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Rupert Melmer (l.) und sein Sohn Simon lassen sich von der Coronakrise nicht unterkriegen.

Tiroler Trucker kämpfen gegen Corona

26.03.2020

Die Geschäftsführer des Tiroler Transportunternehmens Silo Melmer lassen sich von der Coronakrise nicht einschüchtern und finden, dass diese neben aller Tragik auch Chancen auf eine neue Ordnung mit sich bringt.

Ein rollendes Kunstwerk, gestaltet von Knud Tiroch

Mit knapp über 60 Fahrzeugen ist das auf Silotransporte spezialisierte Unternehmen Silo Melmer eines der größten in Tirol. Rupert Melmer führt den Familienbetrieb seit 1980, sein Sohn Simon übernahm 2013 die Hälfte des Transportunternehmens und ist seit damals Co-Geschäftsführer. „Derzeit sind wir nur zu 35 Prozent ausgelastet, da der Verkehr in Österreich mit den landesweiten Quarantänebeschränkungen komplett auf Null zurückgegangen ist und nur der Deutschlandverkehr noch funktioniert“, sagt Simon Melmer. Normalerweise legen die Transporter aus Imst europaweit rund 5 Millionen Kilometer pro Jahr zurück. Ihre Ladung besteht aus staubförmigen Gütern wie Zement, Asche, Fertigputzen, Kalk, Gips, Steinmehl und Quarzsanden. Dass sie unterwegs für so manchen „Wow-Effekt“ sorgen, ist einem Geistesblitz zu verdanken, den Rupert Melmer vor rund 25 Jahren beim Joggen hatte. „Die Idee war, die Silofahrzeuge als fahrende Werbeträger zu nutzen“, sagt der kreative Tiroler Transporteur. Kurzerhand bat er den Airbrush-Künstler Knud Tiroch, seine Lkw zu rollenden Kunstwerken umzugestalten – der Rest ist Geschichte: Die Trucks aus dem Hause Melmer sind auf den Straßen Mitteleuropas längst zum Blickfang geworden.

Neue Ordnung nach der Krise

„Die Krise trennt die Spreu vom Weizen“, sagt der als Mann der offenen Worte geltende Seniorchef Rupert Melmer. „Wer bisher ehrlich gearbeitet hat, wird weiter bestehen, die anderen müssen sich etwas überlegen.“ In der Zeit nach der Krise will er sein Transportunternehmen noch selbstbewusster als bisher führen und potenzielle Auftraggeber von der Qualität seiner Leistungen und seines Personals überzeugen. „In Zeiten wie diesen merkt man erst, welche Bedeutung einem funktionierenden Straßengütertransport zukommt“, so Melmer. „Wir leisten gute Arbeit und gehören dafür auch angemessen bezahlt.“ Sein Sohn Simon ergänzt: „In der Coronakrise werden die Verdienste der Transporteure auch medial verstärkt ins Rampenlicht gerückt – das bringt uns und unseren Fahrern einen deutlichen Imagegewinn.“ Eine in Österreich längst fällige Entwicklung, findet der Junior-Chef und wünscht sich, dass der Lkw-Fahrer auch hierzulande lieber als „Lkw-Chauffeur“ tituliert werden sollte, wie es in der Schweiz seit jeher üblich sei.

Autor/in:
Peter Seipel
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