Bosch Tech Compass 2025

Künstliche Intelligenz zwischen Erwartung und Skepsis

Die Ergebnisse des Bosch Tech Compass 2025 zeigen ein zwiespältiges Bild des technologischen Fortschritts. Künstliche Intelligenz (KI) wird von einer deutlichen Mehrheit der Befragten als die einflussreichste Technologie der kommenden Jahre eingeschätzt. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber der Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen – insbesondere in Deutschland.

Rund 70 Prozent der weltweit mehr als 11.000 Befragten sehen KI als die Technologie mit dem größten Einfluss auf die Gesellschaft in den nächsten zehn Jahren. Damit hat sich die Wahrnehmung innerhalb kurzer Zeit deutlich verschoben: Noch vor drei Jahren lag dieser Wert bei 41 Prozent. Neben ihrer Bedeutung wird KI auch am häufigsten als Technologie mit dem größten positiven gesellschaftlichen Potenzial genannt (43 Prozent). Biotechnologie (36 Prozent) und Climate Engineering (32 Prozent) folgen mit Abstand.

Gleichzeitig ist KI die Technologie, der die Befragten am häufigsten negative gesellschaftliche Auswirkungen zuschreiben. 34 Prozent erwarten hier Risiken, etwa im Hinblick auf Kontrolle, Abhängigkeiten oder soziale Folgen. Damit steht KI auch bei den wahrgenommenen Gefahren an erster Stelle, vor humanoiden Robotern und autonomen Fahrzeugen.

Fortschrittsmüdigkeit trotz Technologieoptimismus

Obwohl KI insgesamt positiv bewertet wird, zeigt sich weltweit eine gewisse Ermüdung gegenüber dem technologischen Tempo. 57 Prozent der Befragten geben an, sie wünschten sich einen „Pause-Knopf“, um die Auswirkungen neuer Technologien besser verstehen zu können, bevor deren Entwicklung weiter voranschreitet. Diese Haltung deutet auf ein wachsendes Bedürfnis nach Orientierung, Regulierung und gesellschaftlicher Debatte hin.

Global betrachtet überwiegt dennoch der Optimismus: 71 Prozent der Befragten glauben, dass Technologie die Welt besser machen kann. Mehr als die Hälfte fühlt sich zudem grundsätzlich auf die Veränderungen durch KI vorbereitet.

Deutschland: hohe Erwartungen, geringe Vorbereitung

In Deutschland fällt das Bild differenzierter aus. Einerseits sind die Erwartungen an KI besonders hoch: 77 Prozent der Befragten sehen sie als einflussreichste Technologie der kommenden zehn Jahre – ein Spitzenwert im Ländervergleich. Andererseits ist die Skepsis gegenüber technologischem Fortschritt ausgeprägter als in vielen anderen Ländern.

Nur 59 Prozent der deutschen Befragten glauben, dass Technologie die Welt verbessert. Lediglich in Frankreich liegt dieser Wert mit 53 Prozent noch niedriger. Besonders auffällig ist die geringe subjektive Vorbereitung auf das KI-Zeitalter: Nur 40 Prozent der Befragten in Deutschland fühlen sich darauf vorbereitet – der niedrigste Wert aller untersuchten Länder und unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Bildung und Regulierung als mögliche Ursachen

Zwei weitere Ergebnisse liefern Hinweise auf die Ursachen dieser Zurückhaltung. Nur 30 Prozent der Befragten in Deutschland geben an, dass das Bildungssystem ihr innovatives Denken gefördert habe. Noch geringer fällt die Zustimmung zur Innovationsförderung durch Regulierung aus: Lediglich 23 Prozent sehen hier positive Effekte. In beiden Kategorien belegt Deutschland den letzten Platz im internationalen Vergleich.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass strukturelle Rahmenbedingungen – insbesondere Bildungspolitik und Regulierung – eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien spielen.

Risikobereitschaft und Innovationskultur

Auch kulturelle Faktoren beeinflussen den Umgang mit Innovation. Weltweit würden 59 Prozent der Befragten ihr Kind ermutigen, bei einer überzeugenden Geschäftsidee auf ein Studium zu verzichten und ein Start-up zu gründen. In Deutschland liegt dieser Wert bei 52 Prozent. Die geringere Risikobereitschaft könnte sich langfristig auf die Innovationsdynamik auswirken.

Als besonders relevante Anwendungsfelder für technologische Innovationen nennen die Befragten den Klimawandel (37 Prozent), den Zugang zu Gesundheitsleistungen (31 Prozent) sowie die Cybersicherheit (28 Prozent). Diese Prioritäten verdeutlichen, dass technologische Entwicklung zunehmend an gesellschaftlichen Problemlagen gemessen wird.

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