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Klarheit schaffen

21.06.2017

Selten zuvor wurden der Lkw und die dahinter stehenden Transportunternehmer und Fahrer in einem Massenmedium so positiv dargestellt, wie dies im ORF kürzlich passierte. Unter dem Titel „Laden, Lenken, Liefern – leben mit dem Lkw“ beleuchtete ein Spezial des Österreich-Bilds am 21. Mai (18.25 Uhr) den Alltag in der Transportwirtschaft und lieferte Fakten, die Massenmedien sonst gerne verschweigen oder gar verdrehen. Laut ORF-Teletest folgten 258.000 Zuseher der Reportage, die mit 17 Prozent Marktanteil und der Note 4,3 (5 ist die Höchstnote) eine sehr gute Bewertung bekam. 
Auf www.strague.at ist der 25-minütige Beitrag nachzusehen.

EU-MOBILITÄTSPAKET AM TISCH

Das lange erwartete „Road Package“ der EU zur Modernisierung von Mobilität und Verkehr in Europa liegt jetzt endlich am Tisch. Es soll einen wettbewerbs-, sozial- und umweltpolitischen Rahmen für den Straßengüterverkehr der Zukunft schaffen und beinhaltet auch gleich acht Gesetzesvorschläge, auch das Anziehen an der Lkw-„Emissionsschraube“ wird in Aussicht gestellt. U.a. sollen die Kabotage- und Mautregelungen neu geordnet werden, was nicht nur Bundesspartenobmann Alexander Klacska kritisch sieht: „Die angepeilte Streichung der Höchstanzahl der in einem bestimmten Zeitraum erlaubten Kabotagefahrten ist kontraproduktiv und gefährlich“, sagt er bei Beantwortung unserer „3 Fragen“ auf Seite 8. Jegliche Liberalisierung bei diesem Thema (ohne einheitlicher wirtschaftlicher und sozialer Rahmenbedingungen) ist im Sinne der heimischen Transportunternehmen abzulehnen, wie eine „Aktion scharf“ erst kürzlich an der steirischen Grenze zu Slowenien zeigte: 80 Prozent der von der Finanzpolizei geprüften Grenzgänger stehen unter dem Verdacht des Lohn- und Sozialdumpings. Jeder zweite hatte überhaupt keine Papiere mit und ist auch nicht bei der Krankenkasse angemeldet.

Die EU steht freilich vor dem Dilemma, freie Märkte schaffen zu wollen, denen die unterschiedlichen wirtschaftlichen wie sozialen Standards allerdings nach wie vor hinterherhinken. Grundsätzlich ist zu hinterfragen, ob Entsenderecht, Mindestlohn etc. überhaupt weiter verschärft werden sollten, oder ob nicht endlich einmal das bestehende Recht intensiver exekutiert werden sollte, wie sich am Beispiel der „Aktion scharf“ zeigte.

BARACKEN STATT LKW-KABINE

Doch an dieser Frage scheiden sich sogar die Interessenvertreter, wie sich bei deren jüngster Zusammenkunft im Südburgenland zeigte (siehe auch Seite 14). Die teils hitzigen Diskussionen zur zunehmenden „Kontrollitis“, wie sie einer der Funktionäre nannte, bewies, wie unterschiedlich die Interessen nicht zuletzt auch auf regionaler Ebene sind. Soll man tatsächlich mehr Kontrollen fordern, oder schneidet man sich damit eher ins eigene Fleisch? Einig ist man sich in der Branche lediglich, dass bei Kontrollen mit zweierlei Augenmaß gemessen wird. Inländische Lkw werden – schon allein aufgrund des nicht vorhandenen Sprachproblems – von den Beamten gerne öfter und härter rangenommen. Auch wenn diese das bei jeder passenden Gelegenheit bestreiten. 

Einige jetzt auf dem Tisch liegende Vorschläge des „Road Package“ lassen übrigens auch auf Erleichterungen hoffen: etwa die Klarstellung, dass der zweite Lenker bei Mehrfahrerbesetzung seine Lenkpause im fahrenden Fahrzeug verbringen darf. Der Wahnsinn, dass Fahrer ihre wöchentliche Ruhezeit lieber in Wohnbaracken, denn in ihren zumeist topausgestatteten Fahrerkabinen verbringen sollen, wird aber wohl bleiben. 

Autor/in:
Marco Dittrich
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