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Steigende Gefahr

29.10.2019

Ein Video von aufgegriffenen Flüchtlingen in einem österreichischen Lkw macht die Internet-Runde. Was steckt dahinter?

Ein Fahrer der in Lauterach ansässigen Spedition Braun bemerkte auf dem Weg nach Großbritannien nach einer Pause auf einer Autobahn-Raststation in Belgien Manipulationen am Auflieger-Türschloss des Trockenkoffers. Er fährt nach Dünkirchen, wählt dort absichtlich die (rechte) Kontrollspur und teilt den Beamten seinen Verdacht mit, dass Flüchtlinge im Laderaum versteckt sein könnten. Wie im Video unten zu sehen, lässt sich das Schloss mit dem eigentlichen Schlüssel nicht mehr öffnen. Nach Zuhilfenahme eines Bolzenschneiders bestätigt sich rasch die Befürchtung des Fahrers: Auf den Paletten kauern insgesamt 14 blinde Passagiere, die schließlich aufgefordert werden, den Laderaum zu verlassen. Bilder, die erschüttern, vor allem weil sie an Tragödien wie jene in Österreich, als 2015 71 Tote in einem Kühllaster aufgefunden worden waren, oder jene vor wenigen Tagen in England mit 39 Toten, erinnern.

Versäumnis der Politik

Die Transportwirtschaft wird mit der Gefahr, in eine derartige Tragödie zu geraten, freilich allein gelassen – bewachte Parkplätze gibt es nicht in ausreichender Zahl. „Vorfälle wie diese ereignen sich in Richtung Großbritannien laufend“, sagt Gerhard Braun, Chef des Vorarlberger Familienunternehmens im Gespräch mit dem STRAGÜ fast schon resignierend, und spricht von einem „Versäumnis der Politik“. Das Unternehmen schult seine Fahrer regelmäßig, händigt Merkblätter aus und lässt sie nach Protokollen agieren.

Speziell jetzt, nach dem Sommer – wohl ob der fallenden Temperaturen – steige die Zahl derartiger Schlepperaktionen, das kann Braun seit Jahren verfolgen. Erschreckend: Vor mittlerweile bereits fünf (!) Jahren hat der STRAGÜ zum ersten Mal ein Video eines heimischen Lkw-Fahrers, der die dramatischen Zustände in den belgischen und französischen Kanalhäfen dokumentierte, veröffentlicht. Geändert hat sich seit damals an der Gesamtsituation nichts – lediglich, dass die Schlepper immer kreativer und professioneller agieren.

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