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Traue keiner Statistik

20.11.2018

Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast, heißt es so schön. Ich trau mich im Fall jener des Transportaufkommens in Österreich trotzdem drüber: Denn aus den jüngst veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria dazu geht zum Beispiel hervor, dass nur mehr etwas mehr als zwei Prozent des Transits durch Österreich von in Österreich registrierten Güterkraftfahrzeugen transportiert wird – was gerade einmal 1,2 Millionen Tonnen entspricht. Oder, dass Deutschland, trotz der Entwicklung der osteuropäischen Märkte, nach wie vor unser wichtigstes Versand- und Empfangsland bleibt: Denn das Transportaufkommen zu bzw. von unseren Lieblingsnachbarn ist genauso hoch wie jenes der Länder Italien, Tschechien, Ungarn, Slowenien, die Slowakei sowie Polen zusammen.

POLEN STARTEN DURCH
Und noch ein interessantes Detail: Betrachtet man nur ausländische Güterkraftfahrzeuge auf Österreichs Straßen, so wurde 2017 das höchste Transportaufkommen erstmals von in Polen registrierten Fahrzeugen erbracht. Wir sprechen freilich von Kennzeichen – doch machen Sie sich selbst ein Bild der vielen statistischen Zahlen zum Transportaufkommen in unserer aktuellen Ausgabe! 

ERNÜCHTERUNG 
Dass heimische Transporteure im internationalen Verkehr an Terrain verlieren ist nichts Neues. Dass dies auch deswegen passierte, weil man in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnten keinerlei politische Rückendeckung erfahren hatte, ist auch hinlänglich bekannt. Doch dass auch die vom Transportgewerbe mit viel Hoffnung bedachte neue Regierung kaum angekündigte Vorhaben umsetzt, enttäuscht. Im Rahmen des jüngsten parlamentarischen Verkehrsausschusses wurde jedenfalls kein einziges für das Gewerbe relevante Thema behandelt. Verwunderlich, da ja – wie berichtet – selbst im Regierungsprogramm eine Evaluierung des Lkw-Nacht-60ers und eine Neuregelung und Anpassung der Gewichtstoleranzen und Maße für Lkw festgeschrieben ist. Oder soll man Regierungsprogrammen künftig noch weniger trauen als Statistiken? 

HOFFNUNG STIRBT ZULETZT
„Der Lkw-Nacht-60er stört mich irrsinnig und ich werde Maßnahmen setzen, dass dieser fällt“, sagte Infrastrukturminister Norbert Hofer jedenfalls zu ­Halloween in der Puls 4-Fernseh­sendung „Pro & Contra“, in der das Thema „Auto­fahrer in Österreich - Klimasünder oder Melkkühe?“ diskutiert wurde. 
Apropos Melkkuh: Bis Redaktionsschluss der November-Ausgabe standen die Lkw-Mauttarife für 2019 noch immer nicht fest. So wie es aussieht, wird der Transportbranche aber wohl ein faules Ei unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Denn dem Vernehmen nach könnten die Euro 6-Tarife um bis zu sechs Prozent nach oben schnellen. Warum? Weil der Euro 6-Lkw-Bestand so derartig schnell gewachsen ist, kommt die Regierung gar nicht umhin, diese Fahrzeuge zu verteuern, will sie die Gesamterträge aus der Lkw-Maut gleich hoch halten. Für all jene, die in moderne, schadstoffarme Lkw investierten, jedenfalls ein Schlag ins Gesicht! 
Stellen Sie sich also darauf ein, dass Ihre Kosten steigen, nicht zuletzt auch weil es aufgrund von technischen Defekten in für Österreichs Versorgung wichtigen Raffinerien zuletzt zu Treibstoffeng­pässen bzw. daraus resultierenden deutlichen Dieselpreissteigerungen am Spot-Markt kam. Denn der Diesel wird uns noch eine Weile begleiten, auch wenn Alternativen immer interessanter werden. Wir haben uns nicht nur die LNG-Technik etwas genauer angesehen, sondern können in unserem Tagebuch auch von einem problemlosen Elektro-Lkw-Einsatz berichten. Mehr dazu finden Sie ebenfalls in unserer aktuellen November-Ausgabe.

STRAGÜ 11/18
Autor/in:
Marco Dittrich
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