Prognosen zufolge soll der Automotive Aftermarket 2026 weltweit um fast sechs Prozent zulegen. Zu den Treibern zählen das steigende Durchschnittsalter der Fahrzeuge, die wachsende Bedeutung des freien Ersatzteilmarktes sowie neue Geschäftsmöglichkeiten durch Elektromobilität, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Innovation als Leitmotiv

Der Innovationscharakter zieht sich durch alle Bereiche der Messe. Das Spektrum reicht von Ersatzteilen und Werkstattausrüstung über Diagnose, Karosserie und Lack, Fahrzeugwäsche und Schmierstoffe bis zu Software, Datenmanagement, automatisierten Reparaturprozessen und neuen Mobilitätsdiensten.

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KI zieht in die Werkstatt ein

Einen besonderen Stellenwert nimmt 2026 die Künstliche Intelligenz ein. Das neue Format „HighTech4Mobility“ in der Festhalle widmet sich softwaredefinierten und vernetzten Fahrzeugen, Fahrerassistenzsystemen, autonomem Fahren, Cybersecurity, Fahrzeugdaten, Energiemanagement und digitalen Dienstleistungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Wartung und Reparatur verändern, wenn Software zu einem der wichtigsten Merkmale eines Fahrzeugs wird. Over-the-Air-Updates und datenbasierte Services eröffnen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten, stellen freie Betriebe aber auch vor neue technische und rechtliche Herausforderungen.

Dass KI längst nicht mehr nur ein Zukunftsthema ist, zeigt Bosch mit einem neuen Assistenten für die Diagnosesoftware ESItronic. Bereits die Eingabe eines Fehlercodes oder weniger Stichworte genügen, damit die Software mögliche Ursachen, passende Reparaturoptionen und relevante Dokumente vorschlägt. Dazu greift das System auf Diagnosedaten, Reparaturanleitungen und Originalinformationen der Fahrzeughersteller zurück. Der Assistent kann den gesamten Reparaturprozess begleiten und insbesondere bei komplexen oder seltenen Fehlerbildern die Suche beschleunigen. Die Einführung ist mit dem Software-Update 2026/4 für die Pakete Advanced und Master vorgesehen – ohne zusätzliche Lizenzkosten.

Effizientere Prozesse

Arbeitsabläufe sollen schneller, sicherer und wirtschaftlicher werden. Liqui Moly stellt dazu das neue Werkstattkonzept Brake Fluid Tronic vor. Es bündelt Servicegerät, Bremsflüssigkeiten, technischen Support und Marketingmaterialien zu einer Komplettlösung für einen professionellen Bremsflüssigkeitswechsel. Hinzu kommt eine neue 4-in-1-Bremsflüssigkeit, die vier Spezifikationen in einem Produkt zusammenfasst und damit die Lagerhaltung vereinfachen soll. Premiere feiern auch zwei Produkte der Molygen-Reihe. Das weiterentwickelte Molygen Motor Protect macht die Technologie künftig für konventionelle Motoröle nutzbar, während beim Molygen Fuel Additiv erstmals ein Reibungsverbesserer in eine Kraftstoffadditiv-Formulierung integriert wurde.

Beim Schmierstoffhersteller Mannol stehen Motoröle und Additive mit Molybdän-Technologie im MIttelpunkt. Der Festschmierstoff Molybdändisulfid reduziert Reibung und Verschleiß insbesondere unter hoher Belastung und soll dadurch den Bauteilschutz verbessern. Ergänzend zeigt Mannol weitere Schmierstofflösungen für moderne Antriebe sowie Anwendungen im Werkstattalltag.

Bosch bringt mit dem DCP 800 einen neuen Prüfstand für Common-Rail-Hochdruckpumpen auf den Markt. Das System arbeitet mit Prüfdrucken bis 2.700 bar und einem direkt gekoppelten 25-kW-Elektroantrieb. Der DCP 800 deckt Pumpen der Baureihen CP1 bis CPN6 ab und ist mit vorhandenen Bosch-Prüfkits kompatibel.

Im Bereich der Fahrzeugschutzsysteme erweitert K&K Marderabwehr sein Portfolio. Neu ist ein Marderschutzsystem, das erstmals auch den Heckbereich von Fahrzeugen absichert. Hintergrund sind zunehmend im Fahrzeugheck verlegte Hochvolt-, Sensor- und Datenleitungen, die ebenfalls von Marderbissen betroffen sein können.

