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Her mit der Rückflagg-Prämie!

19.09.2017

Da wurden sie wieder einmal durch die Medien getrommelt, die 28 Stunden eines Fahrers hinterm Steuer! Lediglich der ORF stellte es in der ZIB richtig: „innerhalb von 28 Stunden ist der Fahrer 18 Stunden gefahren“ – doch der Lkw, dessen Fahrer und vor allem die dahinter stehenden Unternehmer wurden in der breiten Öffentlichkeit wieder einmal kräftig verunglimpft. Dass diese Mega-Fahrzeiten seitens der Exekutive gerade rechtzeitig im Umfeld einer Gewerkschafts-Präsentation zu Tacho-Manipulationen (unter dem Titel „Spiel mit dem Tod auf unseren Straßen“) publik wurden, ist hoffentlich reiner Zufall.

KEIN KAVALIERSDELIKT

Manipulationen jeglicher Art gehören rigoros abgestellt – schon allein aufgrund des hohen Sicherheitsrisikos, das durch das damit einhergehende „Abwürgen“ von ABS & Co. entsteht (siehe auch Seite 9). Dass man seitens der Gewerkschaft aber die Verantwortung dafür einzig und allein den Unternehmern umhängen will, ist mir zu einfach. Auch seitens der Fahrer werden derartige Manipulationen oftmals als Kavaliersdelikt abgetan. So manches Vorstellungsgespräch startet mit den eröffnenden Worten: Chef, wie viele Fahrerkarten brauchen wir? Also, liebe Gewerkschaft: Der Wahlkampf ist schon mühsam genug, da braucht es nicht auch noch den Klassenkampf! 

DAS GESCHÄFT BRUMMT

Das Transportgeschäft läuft derzeit gut. Die großen Speditionen pochen auf Preiserhöhungen im Landverkehr (siehe auch Seite 6). Doch nicht nur sie. Ein Transporteur aus Westösterreich kam mir gegenüber kürzlich zu der Erkenntnis, dass sich die ost- und südosteuropäischen Kollegen zu smarten Unternehmern entwickelt hätten, die mittlerweile genau wüssten, wann man höhere Preise verlangen könne. Kühlt die Nachfrage ab, lässt man preislich wieder nach – „weil man es sich ja leisten kann“, wie der Großflottenbetreiber aus dem Westen des Landes bemerkte. 

Andere Transporteure orten einen Rückzug ost- und südosteuropäischer Frächter aus der Kabotage in Deutschland und Österreich aufgrund der neuen Sozialdumping Gesetzeshürden. Für viele hierzulande werden die Mindestlohn-Vorgaben aber noch deutlich zu lasch – offensichtlich aus Mangel an geschulten und befugten Kontrollorganen – kontrolliert. In diesem Punkt ist das Frächterland Österreich mittlerweile ohnedies zweigeteilt: Hier jene, die, zumeist mit langgedienten heimischen Fahrern ausgestattet, auf entsprechende Kontrolldichte pochen. Dort jene, die längst die Schlupflöcher des überhastet geeinten Europas als letzten Ausweg vor der – an der eigenen Substanz zehrenden – Billigkonkurrenz genutzt haben (Stichwort Ausflaggen) und intensivere Sozialdumping-Kontrollen scheuen wie der Teufel das Weihwasser. 

ZUG ABGEFAHREN?

Die strengeren Lohn- und Sozialdumping-Gesetze kamen für Österreichs Güterbeförderer zu spät. Zu viele haben bereits den angesprochenen Fluchtweg des Ausflaggens ergriffen. Oder lässt sich das Rad hier gar wieder zurückdrehen? Bei all den Fördertöpfen dieser Republik, die nicht zuletzt ob ihrer unübersichtlichen Vielfalt oftmals gar nicht ausgeschöpft werden: Wie wäre es denn einmal mit einer „Rückflagg-Prämie“? Jeder ausgeflaggte österreichische Unternehmer, der seinen Lkw von einem ausländischen Kennzeichen „befreit“ und hierzulande wieder anmeldet, bekommt eine entsprechende Förderung! Das Kennzeichen wäre an eine gewisse Behaltedauer gebunden – der Staat könnte spendabel sein, entgehen ihm doch schließlich derzeit pro ausgeflaggtem Lkw bis zu 50.000 Euro pro Jahr (Studie WU-Professor Kummer). Dann würde vielleicht auch so manch leidige Subunternehmer-Kette wieder an Gliedern verlieren. 

Autor/in:
Marco Dittrich
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