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Schöne neue Welt

23.10.2017

Jetzt ist er also voll angekommen in Österreich, der Lenkermangel.

Natürlich ist es schon seit einigen Jahren schwierig, geeignetes, qualifiziertes, vielleicht auch noch deutschsprachiges, Fahrpersonal zu bekommen – doch derzeit bekommt man gar nichts mehr. Das ist insofern besonders ärgerlich, da die Auftragsbücher voll sind. Im Fern- wie im Nahverkehr. Einige wenige, die sich über die Jahre ein gutes Image mit tollen Lkw und ein dazugehörig entsprechend gutes Betriebsklima aufgebaut haben, profitieren jetzt, da sie via Mundpropaganda unter den Fahrern und natürlich – auch wenn man das nicht gerne zugibt – über aktives Aquirieren, sprich Abwerben, nach wie vor zu gutem Personal kommen, bzw. gutes Personal nach derartigen Arbeitgebern sucht. Beim Gros sieht es aber anders aus: „Wenn Du einem osteuropäischen Fernfahrer 50 Euro im Monat mehr versprichst, wechselt der in der Sekunde das Unternehmen“, sagt Österreichs größter Arbeitgeber in diesem Bereich (siehe Bericht auf Seite 14). Freiwillige Lohnerhöhungen im Zwei-Monats-Takt seien in seinen ost- und südosteuropäischen Filialen die Folge, das muntere Abwerben von Fahrern ist europaweit längst voll im Gange. Mit der Folge, dass sich die Kosten für Lenker in West- wie Osteuropa hinauflizitieren. Und es wird schon bald so sein, dass Transportunternehmer jungen Leuten nur allzu gerne deren C-Führerscheine (vor-)finanzieren. Dazu müssen diese aber erst einmal für den Job motiviert werden – was wohl das schwierigere Unterfangen werden wird … 

KOSTEN RAUF, PREISE RAUF!

Damit einhergehend müssen sich aber auch die Frachtpreise nach oben bewegen. Wer dies jetzt in der Hochkonjunktur nicht vorantreibt, dem ist nicht zu helfen. „Unsere Großverlader kennen all diese Umstände mittlerweile nur allzu gut“, sagt Richard Gartner. Nicht nur er sieht die Transportbranche in einem massiven Umbruch. Frächter mit Eigenfuhrpark (und Fahrern!) seien wieder willkommen, meint er. Reine Transportvermittler, die sogenannten Sofaspediteure, werden mangels Kapazitäten wieder vom Markt verschwinden. Und will man dem Fahrermangel noch etwas Positives abgewinnen, dann das: Wer zu wenige Fahrer hat, kann auch seinen Fuhrpark nicht erweitern, um sich irgendwann mit Laderaum-Überkapazitäten wieder um Kopf und Kragen fahren zu müssen. 

NUR MIT GELD ZU LÖSEN?

„Nur wer in Zukunft den Fahrer hat, macht das Geschäft“, bringt es Richard Gartner auf den Punkt. „Das Problem wird nur mit Geld zu lösen sein“, ergänzt ein anderer erfahrener Unternehmer und Funktionär, der im gleichen Atemzug erkennt, dass in Europa einheitliche Mindestlöhne hergehören. 

Den Beruf des Lkw-Fahrers für junge Leute also wieder interessant zu machen, ist eine der ganz großen Herausforderungen. Nicht nur der Branche, sondern der gesamten Gesellschaft, die ihre Waren dank Amazon & Co. künftig noch rascher daheim haben möchte. Doch wie erklärt man einem jungen Menschen, dass Lkw-Fahrer ein spannender, abwechslungsreicher und gut bezahlter Beruf ist, wenn der jeden Tag vom autonomen Fahren liest? 

Die Transportwirtschaft allein wird diese Herausforderung nicht stemmen, dazu bedarf es viel mehr Anstrengungen, als sich Otto Normalverbraucher und die Politik heute vorstellen können. Spätestens dann, wenn gewisse Güter in dem weiter prognostizierten Wirtschaftswachstum nicht mehr zum Empfänger kommen, wird’s den großen Aufschrei geben. Faszinierend: Ein Streik quasi, der gar keiner ist. Oder doch? Angebot und Nachfrage regeln sich ja bekanntlich immer selbst. Vielleicht ist es ja bald schon so weit, dass man sich wieder über den freut, der bringt, was wir täglich brauchen. Der Lkw, der Transportunternehmer, der Fahrer. Schöne neue Welt! 

Autor/in:
Marco Dittrich
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