Der Kilometerstand zählt zu den wichtigsten Kriterien bei der Bewertung eines Gebrauchtwagens. Wird der Kilometerzähler manipuliert, entsteht ein falsches Bild über die tatsächliche Nutzung des Fahrzeugs. Laut einer aktuellen Studie von carVertical führt Kilometerstandbetrug in Deutschland dazu, dass Fahrzeuge durchschnittlich um 49,3 Prozent über ihrem tatsächlichen Wert angeboten werden. Ein Gebrauchtwagen, der für 20.000 Euro verkauft wird, könnte real lediglich einen Wert von rund 13.500 Euro besitzen. Matas Buzelis, Automobilmarktexperte bei carVertical, sieht darin ein erhebliches Risiko für Käufer: „Durch das Zurückdrehen des Kilometerzählers können unehrliche Verkäufer den Eindruck erwecken, dass sich ein Fahrzeug in einem besseren Zustand befindet, als es tatsächlich der Fall ist. Je teurer das Auto, desto mehr Geld können Käufer verlieren. Dies gilt insbesondere für Käufer neuerer Premium-Gebrauchtwagen.“
Manipulationen bleiben schwer erkennbar
Die Aufdeckung von Kilometerstandbetrug ist schwierig. Zwar werden Fahrzeugdaten zunehmend digital erfasst, jedoch existieren weiterhin zahlreiche Datenlücken. Hinzu kommt, dass viele Länder ihre Fahrzeugdaten nicht einheitlich austauschen. „Da nicht alle Kilometerstandsdaten digitalisiert sind, kann es ziemlich schwierig sein, festzustellen, ob der Kilometerzähler eines Fahrzeugs manipuliert wurde. Hinzu kommt, dass Länder nach wie vor keine einheitlichen Fahrzeugdaten austauschen, sodass Gebrauchtwagenkäufer im Unklaren bleiben“, erklärt Buzelis. Für den Handel und Werkstätten gewinnt die transparente Dokumentation von Wartungs- und Servicehistorien daher weiter an Bedeutung.
Europa-Vergleich
Die Auswirkungen von Kilometerstandbetrug auf den Fahrzeugwert unterscheiden sich innerhalb Europas deutlich. Während die geringsten Preisverzerrungen in Serbien, der Ukraine und Rumänien festgestellt wurden, zählt Deutschland zu den Ländern mit den stärksten Auswirkungen. Nach Angaben von carVertical wiesen 1,7 Prozent der in Deutschland überprüften Fahrzeuge einen manipulierten Kilometerstand auf. Im Durchschnitt wurden dabei rund 34.400 Kilometer vom tatsächlichen Wert abgezogen. Noch häufiger wurden Manipulationen in Belgien festgestellt. Dort waren 2,3 Prozent der überprüften Fahrzeuge betroffen. Die durchschnittliche Differenz lag bei rund 38.500 Kilometern. Gleichzeitig erhöhte sich der Fahrzeugwert durch die Manipulationen um durchschnittlich 47,2 Prozent.