Mit dem Lehrberufspaket 2026 wird die Ausbildung im Kfz-Bereich grundlegend modernisiert. Der Fokus liegt auf elektrifizierten Antrieben, vernetzten Systemen und neuen Qualifikationen für den Umgang mit Hochvolttechnik.
Die Transformation der Fahrzeugtechnik hin zu elektrifizierten und digitalisierten Systemen schlägt sich zunehmend auch in der Ausbildung nieder. Mit dem Lehrberufspaket 2026, vorgestellt von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, wurde unter anderem die Ausbildungsordnung im Lehrberuf Fahrzeugtechnik umfassend überarbeitet. Ziel ist es, künftige Fachkräfte stärker auf die technologischen Anforderungen moderner Fahrzeuge vorzubereiten.
Roman Keglovits-Ackerer, Bundesinnungsmeister für Fahrzeugtechnik, sieht die Branche mit diesen Maßnahmen gut gerüstet: „Die Elektromobilität mitsamt ihren Hochvoltsystemen stellt die Berufsausbildung im Kfz-Bereich vor Herausforderungen. Mit dem neu ausgerichteten Lehrberuf und der zusätzlichen HBB-Qualifikation sind wir dafür optimal aufgestellt“, betont er. Und weiter: „Unser Ziel ist es, unsere Mitarbeitenden weiterhin bestmöglich zu qualifizieren, denn Fahrzeugtechnologien entwickeln sich rasend schnell weiter – morgen wird uns vielleicht schon autonomes Fahren beschäftigen.“
Elektrifizierung und Systemintegration im Mittelpunkt
Zentraler Bestandteil der neuen Ausbildungsordnung ist die verstärkte Integration von alternativen Antriebssträngen, elektrischen Systemen und Informationstechnik. Damit reagiert die Branche auf den tiefgreifenden Wandel im Fahrzeugbau: Neben klassischen Verbrennungsmotoren gewinnen batterieelektrische Antriebe, Leistungselektronik und softwarebasierte Funktionen massiv an Bedeutung.
Für Werkstätten bedeutet das eine zunehmende Komplexität im Service- und Reparaturalltag. Hochvoltsysteme erfordern nicht nur spezielles Fachwissen, sondern auch entsprechende Sicherheitsstandards. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Diagnosekompetenz, da moderne Fahrzeuge über eine Vielzahl vernetzter Steuergeräte verfügen, deren Zusammenspiel analysiert und gewartet werden muss.
Hochvolttechnik als neue Qualifikationsstufe
Parallel zur neuen Ausbildungsordnung arbeitet die Bundesinnung Fahrzeugtechnik an einer weiterführenden Qualifikation im Rahmen der Höheren Beruflichen Bildung (HBB). Geplant ist ein Abschluss als „HBQ Hochvolttechnik“, angesiedelt auf Stufe 5 des Nationalen Qualifikationsrahmens – zwischen Lehrabschluss und Meister. Diese Zusatzqualifikation soll praxisnah aufgebaut sein und insbesondere den sicheren Umgang mit Hochvoltsystemen vermitteln. Dazu zählen Arbeiten an elektrifizierten Antrieben ebenso wie der Einsatz im Risiko-Umfeld, etwa bei beschädigten oder Unfallfahrzeugen mit aktiven Hochvoltbatterien. Gerade in solchen Situationen sind fundierte Kenntnisse über Abschaltverfahren, Isolationsprüfung und Gefahreneinschätzung essenziell.
IT-Kompetenz wird zum Kernbestandteil
Neben der Hochvolttechnik gewinnt auch die Informationstechnologie weiter an Bedeutung. Moderne Fahrzeuge sind softwaredefiniert, Updates erfolgen „over the air“, Assistenzsysteme basieren auf komplexen Sensordaten und Algorithmen. Für angehende Fahrzeugtechniker bedeutet das: Diagnosegeräte, Dateninterpretation und digitale Schnittstellen werden zum täglichen Werkzeug.
Die Ausbildung trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem IT-Kompetenzen stärker verankert werden. Dazu zählen unter anderem das Verständnis von Bussystemen, die Analyse von Fehlerspeichern sowie der Umgang mit herstellerspezifischen Diagnosesystemen.
Fachkräftebedarf bleibt zentrale Herausforderung
Die Modernisierung der Lehrberufe erfolgt vor dem Hintergrund eines steigenden Fachkräftebedarfs. Gleichzeitig zeigt die Ö3-Jugendstudie 2026, dass die Lehre für viele junge Menschen an Attraktivität gewinnt: Mehr als die Hälfte sieht darin bessere Arbeitsmarktchancen als in anderen Bildungswegen.
WKÖ-Spartenobmann Manfred Denk unterstreicht die Bedeutung der dualen Ausbildung:
„Mit einer Lehre treffen junge Menschen auf jeden Fall die richtige Entscheidung für ihre berufliche Zukunft: Sie haben damit garantiert eine Ausbildung, die auf der Höhe der Zeit ist, und einen Job, der auch in Zukunft nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden wird.“
Gleichzeitig verweist Denk auf die finanzielle Belastung der Betriebe: „Die Betriebe tragen mit fast drei Milliarden Euro im Jahr den Löwenanteil der Ausbildungskosten. Jetzt ist auch der Staat in der Pflicht, die Lehrlingsförderung – die gerade einmal rund ein Zehntel ausmacht – endlich dauerhaft und nachhaltig abzusichern.“