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Kleine Revolution

14.09.2018

Man kann getrost von einer kleinen Revolution sprechen: Mercedes-Benz legt mit echten Innovationen dem Mitbewerb die IAA-Latte sehr hoch – man darf gespannt sein, ob MAN, Volvo, DAF & Co. zur Weltleitmesse in Hannover (20. bis 27. September) noch ein Technik-Kaninchen aus dem Zylinder ziehen. Denn der Verzicht auf die klobigen Außenspiegel und das radikale Aufräumen der Armaturentafel im neu vorgestellten Actros sorgen zu Recht für Aufsehen in und abseits der Branche. STRAGÜ-Tester Andreas W. Dick war bereits hinterm Steuer des neuen Mercedes-Flaggschiffs und hat sich sehr rasch mit dem neuartigen Fahr- und Bediengefühl angefreundet.

FRAUEN AN DIE FRACHT!
Bleibt die Frage, wie die älteren Fahrer – derer es ja genug gibt – sich mit der Bedienung ihres Lkw via Handy-Display tun werden. Und: Würde Isabella ihren pinken Silo-Truck, genannt „Schakeline“, gegen den neuen Actros eintauschen? Isabella? Schakeline? Isabella ist eine der fünf „Trucker Babes Austria“, deren Lkw-Fahrerleben nach deutschem Vorbild (auf „Kabel 1“) in (vorerst) vier Folgen im Privatsender ATV porträtiert wird und bei ihrem ersten Auftritt immerhin bis zu 146.000 Österreicher vor den Fernseher lockte. Und das trotz Sportkonkurrenz (Europa League-Entscheidungsspiel von Rapid)!
Generell konnte die PS-starke Reportage einen Marktanteil von 7 Prozent bei den 12- bis 49-Jährigen (mehr als die Reportage „Nacktes Österreich“, ebenfalls auf ATV!) einfahren und trägt somit unabsichtlich dazu bei, das Image des Güterbeförderungsgewerbes, des Lkw und des Fahrerberufs zu heben. Ohne den Inhalt aller Folgen zu kennen, eine aus meiner Sicht tolle Sache!
Eine kleine Revolution würden wir alle uns beim leidigen Nacht-60er wünschen: Im Verkehrsministerium scheint man jedenfalls gewillt, Bewegung in diese unsinnige 60 km/h-Beschränkung zu bringen. 

70 KM/H IST KEINE LÖSUNG
Dem Vernehmen nach traut man sich aber nicht über eine völlige Aufhebung drüber, sondern tendiert zu einem Nacht-70er. Natürlich Schwachsinn, aber gut, besser als 60 km/h, mag man sich denken. Mehr Mut, Herr Minister Hofer: Einfach weg damit, diese Beschränkung hat in Zeiten von Pkw-140 km/h und Rechtsabbiegen bei Rot nichts mehr verloren auf Österreichs Straßen! Zumal die Exekutive beim Nacht-60er in so manchem Bundesland jüngst auf scharf stellte. 

ÜBERLEBENSFRAGE 
Einem echten Sicherheits-Risiko auf Österreichs und Europas Straßen sind wir in dieser Ausgabe auf den Grund gegangen: Dem absichtlichen und unabsichtlichen Umgang der Lkw-Fahrer mit dem Notbremsassistenten. In der Praxis legen nur allzu viele Lenker diesen still, weil er sie – ausgelöst auch durch Fahrmanöver der Pkw-Lenker – nervt. Ein fataler Fehler, wie die Analyse von Unfallszenarien zeigt. Dazu kommt, dass Fahrzeuge „immer mehr können und den Fahrer damit in falscher Sicherheit wiegen“, wie ÖAMTC Lkw-Experte Gerhard Blümel weiß. Er ist Redakteur Peter Seipel Rede und Antwort gestanden und bemängelt, dass die meisten Fahrer gar nicht genau wissen, wie ihre Assistenten funktionieren. Fazit: Das Zusammenspiel von Fahrer und Assistenten funktioniert nur dann, wenn der Lenker gut geschult ist und der Elektronik vertraut. Ansonsten kracht‘s, bei 60 genauso wie bei 80 km/h.

 

STRAGÜ 09/18
Autor/in:
Marco Dittrich
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