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Bernhard Dworak (VFT-Obmann) spricht die Eröffnungsworte, Andreas Krisch erklärt als Experte die Datenschutzgrundverordnung und Walter Birner erörtert, warum frei zugängliche Fahrzeugdaten überlebenswichtig sind für die Branche (v. l.).

VFT fordert freien Zugang zu Fahrzeugdaten

14.12.2017

Der Verband der freien Kfz-Teile-Fachhändler (VFT) lädt zur zweiten offenen Verbandstagung und kennt eigentlich nur ein Thema: die Fahrzeugdaten und deren Verfügbarkeit.

VON PHILIPP BEDNAR

Wer die letzten Wochen die zahlreichen Branchenevents besucht hat, wird festgestellt haben, dass der Dieselskandal kaum noch Thema ist, dafür die Digitalisierung und die Datenhoheit alles bestimmen. Im Rahmen der zweiten offenen Verbandstagung des VFT stehen ebenfalls die Daten im Rampenlicht. Bernhard Dworak, Obmann des VFT, benennt bei der Eröffnungsrede das zentrale Anliegen: „Wir fordern und brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu den Fahrzeugdaten wie der Hersteller, um Reparaturen und Teile liefern zu können.“ Die Angst: Wenn nur die Fahrzeughersteller alleinige Hoheit über die Fahrzeugdaten hätten, könnten freie, markenungebundene Werkstätten und Teilehändler nicht in den Wettbewerb mit dem jeweiligen Hersteller treten. Walter Birner, Obmann-Stellvertreter, bringt es auf den Punkt: „Wer die Daten hat, macht das Geschäft!“ Trotz der harten, klaren Worte sind die rund 50 Teilnehmer eher ruhig. Birner nennt weitere Eckdaten, die verdeutlichen sollen, welch immensen Stellenwert Daten in der Automobilindustrie und dem Aftermarket haben würden: gewisse BMWModelle sammelten bereits rund 7.000 Daten. Gewisse Hersteller machten in Zukunft nur mehr die Hälfte ihres Jahresumsatzes mit dem reinen Autoverkauf, je 20 Prozent entfielen dann schon auf das Werkstattgeschäft und die Fahrzeugdaten.

„Wir fordern und brauchen einen gleichberechtigen Zugang zu den Fahrzeugdaten wie der Hersteller.“ Bernhard Dworak, Obmann des VFT

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Die Zukunftsszenarien seien für freie Werkstätten nicht rosig, darum fordert der VFT eine „Open Telematik Plattform“ (OTP), auf der gewisse Fahrzeugdaten mit allen Marktteilnehmern geteilt werden sollten. Natürlich brauche der Pannendienst oder der Ersatzteilhändler nicht alle Fahrzeugdaten, aber ein gewisser Grundstock pro Modell und Hersteller solle eingespielt werden, um freien Werkstätten und Teilehändlern gleiche Chancen wie den Markenwerkstätten einzuräumen.

Denkt man nämlich die Datenhoheit zu Ende, würde es beispielsweise bedeuten, dass Werkstätten ohne entsprechenden Datenzugriff in eine Abhängigkeit von Teileproduzenten und Herstellern gerieten. Der freie Wettbewerb würde beschnitten werden. Dass das keine leeren Bedrohungsszenarien seien, unterstreiche das Beispiel Fiat, dessen neuer 500 über die OBD-Schnittstelle zwar das Fehlerauslesen zulasse, dazu brauche es aber einen Code vom Hersteller – und ein Zurücksetzen des Fehlerspeichers sei nicht möglich.

Laut VFT lobbyieren die Automobilhersteller auf EU-Ebene stark für die Durchsetzung ihrer alleinigen Datenhohei. Nun gelte es, gegen dieses Vorhaben mobil zu machen, um das Geschäft für freie Marktteilnehmer zukünftig abzusichern. Dazu, so Walter Birner, „muss man aber auch den VFT unterstützen und die Mitgliederanzahl erhöhen“. Spannend: Am Ende bietet der VFT seinen Mitgliedern Fortbildungsmöglichkeiten an. So gibt es beispielsweise die Chance, eine zertifizierte, anerkannte Ausbildung zum Kfz-Teilemanager in Deutschland zu machen. Interesse haben nur zwei Herrschaften angemeldet. Auf die Frage, wer Marketingunterstützung im Bereich Social Media benötige, geht nur eine Hand nach oben.

Autor/in:
Philipp Bednar
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