Auch das Nutzfahrzeugprogramm wird ausgebaut. Bosch zeigt unter anderem neue Scheibenbremsbeläge für Lkw, Anhänger und Busse, Urea-Filter für AdBlue-Systeme anderer Hersteller sowie elektrohydraulische Lenksysteme. Das Servotwin-System verbindet hydraulische Lenkung mit elektrischer Unterstützung und schafft damit eine Grundlage für Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen. Hinzu kommen Hinterachslenkungen, neue Aerotwin-J.E.T-Blade-Scheibenwischer sowie zusätzliche Spannrollen, Umlenkrollen und Keilrippenriemen.

Vernetzte Lackierprozesse

Im Bereich Karosserie und Lack präsentiert Axalta ein vernetztes Refinish-Ökosystem. Es verbindet Lackmaterialien, digitale Farbtechnologien, Workflow-Lösungen und Plattformen zu einem durchgängigen Reparaturprozess. Zu den Messehöhepunkten zählt auch die Vorstellung der internationalen Autofarbe des Jahres 2027. Axalta kündigt außerdem eine neue UV-Technologie an, die den Energieverbrauch bei Lackreparaturen senken und zugleich den Durchsatz erhöhen soll.

Ebenfalls auf digitale Prozessketten setzt Surventis – ehemals BASF Coatings. Das Unternehmen präsentiert Lösungen, mit denen sich Farbtonfindung, Materialmanagement, Reparaturplanung und Dokumentation miteinander vernetzen lassen. Ziel ist ein durchgängiger Informationsfluss zwischen Fahrzeugannahme, Kalkulation, Lacklager und Lackierkabine. Digitale Anwendungen sollen dabei den Materialverbrauch transparenter machen, Arbeitsabläufe beschleunigen und Fehlerquellen reduzieren.

Waschtechnik wird zum digitalen Geschäftsmodell

Wie stark klassische Werkstatt- und Servicebereiche inzwischen von Digitalisierung geprägt sind, demonstriert der Waschanlagenhersteller Christ unter dem Motto „I love car wash“. Im Mittelpunkt steht die Portalwaschanlage CADIS, die sich an Tankstellen, Waschcenter und Autohäuser richtet. Dank ihrer kompakten Bauweise kann sie auch in kleineren Waschhallen betrieben werden. Mit SKIP M zeigt Christ außerdem eine Containerlösung für bis zu drei SB-Waschplätze. Mit SB-Saugsystemen, BLADE-Staubsaugern und dem Mattenreiniger CAR-MAT werden neue Einrichtungen gezeigt, mit denen zusätzliche Erträge erzielt werden können.

Premiere für das Classic Areal

Einen neuen Akzent setzt die Automechanika 2026 mit einem eigenen Classic Areal. Grundlage bildet die neue Classic Alliance, die gemeinsam mit Bosch Classic, DAT, Eucon, ROWE und dem Oldtimer-Weltverband FIVA gegründet wurde.

Mit Additive Manufacturing können Bauteile verfügbar gemacht werden, die auf sonst nicht mehr wirtschaftlich produziert werden können. Gleichzeitig muss handwerkliches Wissen an die nächste Generation weitergegeben werden. Demonstriert wird dies bei einer Live-Restaurierung während der fünf Messetage. Ein junges Team rund um Mike Kastrop, bekannt als „Classic Mike“, und Pauline Louwman arbeitet vor Publikum an einem Simca Figoni Baujahr 1954.

Auch Motorräder und die internationale Clublandschaft werden thematisiert. Eucon stellt Weiterentwicklungen seiner Teile- und Fahrzeugdatenbanken vor, DAT präsentiert Neuheiten rund um SilverDAT CLASSIC.

Lernen, ausprobieren und diskutieren

Parallel zu den Produktpräsentationen baut die Automechanika ihr Bildungsangebot aus. Kostenlose, zertifizierte Praxisworkshops behandeln unter anderem Schadendiagnose und Kalkulation, Fahrzeugvermessung, Instandsetzungstechniken, Oberflächenvorbereitung, Lackierung, ADAS-Diagnose und alternative Antriebe. Neu ist, dass die Inhalte auch nach der Veranstaltung online frei zugänglich bleiben.

Erlebbare Technik

Die Automechanika spielt sich auch im Freigelände ab. Im Future Mobility Park können neue Mobilitätslösungen ausprobiert werden. Am letzten Messetag wird die zehnte Deutsche Poliermeisterschaft ausgetragen.
Mit diesem Mix aus Produktpremieren, KI, digitalen Werkstattlösungen, Live-Demonstrationen, Weiterbildung und erstmals einem eigenen Classic Areal positioniert sich die Automechanika Frankfurt 2026 in einem völlig neuen Format.

Liqui Moly Werkstattgerät
Liqui Moly will mit neuen Lösungen den Werkstattalltag effizienter gestalten. © Liqui Moly
Auto in der Waschanlage
Bei Christ steht die Waschanlage Cadis im Mittelpunkt. © CHRIST AG