Direkt zum Inhalt

Rosige Zukunft für Riesen?

08.08.2017

Es ist ja nicht unüblich, dass sich deutsche Großunternehmen in Österreich einkaufen. Umgekehrt eher schon. So überraschte es dieser Tage auch so manchen, dass der oberösterreichische Transporteur Trawöger den auf den Transport flüssiger chemischer Produkte (mit Sitz in Durmersheim bei Karlsruhe) spezialisierten deutschen Kollegen Roos übernommen hat.

OHNE KNEBELVERTRÄGE

Der hauptsächlich im England-Planenverkehr tätige Unternehmer Rupert Trawöger, der im Umgang mit Subunternehmern von sich selbst behauptet, tagtäglich zu beweisen, „dass es auch ohne Knebelverträge und Knechtverhältnisse eine gute Partnerschaft zwischen Auftraggebern und Frachtführern geben kann“, verbreitert damit sein Portfolio nicht unbeträchtlich. 

Zu seinem rund 500 Lkw starken Eigen-Fuhrpark gesellen sich durch diese Übernahme 250 weitere Lkw dazu – mitsamt Aufliegern, Tankcontainern etc. bewegt man künftig also rund 1.500 Einheiten, womit Trawöger zu den ganz großen österreichischen Transportunternehmen aufsteigt. 

GUNST DER STUNDE GENUTZT

„Wir haben die Gunst der Stunde genutzt – schließlich gab es eine Handvoll weitere Interessenten“, erklärt mir Rupert Trawöger am Telefon. Vor dem für ihn bislang unbekannten Terrain der Flüssigtransporte zeigt er keinerlei Berührungsängste. Ganz nebenbei erwartet er sich von den bestehenden Roos-Kunden, darunter einer der ganz großen Verlader im chemischen Bereich, natürlich zusätzliche Aufträge, von denen sein bisheriges Stammgeschäft profitieren soll. 

Aus Altersgründen habe der bisherige Roos-Eigentümer verkauft, bis Jahresende verbleiben er und dessen Frau noch in der Geschäftsführung um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. In der Roos-Zentrale wird der 40jährige Transport-Quereinsteiger und Trawöger-Vertraute Jürgen Lugstein (ohne jegliche Verflechtung mit dem gleichnamigen Straßwalchener Transportunternehmen) die operative Führung übernehmen. 

Der Hauptsitz von Trawöger wird dieser Tage übrigens gerade von Vorchdorf ins nahegelegene Ried im Traunkreis verlegt. Dorthin, wo einst ein anderer heimischer Transportriese residierte: Die ehemalige Interliner-Zentrale mit ihrem glamourös anmutenden Gebäude wird neue Heimat der Trawöger-Gruppe – bleibt also eine „roosigere“ Zukunft zu wünschen, als es den Rumplmayr-Brüdern beschieden war. Denn das Interliner-Ende ist in der Branche nur allzu gut bekannt …

CHANGE ALS CHANCE 

Firmenübernahme, -umzug und ein Geschäftsfeld, das völliges Neuland ist. Dabei hätte der ausgewiesene England-Spezialist Trawöger mit den drohenden Auswirkungen des Brexit genug Sorgen am Hut: Doch der findige Unternehmer macht genau das, was jeder Unternehmer – und das nicht nur auf die Transportbranche bezogen – regelmäßig machen sollte. Althergebrachte Geschäftsfelder und Strategien überdenken. Und im besten Fall neue Wege und Möglichkeiten finden. „Change Management“ wird das in Zeiten wie diesen genannt. Im Fall von Rupert Trawöger freilich ein gewaltiger Schritt, doch hatte sein Unternehmen schon jetzt eine ansehnliche Größe. Auch für kleine Unternehmen – die Basis des österreichischen Güterbeförderungsgewerbes – kann „Change“ eine Chance sein wenn es um die Zukunft geht. Vielleicht steht dann ja sogar eine rosige vor der Tür.

Autor/in:
Marco Dittrich
Werbung
Werbung