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Kraft der Ersparnis

19.07.2014

Ein  Déjà-vu? Mitnichten! Zwar sieht der blaue R 490 Streamliner mit Topline-Fahrerhaus seinen Testkollegen (siehe Ausgabe 5/2014) durchaus sehr ähnlich, unter der Kabine unterscheiden sich die Fahrzeuge aber gewaltig.

Richtig geraten: im R 490 werkt Scania's stärkster Reihen-Sechszylinder – dabei würden die nüchternen Eckdaten eher auf einen V8 schließen lassen: 490 PS, 2.250 Nm Drehmoment und dies ab 1.000 Umdrehungen in der Minute. Aber, kein V8 Logo, kein V8-Motor. Dagegen die letzte Evolutionsstufe des 12,7 Liter DC13 Reihenmotors, der erstarkt nun eben 490 PS bringt und dank EGR und SCR selbstverständlich Euro 6 erfüllt. Aber ist er wirklich sparsamer als der V8, oder ist er vielleicht sogar das bessere Flottenauto als der G 410, der uns mit extremer Sparsamkeit überraschte? Auf unserer Testrunde zeigt sich gleich zu Beginn, dass die 80 PS mehr gegenüber dem 410er bei einem 40-Tonner doch sehr viel ausmachen. Obwohl wir auch bei diesem Test natürlich das Fahrprogramm „Economy“ wählen, merkt man gleich zu Beginn unserer Testfahrt, am Anstieg zum Knoten Steinhäusl, dass der R 490 viel agiler ist, als sein schwächeres Pendant mit eben nur 410 PS. 

Die Kraft auf die Straße bringt das bekannte GRS 905-Opticruise-Getriebe, welches im gewählten Sparprogramm die Geschwindigkeit gleich um zwölf Prozent unter den eingestellten Wert des vorausschauenden Tempomaten sinken lässt und extrem spät zurückschaltet, oder mitunter gar nicht, wenn es sich vom Drehmoment her ausgeht. Auch vor Anstiegen wird nicht Gas gegeben. Dies fordert dem Fahrer nicht nur Geduld ab, er sollte sich tunlichst diesem Fahrstil anpassen, ruhig bleiben und die Opticruise ohne einzugreifen ihren Dienst tun lassen. Denn diesen verrichtet sie durchaus ohne Tadel. Sieht man sich nämlich die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit an, so ist diese mit 72,5 km/h beachtlich hoch, trotz des üblichen dichten Verkehrs auf der Wiener Süd-Ost-Tangente und vorgeschriebenem Tempo 60 im Wiener Raum. Der Hammer ist allerdings der Verbrauch. Im Vergleich mit dem 410er genehmigt sich der 490er gerade mal einen Liter mehr auf unserer Testrunde, absolvierte die 172,2 Kilometer aber fünf Minuten schneller. Noch eindrucksvoller wird der Vergleich mit dem V8. Hier ist der Reihenmotor fast genauso schnell wie der 580 PS starke V-Motor, der braucht aber um knapp drei Liter mehr Diesel auf 100 Kilometer. Das summiert sich bei der im Fernverkehr üblichen Jahreskilometerleistung.

Marschtempo per Fingertipp

Um das Sparpotential optimal auszunutzen ist die richtige Bedienung wichtig. Die Einstellung bzw. Anpassung der Geschwindigkeit etwa sollte in erster Linie mittels der Mehrweg-Drucktasten im Lenkrad erfolgen. Die Elektronik versucht dann, in Verbindung mit dem GPS-gesteuerten Tempomaten, die eingestellte Geschwindigkeit mit möglichst wenig Gangwechsel zu halten bzw. wann immer es möglich ist, Eco-Roll zu aktivieren und die Fuhre einfach rollen zu lassen.  Wird der Bremstempomat aktiviert, lassen sich am Display das gesetzte Tempo sowie die Geschwindigkeit ab der gebremst wird ablesen. Der Overspeed lässt sich zwischen +5 und +15 km/h einstellen.

Kabine: Da geht nichts drüber

Sie trägt ihre Bezeichnung nach wie vor zu Recht: Scanias Topline-Hütte. Das Fahrerhaus ist mit einer Länge von 2.260 mm äußerst geräumig, in punkto Stehhöhe ist sie sowieso nicht zu überbieten. Obwohl etwas in die Jahre gekommen, wirkt die aerodynamisch verbesserte Streamline-Variante  außen wie innen frisch und auf der Höhe der Zeit. Zahlreiche Ablagen im Armaturenbrett sowie ein richtig ordentlicher Flaschenhalter sorgen für ein alltagstaugliches Ambiente, das von den ausgezeichneten Sitzen nochmals unterstrichen wird. Erfreulich im Außenbereich: im Gegensatz zu anderen Herstellern, die häufig die bei den Fahrern beliebte Sonnenblende einem verbesserten Verbrauch opfern, hat Scania diese lieber aerodynamisch optimiert und belässt sie, mit neuen Scheinwerfern bestückt, auch bei den Streamline-Modellen am Fahrzeug. 
Eine feine Sache sind die großen, verschließbaren Staufächer oberhalb des Arbeitsplatzes. Ebenfalls perfekte Helferlein im Alltag sind die Sonnenschutz-Jalousien an den Seitenscheiben, die sich bis auf die Höhe der Seitenspiegel herunterziehen lassen. Ein Manko ist allerdings geblieben, die Liege, in der Einbett-Variante eindeutig zu schmal, verlangt sie schon seit Jahren nach einer Verbesserung. Vielleicht erhört man uns in Södertälje bei der nächsten Modellpflege.

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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