Die Elektromobilität verändert nicht nur die Fahrzeugtechnik, sondern auch die Arbeit in Autohäusern und Werkstätten. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch neue Marken aus China. Über die Entwicklung des österreichischen Marktes, die Herausforderungen für Händler- und Werkstättenbetriebe und die Zukunft des Servicegeschäfts sprach die KFZwirtschaft mit Martin Jahn, Vorstand für Vertrieb und Marketing von Škoda Auto.Interview: Alexander Tempelmayr

KFZwirtschaft: Wie erleben Sie aktuell die Nachfrageentwicklung am österreichischen Markt?

Martin Jahn: Wir freuen uns sehr über die Entwicklung in Österreich. Im ersten Quartal waren wir Nummer zwei mit einem Rekordmarktanteil von über elf Prozent. Der Octavia ist insgesamt auf Platz drei und im Flottensegment sogar die Nummer eins. Der Enyaq ist wiederum das erfolgreichste batterieelektrische Fahrzeug im Flottenmarkt. Wir feiern aktuell wirklich einen Erfolg nach dem anderen. Unsere Händler sind profitabel, die Kundenzufriedenheit ist auf einem sehr guten Niveau. Österreich ist für uns derzeit ein Paradies.

Sehen Sie Veränderungen im Kaufverhalten der Kunden?

Ja, ganz klar. Wir sehen deutlich mehr Interesse an Elektromobilität. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Gleichzeitig geht der Trend mehr zu hochwertigeren Modellen. Außerdem freut es uns, dass Modelle wie der Karoq weiterhin sehr gut laufen. Das zeigt, dass vielseitige Fahrzeuge mit hoher Alltagstauglichkeit in Österreich nach wie vor stark gefragt sind. Der wichtigste Trend bleibt aber eindeutig das steigende Interesse an Elektrofahrzeugen.

Welche Bedeutung hat aktuell das Flottengeschäft?

Das Flottengeschäft ist für uns extrem wichtig. Gerade beim Enyaq sehen wir, wie stark Unternehmen inzwischen auf Elektromobilität setzen. Der Enyaq ist das meistverkaufte Elektroauto im österreichischen Flottenmarkt. Gleichzeitig bleibt der Octavia im klassischen Flottenbereich ein enorm wichtiger Faktor.

Spüren Händler und Werkstätten bereits konkret den Wettbewerb durch chinesische Marken?

Wenn ich Länder besuche, spreche ich immer direkt mit unseren Händlern und Verkäufern. Dort hören wir schon, dass chinesische Marken als Wettbewerber wahrgenommen werden. Mit unserer starken Marktposition und unserem Wachstum können wir derzeit aber gut dagegenhalten. Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass wir den Kunden gute Produkte, hohe Qualität und starken Service bieten.

Worin unterscheiden sich diese Fahrzeuge aus Ihrer Sicht bei Qualität, Service und Ersatzteilversorgung?

Der Wettbewerb wird insgesamt intensiver werden. Deshalb müssen wir unsere Stärken klar ausspielen. Dazu gehören Qualität, Zuverlässigkeit und vor allem der persönliche Kontakt zum Kunden. Unser „Human Touch“-Prinzip ist ein ganz wesentlicher Unterschied. Gerade Händler und Werkstätten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Kunde soll sich sowohl beim Fahrzeugkauf als auch im Service gut aufgehoben fühlen.

Wie verändert die Elektromobilität das Werkstattgeschäft?

Das Werkstattgeschäft verändert sich technologisch massiv. Der klassische Verbrennungsmotor war über Jahrzehnte ein etabliertes System. Elektromobilität funktioniert technisch völlig anders und erfordert neue Qualifikationen sowie mehrstufige Schulungen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Werkstätten profitabel bleiben. Deshalb arbeiten wir intensiv daran, Prozesse und Systeme zu vereinfachen und unnötige Arbeitsschritte aus den Abläufen herauszunehmen.

Welche neuen Anforderungen kommen auf Werkstätten zu?

Die Themen bleiben grundsätzlich dieselben: gute Ausbildung, qualifizierte Mitarbeiter und hohe Servicequalität. Wir müssen die Menschen sehr gut schulen. Gleichzeitig setzen wir verstärkt auf digitale Trainingsformate und künstliche Intelligenz. KI wird uns künftig unter anderem bei Themen wie Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung, Anm.) helfen und Prozesse effizienter machen. Trotzdem bleibt für mich der persönliche Kontakt entscheidend. Unser „Human Touch“-Prinzip muss sowohl im Verkauf als auch im Service erhalten bleiben.

Rechnen Sie langfristig mit sinkendem Servicevolumen durch Elektroautos?

Elektrofahrzeuge sind weniger wartungsintensiv als klassische Verbrenner. Das ist seit Jahren bekannt und darauf stellt sich die Branche ein. Deshalb müssen Prozesse verschlankt und effizienter gemacht werden.

Wie wirken sich globale Lieferkettenprobleme aktuell auf Ersatzteile und Komponenten aus?

Lieferketten wurden in den vergangenen Jahren immer wieder unterbrochen. Trotzdem haben wir diese Herausforderungen bislang gut gemeistert. Unsere Strategie im Einkauf besteht darin, Risiken möglichst breit zu streuen. Deshalb müssen wir flexibel und agil bleiben. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Beschaffungsstrategien, um Versorgungssicherheit sicherzustellen.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Ersatzteilegeschäfts angesichts immer größerer Produktpaletten von Universalherstellern wie Bosch?

Der Wettbewerb wird sich hier definitiv intensivieren. Für uns als Markenhersteller bedeutet das, dass wir die richtigen Antworten liefern müssen. Wir arbeiten bereits an verschiedenen Konzepten.