Direkt zum Inhalt

Handeln, helfen!

09.10.2015

Es ist nicht ganz ein Jahr (!) her, da habe ich an dieser Stelle auf die Flüchtlingsproblematik in den belgischen und französischen Kanalhäfen und ihre Auswirkungen auf das Transportgewerbe hingewiesen – auf unserer Homepage www.strague.at veröffentlichten wir entsprechendes Filmmaterial von Fahrern. Schilderungen eines im England-Verkehr tätigen Transportunternehmers, dass „Familien, die sich in Kühlern verstecken und ersticken, weil der Fahrer unwissend die Lüftungsklappen verschließt“, schockierten damals nicht nur mich. Ein Jahr später wurde eine Lkw-Ladefläche mitten unter uns zum Massengrab! Die politisch Verantwortlichen schieben ihre Verantwortung weiterhin von einem EU-Gipfel zum nächsten. Österreich mit seinen unzähligen Ministern für Integration, Familie, Jugend, Frauen, Arbeit, Soziales, Bildung, Kunst, Verteidigung, Inneres und Äußeres braucht einen eigenen Asylkoordinator, um überhaupt irgendwas bewegen zu können. Dieser österreichischen Regierung kann man nicht einmal vorwerfen, dass sie etwas falsch macht. Schlimmer: Sie macht nichts und trifft keine Entscheidungen! Das ewige Herumgeeiere zu allen Themen, die diese Republik bewegen, nervt. Wie man in Krisensituationen am besten reagiert, zeigt das österreichische Volk: Es handelt, hilft und wird dafür international gelobt. 

TENDENZ STEIGEND

Unabhängig vom menschlichen Leid der Asylsuchenden ist das Transportgewerbe längst bis nach Mitteleuropa reichend mit den Folgen konfrontiert. „Beinahe wöchentlich haben wir uns rechtlich mit Haftungsfällen bei unbemerktem Einstieg von Flüchtlingen in den Laderaum internationaler Transporte zu beschäftigen – Tendenz steigend“, sagte mir kürzlich STRAGÜ-Rechtsexperte Dr. Dominik Schärmer. Auf die drohenden Folgen und mögliche Vorkehrungsmaßnahmen weist er in seinem aktuellen Artikel ab Seite 22 hin. Die politische Untätigkeit, die jetzt in menschlichen Tragödien endet, ist dem Transportgewerbe seit vielen Jahren auch in anderen Bereichen nur zu gut bekannt. Ein aktuelles Beispiel: Eine Art von „wirtschaftlichem Asyl“ macht angestammten Unternehmern Europas in Form der Kabotage zu schaffen: Transportunternehmer aus Billiglohnländern drängen nach dem internationalen Fernverkehr nun verstärkt in Inlandstransporte – illegal versteht sich. Fachverbandsobmann Danninger fordert zurecht ein „unverzügliches Handeln der Politik“. Denn selbst Kontrollbeamte bestätigen ihm, dass die derzeitige Gesetzgebung effektive und gezielte Kontrollen kaum zulasse. Dem zuständigen Ministerium seien aufgrund mangelnder gesamteuropäischer Bestimmungen die Hände gebunden, merkt Sabine Kühschelm aus dem Kabinett Stögers an, die wir mit den Vorwürfen konfrontierten (siehe Seite 8). Das Ergebnis: Die Wertschöpfung angestammter, heimischer Unternehmer wird einmal mehr untergraben. Löblich, dass das bmvit auf europäischer Ebene in dieser Sache intervenieren möchte, doch habe ich wenig Vertrauen, dass sich hier in naher Zukunft Verbesserungen für österreichische Nahverkehrsunternehmer auftun werden. Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren! Wie man rasch, unkonventionell und mit großem Herz hilft, bewies kürzlich ein Transportunternehmer: Dem Oberösterreicher Gerhard Spitzbart ging das Schicksal der Tochter seines aus Serbien stammenden Mechanikers derart nahe, dass er für sie nach einem tragischen Schwimmunfall nicht nur den lebensrettenden Transport nach Österreich organisierte, sondern auch die Finanzierung für die Not-OP vorstreckte. Für die entstandenen Kosten von mittlerweile 70.000 Euro ersucht er nun seine Branchenkollegen um Unterstützung (Konto AT69 3415 7000 0204 8627, Raiba Enns). Bitte: Handeln, helfen. Lob ist Ihnen sicher!  

Autor/in:
Marco Dittrich
Werbung

Weiterführende Themen

News
18.02.2013

Es war einmal mehr der gelungene Branchen-Start ins neue Jahr: Die „AutoZum" konnte trotz winterlicher Witterung ihre Stellung als der automotive After Sales-Messeplatz des Landes unter Beweis ...

News
18.02.2013

Der Güternahverkehr ist die Basis für die heimische Transportbranche. Über 85 Prozent aller Transporte erfolgen im Nahverkehr unter 100 Kilometern. Eine engagierte Gruppe von Unternehmern folgte ...

News
30.07.2012

Die ARGE LogCom, die sich um ein besseres Image des Lkw und aller daran Beteiligten in der Öffentlichkeit bemüht, freut sich über einen regen Mitgliederzuspruch.

Reportage
15.09.2011

Ein von der TU Wien und Magna Steyr initiiertes Forschungsprojekt ist nun mit einem bemerkenswerten Ergebnis abgeschlossen worden: Eine umweltverträgliche Transport- und Lieferlogistik für den ...

News
15.07.2011

Ein voller Erfolg war der „Tag der Niederösterreichischen Verkehrswirtschaft“, der Mitte Juni im Hafen Krems über die Bühne ging. Rund 1.000 Schülerinnen und Schüler informierten sich über ihre ...

Werbung