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Danijel Dzihic, GF von Ford Österreich

"VW und Mercedes-Benz haben aufgegeben"

01.02.2021

Im Exklusiv-Interview mit der KFZ wirtschaft erklärt Ford Österreich-Geschäftsführer Danijel Dzihic, wo man VW und Mercedes-Benz überflügelt und warum Lastenfahrräder nicht die Lösung sind.

Herr Dzihic, wie lässt sich das Coronajahr 2020 für Ford in Österreich zusammenfassen?

Für den Automarkt war es ein sehr bescheidenes Jahr. Da gibt es nix schönzureden. Aber für Ford war es erfolgreich: Wir wurden erstmals Nummer 1 bei den Nutzfahrzeugen und konnten zum fünften Mal in Folge unseren Marktanteil steigern. 

Wie hat das geklappt?

Indem wir gemeinsam mit unseren starken Händlern das Unmögliche möglich gemacht haben. Wir hatten die Wahl im Frühjahr den Kopf in den Sand zu stecken, zu jammern oder Gas zu geben. Wir haben in Österreich eine tolle Truppe, loyale, fleißige Händler. Daher haben wir trotz Corona und mit guten Produkten ein erfolgreiches Jahr gehabt und den größten Marktanteil seit 1999 eingefahren: 7,65 Prozent. 

Sie haben schon immer stark auf die Karte der leichten Nutzfahrzeuge gesetzt. Das ist 2020 aufgegangen. Was kommt nun?

Wir verfolgen eine Nachhaltigkeitsstrategie: Lieber kleine, stetige Schritte als große Sprünge. Damit verhindern wir, dass wir auf dem Weg stolpern und wieder von vorne beginnen müssen. Bei den leichten Nutzfahrzeugen sehe ich noch immer Wachstumspotenzial. Das sind fahrende Werkzeuge, die auch in Zukunft trotz Einführung der NoVA gefragt sein werden und als Marktführer wollen wir in diesem Bereich weiterhin reüssieren. Man kann nicht alles mit Lastenfahrrädern schaffen.

Ab 1. Juli 2021 sollen auch leichte Nutzfahrzeuge erstmals NoVA-pflichtig werden. Wird das die Nachfrage einbrechen lassen?

Zum einen glaube ich nicht, dass die Einführung der NoVA für N1-Fahrzeuge ökologisch sinnvoll ist. Die Betriebe werden dann die Nutzungsdauer ihres Bestands verlängern. Ich glaube auch, dass der Zeitpunkt der NoVA-Einführung denkbar ungünstig ist. Wir haben noch immer mit der Coronakrise zu kämpfen, da sind Abgabenerhöhungen unvorteilhaft. Aber ich glaube auch, dass 2021 das beste Nutzfahrzeugjahr in der Geschichte werden wird. Warum? Weil wir extrem viele Vorziehkäufe erleben werden. Es würde mich nicht wundern, wenn Betriebe sogar geplante Fahrzeugkäufe von 2022 vorziehen würden. Man muss wissen: Kaufverträge für Fahrzeuge bis Mai 2021 können noch bis Ende Oktober 2021 NoVA-frei zugelassen werden. Daher werden wir das Thema Nutzfahrzeuge bis Mai weiterhin ordentlich trommeln und alles dran setzen unsere Marktführerschaft zu festigen.

Schlägt dann die Stunde der E-Nutzfahrzeuge? 

Das kann schon sein. Ab 2022 werden sich sicher einige Firmenfuhrparks anpassen. Wir haben es bei den Förderungen für E-Autos schon gesehen, dass solche Anreize Wirkung zeigen. Ich bin aber überzeugt davon, dass Nutzfahrzeuge noch lange eine Zukunft haben werden. Und das ist einer unserer größten Pluspunkte bei Ford: uneingeschränkte Nutzfahrzeugkompetenz. 2022 wird der E-Transit mit einer Reichweite von bis zu 350 km nach WLTP kommen.

Und was wird im Pkw-Segment für Ford 2021 möglich sein?

Auch hier gibt es noch Wachstumspotenzial. Mit dem Galaxy haben wir noch immer einen vorsteuerabzugsberechtigten Van mit sparsamen Dieselantrieb, hier reichen wir in Kürze eine sehr attraktive Vollhybrid-Variante nach, die dann auch für den S-Max erhältich ist. Im Pick-Up-Segment haben VW und Mercedes-Benz aufgegeben. Da sind wir als langjähriger Segmentleader ebenfalls sehr gut aufgestellt. Und wir haben unsere komplette SUV-Palette mit Puma, Kuga und Explorer erneuert, bieten hier drei unterschiedliche Hybrid-Varianten an. Und der große Knaller folgt dann im Sommer: Hier bringen wir mit dem Mustang Mach-E unser erstes vollelektrisches SUV, der unsere Markenwerte - nämlich leistbare Sportlichkeit und Fahrspaß - eindrucksvoll demonstrieren wird. Wir haben also für die jetzige Zeit die richtigen Produkte am Markt. Dazu die wahrscheinlich beste Händlerorganisation. Denn auch wenn ich immer wieder dafür belächelt wurde nach dem Motto „Das muss er ja sagen“: Mir ist die Händlerprofitabilität genauso wichtig wie der Marktanteil. Und ich glaube man sieht jetzt, dass wir das immer ernst gemeint haben. Denn eines ist auch klar: Wir sind keine Retailer, dafür brauchen wir unsere starken Händler vor Ort. 

Autor/in:
Philipp Bednar
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