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Wasserstoff, aus dem die Träume sind

21.01.2019

Da bekam das Güterbeförderungsgewerbe vor Weihnachten noch ein paar nette Packerl auf den Hof geworfen: Das unter österreichischem EU-Vorsitz durchgeboxte Mobilitätspaket (wir berichteten bereits), neue Lkw-Abgasemissionsgrenzwerte mit horrenden Strafzahlungen bei Nichtbefolgung. Und dann durfte man endlich (am 11. Dezember!) auch erfahren, was man denn 20 Tage später für das nächste Jahr für die Straßenbenützung in Österreich zahlen darf. 

TARIFE ABGEFEDERT: ERFOLG?
Einst verständigte man sich darauf, die gesetzlich vorgesehene Tarifanpassung seinen Zahlern so kundzutun, dass diese auch kaufmännisch ordentlich damit kalkulieren können – das wurde mittlerweile aber anscheinend wieder über Bord geworfen. Dass es dann solange dauerte, lag aber auch daran, dass der Aufschrei über die geplante sechsprozentige (!) Erhöhung bei Euro 6-Lkw wohl bis in höchste („wirtschaftsfreundliche“ türkis-blaue wohlgemerkt) Regierungskreise zu vernehmen war. Also setzte man sich noch einmal mit den Interessenvertretern zusammen mit dem Ergebnis, dass auf deren Bemühen hin Vernunft einkehrte und man sich schließlich bei vier Prozent einpendelte (alle Details zu den neuen Tarifen finden Sie in unserer akutellen Ausgabe). 
Und doch gilt es zu hinterfragen, ob dies denn nun und zukünftig gelebte Verhandlungstaktik sei? Ich werf einfach einmal einen großen Brocken ins Rennen und geb dann noch ein bisserl nach. Mit den Güterbeförderern kann ich‘s ja machen. Schade, denn vom wirtschaftsfreundlichen türkis-blau durfte man sich mehr erwarten. 
Vier Prozent Steigerung bei Euro 6-Lkw sind noch immer eine Größenordnung – zumal die Asfinag seinem Eigentümer, dem Staat Österreich, für das Jahr 2018 eine Dividende von 170 Millionen Euro gönnen will. 2017 waren das – nur zur Erinnerung und zum Vergleich – noch 100 Millionen Euro. Warum gibt es dann derartige Mauterhöhungen? Reine Geldbeschaffung also. 

DER STOFF AUS DEM DIE TRÄUME SIND
Wie ein Hohn stellt sich in diesem Zusammenhang übrigens ein kleines Detail bei den Mauttarifen dar: Man hat neben der günstigsten Euro 6-Klasse noch eine weitere, noch einmal günstigere, eingezogen – jene für Lkw mit Wasserstoff- und/oder Elektroantrieb. Eine Frotzelei: Denn außer den neun in Österreich im Feldtest befindlichen MAN E-Verteiler-Lkw, die das bemautete Straßennetz höchstens bei Versagen der Navi befahren, wird im Jahr 2018 kein Elektro-Lkw Maut zahlen. Und Wasserstoff-Lkw wäre mir persönlich kein einziger bekannt … 

CHANCE VERTAN 
Statt der Wasserstoff-/Elektro-Frotzelei hätte man besser flüssiggasbetriebenen Lkw eine günstigere Mautstufe gewährt. Denn bei LNG kommt europaweit Bewegung rein: Das Konsortium „BioLNG EuroNet“, zu dem u.a. Shell, Iveco und Scania zählen, hat angekündigt, nicht nur eine Bio-LNG-Produktionsanlage in den Niederlanden zu errichten, sondern auch europaweit in den nächsten Jahren insgesamt 39 LNG-Tankstellen zu eröffnen – alle 400 Kilometer entlang der Hauptverkehrsachsen von Spanien nach Polen. 
Die großen Hoffnungen, die man seitens des Güterbeförderungsgewerbes in türkis-blau gesetzt hat, kann man also bereits zu Jahresbeginn getrost begraben. Denn wie zu Redaktionsschluss durchsickerte, will man beim – im STRAGÜ nur allzu oft kritisierten – Nacht-60er zwar auf 70 km/h nachbessern, dies aber mit Auflagen wie der Nichtverwendung von runderneuerten Reifen und einer gleichzeitigen Ausdehnung bis 6 Uhr morgens.

Gute Nacht türkis-blau.

 

STRAGÜ 01/19
Autor/in:
Marco Dittrich
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