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Schraubenschlüssel in Griffweite

17.02.2010

Totgesagte leben länger. Eigenwerkstätten erfreuen sich bei heimischen Transportunternehmern unverändert größter Beliebtheit. Daran kann auch der hohe Elektronikanteil in modernen Nutzfahrzeugen nichts ändern.

Bei anfallenden Wartungs- und Reparaturarbeiten an einem seiner mehr als 40 in Kapfenberg stationierten Lkw, gibt es für den steirischen Transporteur Anton Egger nur einen Ansprechpartner: den Hersteller des Fahrzeuges.

Steht bei einem seiner Anhänger oder Auflieger ein Werkstättentermin an, kann er diesen theoretisch sogar von seinem Bürofenster aus mitverfolgen. „Wir haben bei der Errichtung unseres neuen Firmenstandortes von Anfang an eine großzügig dimensionierte Werkstätte mit eingeplant“, erklärt der Unternehmer. Wieso er gerade in Zeiten, in denen der Siegeszug der modernen Leistungselektronik in Nutzfahrzeugen noch lange nicht am Zenit angekommen scheint, trotzdem in eine eigene Werkstätte investiert, ist für ihn in wenigen Worten erklärt. „Wir haben in unserem Fuhrpark eine strikte Trennung vollzogen.

Ziehende Einheiten gehen in Werkstättenangelegenheiten zum Hersteller, bei unseren gezogenen Einheiten kümmern wir uns selbst darum.“ Drei Mitarbeiter sind derzeit mit der Instandhaltung und den Reparaturen an den Anhängern und Aufliegern der Egger Transport GmbH beschäftigt. Gedanken darüber, die Dienstleistungen im eigenen Haus auch auf die ziehenden Einheiten zu übertragen, macht sich Anton Egger (noch) keine. „Durch die moderne Infrastruktur sind wir jederzeit in der Lage, auch unsere eigenen Lkw zu servicieren. Daran ist momentan aber nicht gedacht.“

 

Einfachere Wartungsarbeiten erledigen
Das Beispiel des steirischen Transportunternehmers Anton Egger ist für Andreas Rappold, Geschäftsführer der R.A.L. Handels GmbH aus Linz, nur ein Grund von vielen, warum die lange Zeit totgesagte Eigenwerkstätte seit langem schon eine Renaissance erlebt. „Abgesehen von den saftigen Stundensätzen in Fachwerkstätten gehen typische Wartungsarbeiten, wie z.B. der Tausch einer Bremse, immer leichter von statten“, nennt Rappold zwei der Hauptgründe für diese Entwicklung. Zugute kommt den Fahrzeughaltern beim Warten ihrer Flotte die mittlerweile sehr hohe Zuverlässigkeit ihrer Lkw. Weitreichende Schäden, wie kapitale Ausfälle bei Motor, Getriebe oder Hinterachse, sind in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren deutlich zurückgegangen. „So lange Fahrzeughalter mit Eigenwerkstätten ohne Diagnosegerät auskommen, werden sie versuchen, die Arbeiten selbst zu erledigen. Benötigen sie dafür elektronische Unterstützung, investiert jedoch kaum einer von ihnen in meist teure Diagnosegeräte.“

Die ungebrochene Beliebtheit der Eigenwerkstätten hat für den R.A.L-Geschäftsführer auch finanzielle Hintergründe, abseits von Stundensätzen. „Bei den dahindümpelnden Frachtraten ist jeder Transporteur auf der Suche nach kaufmännischen Optimierungsmöglichkeiten im eigenen Unternehmen. Dazu zählt natürlich auch eine möglichst gut ausgelastete Eigenwerkstätte.“

 

Emotionale Einrichtung
Als zumeist wichtigen Teil der langjährigen Firmengeschichte hat Volvo Austria Aftermarket Manager Heinz Gossmann die Eigenwerkstätten vieler Frächter kennen gelernt. Besonders bei über Jahre hinweg gewachsenen Familienbetrieben zählt diese Einrichtung oft zu einem fixen Bestandteil der Unternehmensphilosophie. „Gerade bei Familienbetrieben wird dieses Thema oft sehr emotional behandelt“, weiß Gossmann. Während sich ein Teil der Familie um das Transportgeschäft kümmert, managt der andere Teil des Clans die Arbeiten in der eigenen Werkstätte. Kostenwahrheit und wirtschaftliches Denken stehen in solch einem Umfeld nicht immer an oberster Stelle.

 

„Nur weil die letzten 40 Jahre gewisse Arbeiten in Eigenregie erledigt wurden, heißt das noch lange nicht, dass diese Einstellung auch heute noch der richtige Weg ist.“ Als Richtwert für eine zeitgemäß geführte Eigenwerkstätte zitiert Heinz Gossmann die Studie eines mit der Materie betrauten Unternehmensberaters. Dieser spricht von einer Mindestgröße beim Fuhrpark von 100 Lkw.  

 

Stefan Hawlicek n

 

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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