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Weniger Tausch, mehr Elektro

18.03.2017

78 Nägel, 11 Bretter und 9 Klötze – was so unaufgeregt klingt, regt in der Transportbranche mittlerweile so gut wie jeden auf. Und das teils heftig, wie sich an den Reaktionen auf die aktuelle STRAGÜ-online-Umfrage zeigt: Die Praktiken im Palettentausch erhitzen die Gemüter – vor allem jene der heimischen Güterbeförderer. „Den Letzten beißen die Hunde“, schrieb mir ein Unternehmer dazu.

Der Palettentausch bringe viel Ärger und Kosten mit sich, beides bleibe zumeist beim Transportdienstleister hängen. Laut einer Fraunhofer-Studie aus dem Jahr 2011 trägt er mehr als die Hälfte der Kosten des Tauschsystems. Jeder will natürlich nur neuwertige Paletten, im Gegenzug wird aber oftmals schlechtes Material zurückgegeben. Es hat ja schließlich auch nicht jeder die gleiche Vorstellung, was eine tauschfähige Palette ist … 

MILLIARDENGESCHÄFT

In Österreich bewegen sich so viele Paletten wie Einwohner. Weltweit sind es fast 500 Millionen! Die Gesamtkosten für einen Palettenumlauf liegen laut angesprochener Studie zwischen drei und vier Euro. Kein Wunder, dass auch hier gepfuscht wird, was das Zeug hält: Schenkt man der EPAL-Organisation Glauben, seien allein mehr als vier Millionen gefälschte UIC/EUR-(Bahn-)Paletten aus der Ukraine im Markt, Tendenz steigend. Aus diesem Grund hat EPAL die Tauschvereinbarung mit der UIC per Ende April aufgekündigt, weil man meint, dass diese UIC-Paletten aufgrund mangelnder Gegenmaßnahmen besonders gerne gefälscht werden. Eine Entwicklung, die – zumindest im ersten Schritt – kaum zur Verbesserung des bestehenden Tauschsystems beitragen wird. 82 Prozent der STRAGÜ-Newsletter-Bezieher wünschen sich jedenfalls eine grundsätzliche Überarbeitung des Palettentausches. Wir werden über die weitere Entwicklung berichten. 

Beobachtet man die zurzeit vorherrschende Elektromobilitäts-Euphorie, möchte man glauben, schon bald könnten hierzulande so viele Elektroautos wie Europaletten im Umlauf sein. Unter prominentem Politschaulauf offenbarte MAN kürzlich im Werk Steyr, noch heuer bei den bedeutendsten Produzenten, Händlern und Logistikern des Landes neun E-Trucks in den Praxistest zu schicken (siehe Seite 24). Bei Mercedes verspricht man ähnliches, ohne noch Kundennamen zu nennen. Voll Freude drehten Bundeskanzler Kern („vom Komfort her würde ich den am liebsten gleich mit meinem Dienstwagen tauschen“) und Infrastrukturminister Leichtfried am Beifahrersitz erste Runden durch das Werk Steyr. Abgesehen vom (noch) viel zu hohen Anschaffungspreis, erscheinen die Fahrzeuge praxistauglich.

Bis Ende 2018 will MAN 250 derartiger E-Trucks auf der Straße haben, Mercedes im Jahr 2020 mit der Serienproduktion so weit sein. Konkrete Pläne also – wobei keiner absehen kann, wie schnell sich die Batterientechnologie, das eigentliche Herz der E-Mobilität, weiter entwickelt. Man braucht sich nur die Entwicklung bei Mobiltelefonen in Erinnerung rufen. Oder sind rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge doch nur eine Brückentechnologie? Denn der Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellen-Antrieb hätte derzeit dank höherer Reichweite und kürzerer Betankungsdauer eigentlich die Nase vorn. Hier steckt allerdings die Tankstellen-Infrastruktur noch nicht einmal in den Kinderschuhen. Bei all der Elektro-Euphorie ist jedenfalls auf politisches Augenmaß zu hoffen. Speziell was Fahrverbote für Diesel-Lkw betrifft. Denn in einigen europäischen Städten gibt es ja bereits entsprechende Zukunftspläne. Die schwirrten Kern und Leichtfried wohl spätestens bei der Rundfahrt im E-MAN durch den Kopf …

Autor/in:
Marco Dittrich
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