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Nachhaltig?

23.06.2015

Ein kleiner Schritt für Daimler, ein riesiger für die Transportwirtschaft? Im US-Staat Nevada hat der „Inspiration Truck“ der Mercedes-Schwester Freightliner jetzt die weltweit erste Straßenzulassung für einen autonom fahrenden Lkw erhalten. Mit riesigem Tamtam cruiste der mächtige Hauber dank intelligenter Sensoren und Kameras bei seiner Präsentation im Alleingang über den Hoover Dam bei Las Vegas und setzte damit den nächsten Meilenstein im Bemühen um den fahrerlosen Lkw. Daimler-Chef Bernhard formulierte in diesem Umfeld auch gleich sein weiteres Ziel, nämlich auch in Deutschland im öffentlichen Straßenverkehr zu testen: „Die Vorbereitungen dazu laufen!“ Bis das autonome Fahren jedoch einen ähnlichen Durchbruch wie die Mondlandung erzielt, wird noch viel Wasser den Colorado River runterfließen. Die Frage, wer im Falle des Falles haftet, wenn sich kein Fahrer hinter dem Steuer befindet, wird schließlich noch lange unbeantwortet bleiben. 
Auch wenn die rechtliche Basis für den Autopiloten in Europa fehlt, die technischen Möglichkeiten scheinen vorgezeichnet: Ein autonom fahrender Lkw, der über Solarreflektoren am Dach die notwendige Energie speist und via Elektromotor führer- wie lautlos durch Europa saust? Was auch immer die Zukunft bringt, nachhaltiges Wirtschaften macht heute schon Sinn, wie die Recherchen zu einem „Special“, das dieser STRAGÜ-Ausgabe beiliegt, zeigen. Ökologische und soziale Ziele unter einen Hut zu bringen, ist freilich nicht einfach – und doch werden Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) in Wirtschaftskreisen immer öfter als Innovationstreiber genannt. Je visionärer und engagierter die Eigentümerin oder der Eigentümer eines Klein- und Mittelbetriebes ist, desto höher ist der Innovationsgrad im Unternehmen und desto eher besteht die Chance auf nachhaltige Innovationen, so eine der Kernaussagen in der Beilage. 
Wie derartig nachhaltiges Wirtschaften im Transportgewerbe aussehen kann, zeigen junge Unternehmer wie Max Schachinger, dessen Betrieb mittlerweile den Ruf als größtes Gemeinwohlökonomie-Unternehmen Österreichs genießt oder Michael Klamminger, der seit Kurzem, aber dafür in dritter Generation, die Geschicke der Felber Transport GmbH (FTG) verantwortet. Mit dem steirischen Panther auf dem Lkw und zig Solarkollektoren am Hallendach seines Betriebs in der Oststeiermark zeigt er vor, wie man mit Fahrpersonal aus der Region und ebendort angemeldeten Lkw im europäischen Fernverkehr erfolgreich wirtschaften kann. Auch das ist Nachhaltigkeit, bleibt doch die Wertschöpfung in der Region. 

IMAGE-BERG BEWÄLTIGEN

Wirtschaftet die Transportbranche nachhaltig, wird sich auch das angekratzte Image wandeln. Wie es darum steht, ist einem STRAGÜ-Leser jüngst in einer Randnotiz der „Oberösterreichischen Nachrichten“ einmal mehr sauer aufgestoßen. Beim 16. Schafberglauf in St. Wolfgang ließ die fünffache Weltmeisterin in dieser Disziplin, Andrea Mayer, nach einer 16-Stunden-Schicht (!) als Ärztin im Krankenhaus Vöcklabruck alle anderen Teilnehmer hinter sich und die OÖN von „einsamer Spitze“ schwärmen. Die 1.190 Meter Höhendifferenz bewältigte die 35-jährige vor allen Männern in der Rekordzeit von weniger als 45 Minuten. Respekt! Genauso lange muss ein Lkw-Fahrer bekanntlich nach nur viereinhalb Stunden Arbeitszeit pausieren. Eine „16-Stunden-Schicht“ würde ihm auch eine Meldung in der Zeitung garantieren – allerdings eine niederschmetternde auf den Chronik-Seiten. So ist das halt mit dem Image und der Nachhaltigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung … 

Autor/in:
Marco Dittrich
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