedecke das von der Tiroler Landesregierung jüngst vorgestellte Anti-Transit-Maßnahmenpaket fast unter. Damit dem nicht so ist, und damit auch jeder Beteiligte frühzeitig erkennt, welcher Wahnsinn hier geplant ist, haben wir alle Fakten dazu zusammengetragen – zu finden in unserer aktuellen Ausgabe ab Seite 12.

--- Österreichs ­Eltern schreien nicht zu ­Unrecht nach Abbiegeassistenten – doch wer bezahlt diese? --- 

ABBIEGEASSISTENTEN
Abseits des Schneefalls hat jüngst auch ein leidvolles Thema eine breite Medienakzeptanz erreicht: Ein erneuter Todesfall eines Kindes, das am Schulweg von einem abbiegenden Lkw erfasst wurde, löste die Forderung nach dem verpflichtenden Einsatz elektronischer Lkw-Abbiegeassistenten aus. Mehr als 25.000 Menschen unterzeichneten (bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe) eine von Privatpersonen initiierte online-Petition dazu. Logisch, dass der zuständige Minister da unter Zugzwang gerät: Norbert Hofer hat jedenfalls angekündigt, die technische und legistische Umsetzung der Einführung von Abbiegeassistenten bei Lkw zu prüfen – zu Redaktionsschluss stand sogar eine Nachrüstverpflichtung im Raum. 
Wie der STRAGÜ berichtete, läuft ja seit 2017 ein Praxistest mit Rund-um-Kameras („Mobileye“), den auch der Fachverband Güterbeförderung unterstützt – dessen Ergebnisse will das Ministerium abwarten, sie sollen im April vorliegen. Erste Zwischenergebnisse seien „sehr vielversprechend“. 
Entscheidend ist, wer eine eventuelle Nachrüstung mit Abbiegeassistenten (so sie technisch im Lkw-Bestand auf breiter Basis überhaupt möglich ist) oder auch eine frühzeitige Ausstattung von Neufahrzeugen bezahlen wird bzw. welche Förderungen man dazu vorsieht. 

NACHTS KÜNFTIG 70 KM/H 
Festgelegt hat sich Minister Hofer jetzt bereits beim Nacht-60er: Er soll via StVO-Novelle auf 70 km/h angehoben werden. Zugleich würde sich allerdings – wie berichtet – die Dauer der Geschwindigkeitsbegrenzung um eine Stunde verlängern, also von 22 bis 6 Uhr statt wie bisher nur bis 5 Uhr. Details, wie beispielsweise die – ebenfalls an dieser Stelle angekündigten – Ausnahmen für runderneuerte bzw. nachgeschnittene Reifen sollen in Bälde abgeklärt werden. Bereits Anfang April könnte der Nacht-70er dann im parlamentarischen Verkehrsausschuss durchgewinkt werden. Fest steht aber auch: Die Strecken, auf denen explizit 60 km/h verordnet wurden, sollen weiter bestehen bleiben. Das wären etwa die Brenner-, Inntal- und Rheintal­autobahn sowie die Südosttangente. Alles in allem eine Halb­lösung also … 

 

STRAGÜ 02/19
Autor/in:
Marco Dittrich
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