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Viren, Déjà-vus und ein neuer Chefredakteur

02.04.2020

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mir eine Freude, Sie als neuer Chefredakteur des STRAGÜ begrüßen zu dürfen. Ich bin zwar der Meinung, dass sich Journalisten oft selbst zu wichtig nehmen, es gebietet jedoch die Höflichkeit, dass ich mich kurz vorstelle.

Zuerst möchte ich mich jedoch im Namen des Österreichischen Wirtschaftsverlages bei meinem Vorgänger bedanken. Marco Dittrich hat diese Zeitschrift über Jahre geprägt und zu dem mitentwickelt, was sie heute ist: die wichtigste Fachzeitschrift für das österreichische Güterbeförderungsgewerbe, das Sprachrohr dieser so wichtigen Branche. Ich darf nun das Steuer übernehmen und damit eine gut geführte Zeitschrift, prall gefüllt mit wichtigen Informationen, Servicegeschichten, Fachbeiträgen, Testberichten und Kommentaren von Entscheidungsträgern. Aber auch garniert mit unterhaltsamen Elementen und Geschichten, die das Leben schreibt. 

Die Brille des Unternehmers 

Apropos Leben. Meines ist eng mit dem Transportgewerbe verbunden. Als Sohn eines Taxiunternehmers, dessen Cousins eine Tankstelle betrieben und dessen Kumpel eine Spedition besaß, habe ich die Welt schon früh durch die Brille eines Unternehmers gesehen. Meine journalistische Karriere hat übrigens beim Wirtschaftsverlag begonnen. Später, als Ressortleiter bei der Tageszeitung WirtschaftsBlatt, habe ich mich Jahre lang mit der Autobranche (Pkw und Lkw) beschäftigt, Märkte und Aktien analysiert. Zudem habe ich Testberichte verfasst, vom Zweirad bis zum leichten Nutzfahrzeug (privat fahre ich übrigens einen Toyota Hilux Pick-up). 

Und so schließt sich nun der Kreis: Nach einem Ausflug in die Medizin als Chefredakteur der Medical Tribune darf ich mich sozusagen wieder in den Sattel schwingen. Und ich kehre zurück in den Wirtschaftsverlag, der sich zu einem modernen B2B-Medienhaus entwickelt hat. Leider schließt sich auch ein weniger erfreulicher Kreis: Dass ich beim STRAGÜ gleich wieder mit einem medizinischen Thema konfrontiert bin, war nicht zu erwarten. Das Coronavirus beschäftigt gerade auch das Transportgewerbe. Dass Branchenevents abgesagt wurden, war noch das geringste Problem. Ökonomen prophezeien eine Rezession, Konzerne brechen Umsätze und damit auch Gewinne weg und viele Menschen fürchten, dass Lieferketten reißen. Wie schlimm es am Ende wirklich wird, kann niemand sagen und so ist es immer noch ein schmaler Grat zwischen Ruhe bewahren und Überreagieren. 

Das Virus als Gamechanger?  

Eine Anmerkung sei schon jetzt erlaubt: Das Virus trifft auf eine fragile Welt, global vernetzt, jedoch ohnehin schon von Fragmentierungstendenzen geprägt. Nationalismus und Protektionismus könnten durch eine Epidemie verstärkt werden. Dabei wäre gerade in Krisenzeiten globale Kooperation wichtig. Oder wird das Virus gar zum Game Changer? Chefvolkswirt Philippe Waechter glaubt, dass eine Pandemie das Potenzial hat, die Globalisierung teilweise rückgängig zu machen und dass Unternehmen künftig wieder stärker lokal produzieren werden. Oder bleibt es am Ende doch nur bei einer weiteren Episode der Wirtschaftsgeschichte? So wie die Terroranschläge vom 11. September 2001, die die Welt zwar verändert haben, der Wirtschaft aber keinen nachhaltigen Schaden zugefügt haben. Unmittelbar nach den Anschlägen bestanden Ängste, die mit den heutigen vergleichbar waren: Großveranstaltungen wurden gemieden, Reisen abgesagt, und man sorgte sich um internationale Lieferketten.

Letztendlich schlug die Gier dann aber einmal mehr die Angst, und die globale Party in den Wachstumsmärkten Asiens ging erst richtig los. Auch die globale Finanzkrise mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 als Höhepunkt hat das System nicht nachhaltig verändert. Eines ist für uns jedenfalls beruhigend: So oder so, ob Waren nun von einem Containerhafen oder einer europäischen Fabrik verteilt werden müssen – den guten alten Straßengüterverkehr wird man immer brauchen. 

Aber genug von der Weltwirtschaft und erst recht von meiner Wenigkeit. Viel wichtiger ist das Team und hier setzen wir auf Kontinuität: Peter Seipel und Andreas W. Dick bleiben selbstverständlich an Bord und werden in gewohnter Qualität für Sie berichten. Ich freue mich derweil, einzutauchen in diese interessante Branche, in einer Zeit, die spannend ist wie selten zuvor. Allen voran freue ich mich darauf, möglichst viele von Ihnen alsbald persönlich kennenzulernen.

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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