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Kunsttrans: Kreativ durch die Krise

13.08.2020

Kunsttrans-Geschäftsführerin Birgit Vikas verrät im Gespräch mit dem STRAGÜ, wie sie Österreichs größtes Transportunternehmen für Gemälde, Skulpturen und Installationen durch die Covid-bedingte ­Wirtschaftsflaute führt.

STRAGÜ: Frau Vikas, der Kunstmarkt ist im Zuge der Covid-Krise völlig zusammengebrochen, wie hat sich das auf Ihre Auftragslage ausgewirkt?

BIRGIT VIKAS: Bis zur Krise hat der Kunstmarkt bestens floriert und dann plötzlich eine Vollbremsung hingelegt. Sämtliche Ausstellungen, Messen und Events des heurigen Frühlings wurden abgesagt, was natürlich auch einen Großteil unserer Transporte betroffen hat. Wir haben alle Mitarbeiter bis September in Kurzarbeit geschickt, mussten aber glücklicherweise keinen einzigen kündigen.

Für den Herbst werden bereits wieder Kunstmessen und Ausstellungen angekündigt – wird Ihr Geschäft damit auf gewohntem Niveau weitergehen?

Im Herbst sind wir unter anderem Messespediteur für die Kunstmesse viennacontemporary, bei der sich österreichische und internationale Galerien von 24. bis 27. September in der Wiener Marx Halle präsentieren. Kunsttrans ist dort mit einem eigenen Messestand vertreten und kümmert sich um die Belange der Galerien vor Ort.

Das Motto der viennacontemporary lautet heuer Qualität statt Quantität – bedeutet das für Kunsttrans ein geringeres Transportvolumen?

Definitiv, die Messe wird nicht zuletzt aufgrund der Maßnahmen, die zum Schutz der Besucher getroffen werden, rund ein Drittel kleiner ausfallen als in den Jahren zuvor.

Mit welcher Strategie begegnen Sie dem aktuellen Auftragsrückgang?

Wir sind zum Glück breit aufgestellt. Unser Angebot umfasst nicht alleine den Transport eines Kunstwerks von A nach B, sondern ein breites Portfolio an Dienstleistungen für private und institutionelle Kunden. Das reicht von der sicheren Verpackung bis zum voll klimatisierten Kunstdepot. Darüber hinaus organisieren wir den logistischen Teil von Museumsausstellungen und kümmern uns um Zollangelegenheiten und sonstige Formalitäten. Außerdem kooperieren wir mit auf Kunst spezialisierten Versicherungsmaklern und ermöglichen damit den Versicherungsschutz für jede Art von Kunst zu besonderen Konditionen. Viele Kunden nehmen auch die Leistungen unserer Restaurations-, Rahmenmacher- oder Fotografie-Spezialisten in Anspruch. Abseits der Kunstszene kümmert sich unsere Abteilung „Kunsttrans Fashion“ um die Logistik rund um Importe und Exporte aus den großen Modemetropolen. Wir bearbeiten sowohl kleine Express- als auch Großsendungen und transportieren auch Gefahrengut-Sendungen wie beispielsweise Parfum oder Duftkerzen.

Welchen Anteil am Gesamt-Umsatz machen diese Zusatz-Services aus?

Das Hauptgeschäft und den größten Umsatz bringen immer noch die Transporte für Museen und Messen. Wir betreuen aber immer mehr Privatkunden, denen wir unter anderem modernste Lagermöglichkeiten für ihre Kunstwerke bieten können. So haben wir kürzlich in Wien–Simmering das größte Kunstdepot Österreichs eröffnet, das auch im internationalen Vergleich völlig neue Maßstäbe setzt. Mit einer Investition von elf Millionen Euro haben wir einen massiven, fensterlosen Bau mit 8.000 Quadratmetern Fläche errichtet. Das Gebäude ist klimaneutral und entspricht den höchsten Standards der Brand- und Sicherheitstechnik, mit Videoüberwachung rund um die Uhr und direkter Verbindung zu Polizei und Feuerwehr.

Welchen Ansprüchen muss Ihr Fuhrpark beim Transport wertvoller Kunstwerke genügen?

Unser Fuhrpark besteht aus 80 Spezial-Lkw, die für den Transport der heiklen und teuren Kunstwerke unter anderem mit einer speziellen Federung ausgestattet sind. Wertvolle Gemälde verpacken wir in selbst entwickelten und angefertigten Klimakisten. In der modernen Kunst geht der Trend zu immer größeren und sperrigeren Skulpturen – so haben wir beispielsweise Erwin Wurms verbogenes Segelboot transportiert, das auf dem Wiener Hotel Daniel montiert wurde. Wir haben ein ausgezeichnetes Team an kreativen Köpfen im Unternehmen, das solche Herausforderungen liebt. (sei)

KUNSTTRANS

Gegründet in den 1860er Jahren in Wien als Spedition E. Bäuml, wurde das Unternehmen 1974 in Kunsttrans umbenannt. 2009 schloss sich Kunsttrans mit dem deutschen Logistik-Partner Hasenkamp zur „Art Alliance“ zusammen, einer europäischen Zentrallogistik für Kunst- und Ausstellungstransporte. Heute besteht der Kunsttrans-Fuhrpark aus mehr als 80 Spezialfahrzeugen, das Mitarbeiter-Team aus über 200 Kunstpackern und Fahrern. In der hauseigenen Tischlerei werden objektspezifische Verpackungen angefertigt, das Portfolio umfasst Klima-Gemäldekisten, Klima-Fächerkisten, Gemälde-Kisten, Fächerkisten, Objektkisten, Transportrahmen, klassische Transportkartons und Handgepäcks-Koffer.

 

Autor/in:
Peter Seipel
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