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Mehr betroffene Lkw als gedacht …

16.04.2014

Vom Fahrverbot sind Lkw und Sattelzugfahrzeuge aller Gewichtsklassen betroffen, also auch Klein- oder Fiskal-Lkw. In der Wirtschaftskammer Wien schätzt man, dass allein in der Bundeshauptstadt ab heuer etwa 3.500 Lkw nicht mehr fahren dürfen – davon etwa 2.800 Lkw unter 3,5 Tonnen.

Ein gutes Beispiel für ein Euro 0-Fahrzeug, das noch zur vollsten Zufriedenheit im Einsatz ist, stellt der MAN F 90 des Transportunternehmens Heinrich Tschofen aus dem Montafon dar. Das Vorarlberger Familienunternehmen setzt den perfekt gewarteten Lkw (Baujahr 1992) zur Holzverladung ein. Das äußerst zuverlässige Modell hat rund 40.000 Betriebsstunden absolviert und mehr als eine Million Kilometer abgespult. Vorarlberg ist zwar derzeit nicht von den Lkw-Fahrverboten betroffen, der Holztransporter kommt aber immer wieder auch bis nach Tirol. Geschäftsführer Hubert Düngler hat 17 Lkw sowie 5 Bagger in seinem Fuhrpark: „Der F 90 ist immer noch ein wichtiger Lkw für uns. Wenn wir den austauschen müssen, stellt das eine große finanzielle Belastung für uns dar.“

„Um dieses Auto ist es echt schade“
1999 gründete Herbert Happenhofer (49) gemeinsam mit seiner Frau Gabriele das gleichnamige Transportunternehmen in Sulz im Wienerwald. Mittlerweile umfasst der Familienbetrieb eine fünfköpfige Mannschaft inklusive der beiden Söhne Christian (29) und Hannes (23) sowie einen gut ausgestatteten Fuhrpark, bestehend aus vier Lkw, einem Bagger und einem Forwarder. Der engagierte Betrieb hat sich auf folgende Aufgaben spezialisiert: Holz-Spezialtransporte, Transporte von Bauschutt, Strauchschnitt, Erde, Sand und Schotter sowie auf Entsorgungstransporte und Tieflader-Transporte. Ein weiteres Geschäftsfeld sind Swimmingpool-, Biotop- und Teichbauarbeiten.
Sulz im Wienerwald (Bezirk Mödling) gehört zwar nicht zu den Sanierungsgebieten des IG-L, der MAN 19272 ist aber bei Einsätzen viel in den erweiterten Fahrverbotsgebieten unterwegs. Herbert Happenhofer ist mit dem sehr haltbaren und langlebigen  Lkw (Baujahr 1993) noch immer hochzufrieden: „Wir haben das Auto von der MA 28 der Stadt Wien gebraucht gekauft und 2004 einen Euro 1-Tauschmotor bei der Firma Laimer einbauen lassen.“ Das Fahrzeug hat mittlerweile gut eine halbe Million Kilometer auf dem Buckel und ist für viele Einsätze unverzichtbar. „Um das tadellose Auto ist es echt schade – ein neuer Lkw ist finanziell nicht drin, da wir uns erst im Vorjahr einen neuen Scania-Dreiachser angeschafft haben.“
Ein großer Erlös auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist nicht zu erwarten. „Bei uns ist er jetzt nahezu unverkäuflich, ein afrikanischer Käufer hat mir 5.000,– Euro geboten“, erklärt der niederösterreichische Unternehmer. Auch auf den Arbeitsmarkt hat das Aus für den Lkw seine Auswirkung: „Die Zukunft des Fahrers dieses Autos ist in Schwebe, wir werden ihn wahrscheinlich aber kündigen ­müssen …“

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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