Der Kilometerstand zählt zweifellos zu den wichtigsten Kriterien beim Gebrauchtwagenkauf. Eine aktuelle Auswertung des IT-Datenunternehmens carVertical zeigt allerdings, dass auch die jährliche Fahrleistung genauer betrachtet werden sollte. Als intensiv genutzt werden Fahrzeuge eingestuft, die mehr als 36.000 Kilometer pro Jahr beziehungsweise 3.000 Kilometer pro Monat zurücklegen. Solche Laufleistungen können auf eine frühere gewerbliche Nutzung hindeuten – beispielsweise als Taxi, Mietwagen, Lieferfahrzeug oder Firmenwagen. Vor allem der intensive Stadtverkehr kann dabei deutliche Spuren hinterlassen. Häufiges Beschleunigen und Bremsen, Kurzstrecken, längere Leerlaufphasen sowie regelmäßiges Be- und Entladen beanspruchen Bremsen, Fahrwerk, Antrieb und Innenraum.
Nutzung wichtiger als Kilometerstand
Eine hohe Laufleistung bedeutet dennoch nicht automatisch einen schlechten technischen Zustand. „100.000 Kilometer überwiegend auf der Autobahn können ein Fahrzeug deutlich weniger beanspruchen als die gleiche Laufleistung im täglichen Stadtverkehr“, erklärt Tony Osmancevic, Head of Business Operations & Marketing beim ASG Remscheid Autohaus. Entscheidend sei daher, ob Zustand, Wartung und Fahrzeughistorie ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Für Werkstätten eröffnet sich damit bei der Gebrauchtwagenprüfung ein breites Feld. Neben Motor und Getriebe verdienen insbesondere Bremsanlage, Fahrwerks- und Lenkungskomponenten sowie Kupplung und Innenraum erhöhte Aufmerksamkeit.
Vito besonders häufig intensiv genutzt
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen einzelnen Modellen. Unter den von carVertical in Deutschland überprüften Fahrzeugen überschritten 19,5 Prozent der Mercedes-Benz Vito die Schwelle von 36.000 Kilometern jährlich. Beim VW Touran waren es 16,7 Prozent, beim VW Passat 16,3 Prozent. Dahinter folgen Mercedes-Benz V-Klasse mit 15 Prozent und Škoda Kodiaq mit 13,2 Prozent. Gemeinsam ist diesen Modellen ihre Eignung für hohe Fahrleistungen und unterschiedliche gewerbliche Einsatzzwecke. Eine intensive Nutzung lässt sich beim späteren Verkauf allerdings nicht immer erkennen. Abgenutzte Sitzwangen, Lenkräder, Pedale oder Einstiegsbereiche können Hinweise liefern, lassen sich durch professionelle Aufbereitung oder den Austausch einzelner Teile aber kaschieren.
Importe erschweren die Beurteilung
Zusätzliche Unsicherheit entsteht bei importierten Gebrauchtwagen. Laut carVertical findet sich unter Fahrzeugen mit Taxi-Einträgen ein erheblicher Anteil an Importfahrzeugen. Da Fahrzeugdaten grenzüberschreitend nicht durchgehend ausgetauscht werden, können frühere Nutzungsarten oder besonders intensive Fahrphasen für Käufer nur schwer nachvollziehbar sein.
