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Sektoraler Misserfolg

18.07.2017

"Auch Schritt 2 des Sektoralen Fahrverbots hat nicht den gewünschten Effekt gebracht. Was folgt jetzt?"

Ein interessanter Artikel war am 10. Juli auf orf.at zu finden. Allerdings nur für wenige ersichtlich, denn er verschwand innerhalb kürzester Zeit von der prominenten Startseite, was im medialen Sommerloch doch recht merkwürdig erscheint. Vielleicht lag der Umstand aber auch an der Brisanz des Themas: Denn schon Titel und Einleitung des Artikels mag vielen in Tirol – und auch vielen einer gewissen politischen Richtung – äußerst sauer aufgestoßen haben: „Auch die zweite Phase des sektoralen Lkw-Fahrverbots hat den Schwerverkehr durch Tirol nicht einbremsen können. Im Mai und Juni hat der Transitverkehr auf der Brennerstrecke sogar noch stärker zugenommen als in den Monaten davor“, war zu lesen. Und: „Im Mai und Juni seien heuer um 23.000 Lkw-Züge mehr über den Brenner gerollt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das entspreche einem Plus von mehr als sechs Prozent.“ Der Hauptgrund dürfte im wirtschaftlichen Aufschwung liegen, attestierte die ORF-Berichterstattung richtigerweise. „Aber“, so die Berichterstattung, „das sektorale Lkw-Fahrverbot ist derzeit nicht in der Lage, diese Zuwächse abzufedern. Zwar sind zuletzt auch mehr Lkw per Bahn auf der Rollenden Landstraße durch Tirol transportiert worden, in absoluten Zahlen sind die Zuwächse auf der Straße aber um ein Vielfaches größer.“ 

WEITERFÜHRENDE MASSNAHMEN 

Anlass genug für die neue grüne Kraft (und Tirols LH-Stv.), Ingrid Felipe, weitere Maßnahmen zu fordern. „Wir brauchen die Unterstützung der Nachbarn, um die Korridormaut von München nach Verona zustande zu bringen“, so Felipe gegenüber ORF Tirol. Aus Südtirol ist schon länger zu hören, dass man durchaus Interesse habe, das (Nord-)Tiroler Sektoral-Modell zu übernehmen. Mit den jetzt vorliegenden Zahlen wird man dieses Vorhaben ja hoffentlich noch einmal überdenken! 

Apropos überdenken: So manch einer setzt in all dem umweltgerechten E-Mobilitäts-Wahn schön langsam weitere Gedankensprünge. Woher soll denn eigentlich der ganze Strom herkommen, der bei zunehmender Population der Elektrotechnologie notwendig wäre? 

NUR MIT ATOMKRAFT?

Allein der österreichische Bedarf bei voll umgestellter E-Mobilität erfordere laut Experten zehn zusätzliche Donaukraftwerke. Oder eineinhalb Atomkraftwerke. Letztere will man ja bekanntlich in Österreich nicht. Will man aber den importierten Atomstrom? Oder lieber den aus den deutschen Braunkohlewerken, die definitiv die größten Umweltverschmutzer sind? 

Nicht falsch verstehen: E-Mobilität macht Sinn. In gewissen Bereichen sogar im Güterverkehr. Daimler hat jetzt seinen einjährigen Praxistest mit fünf vollelektrischen Leicht-Lkw (6-Tonner Fuso Canter) in Stuttgart abgeschlossen. Nach 27.000 Kilometern im bergigen Nahverkehrs-Terrain (u.a. im Einsatz des Logistikers Hermes) kommt man zu dem Schluss, dass diese „zu jeder Jahreszeit voll alltagstauglich“ seien. Die Reichweite der eingesetzten Energiespeicher von rund 100 Kilometer wurden allerdings als „gerade ausreichend“ erachtet – bei tiefen Außentemperaturen könne es „schon einmal knapp werden mit der möglichen Fahrtstrecke“. Daimler will trotzdem noch heuer mit einer Kleinserie des Fuso eCanter starten. Auch von MAN sollen die E-Trucks ja schon bald zu den österreichischen Kunden kommen (wir berichteten). 

Seien wir bei der E-Mobilität aber nicht zu euphorisch, sonst darf durch Tirol bzw. die gesamte Alpenregion schon bald nur noch diese Lkw-Klasse fahren. Nach jetzigem Stand mit „schmutzigem“ Strom.

Autor/in:
Marco Dittrich
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