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Kommentar: Digitale Automessen

09.04.2020

VW zeigt seine erste digitale Automesse. Sind physische, klassische Automessen damit vorbei? Jein.

Volkswagen legt vor: Nachdem der Autosalon in Genf abgesagt wurde, zeigt VW nun seine Neuheiten in einer digitalen Schau - siehe Artikel. Bereits die letzte IAA in Frankfurt verzeichnete einen dramatischen Besucherschwund - das damalige omnipräsente Thema Klimawandel war keine Hilfe für die Automobilindustrie. Trotzdem: DigitaleMessen sind für Industrie ein spannendes Thema. Dafür spricht, dass man keine Streuverluste hat. Wer sich auf die digitale Messe von Marke XY begibt, ist nur dort, hat sich bewusst dafür entschieden, und schlendert nicht durch, weil er eine Messekarte für alle Hallen gekauft hat. Gleichzeitig sieht man auch keine Konkurrenzprodukte und die Kosten sind um ein Vielfaches niedriger: kein Standpersonal, keine Hotelkosten, kein Messestand, kein Standbauer, keine mühsamen Transporte von Fahrzeugen usw. 

Der Knackpunkt ist aber genau die verlinkte digitale Messe von VW. Ganz ehrlich: Der digitale Messerundgang ist pixelig, bei mir am Rechner ruckt es ordentlich und die Autos schauen einfach nur arg künstlich aus. Die Automobilindustrie hat hochwertige Produkte, die in Glanz erstrahlen wollen. Man schaue sich nur die aufwändige Beleuchtung bei Messen an. Nichts wird dem Zufall überlassen. Dagegen wirkte die digitale Messe von VW wie die Abschlussarbeit eines kreativen Programmierers - nett, interessant, aber bitte kein Vergleich zu einer physischen Messe, da die Produkte viel billiger rüber kommen als in Realität. 

Daher meine Prognose: Wenn digitale Messen in Zukunft so aussehen, darf sich die Automobilindustrie gerne das Geld dafür sparen. So wird das nix. Würde sich die Grafik dramatisch verbessern und die Autos deutlich realer wirken, dann muss man die Lage neu einschätzen. So bleibt mir nur zu sagen: Ein netter, mutiger Versuch, aber Schuster, bleib bei deinen Leisten. 

Autor/in:
Philipp Bednar
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