Durch die Zusammenführung zentraler Fahrzeugdaten in einer staatlich verwalteten Datenbank sollen Bürokratie abgebaut, Kosten gesenkt und die Rechtssicherheit erhöht werden. Der Verzicht auf die physische Begutachtungsplakette sowie neue digitale Services für Betriebe, Behörden und Fahrzeughalter markieren dabei einen konsequenten Schritt hin zu einem modernen, effizienten Kfz-System.

KFZwirtschaft: Herr Westermeyer, die aktuelle politische Debatte dreht sich primär um die Verlängerung von Begutachtungsintervallen. Sie sagen, das greift zu kurz. Warum?

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Andreas Westermayer: Richtig. Die bloße Diskussion über Intervalle führt weder zu Entbürokratisierung noch zu nennenswerten Einsparungen. Eine Studie des deutschen VdTÜV zeigt sogar, dass jedes fünfte Fahrzeug mit schweren Mängeln unterwegs ist. In Österreich haben wir mit dem 3-2-1-Intervall vermutlich eine bessere Mängelstatistik als in Deutschland mit 4-2-2. Größere Intervalle erhöhen schlicht das Unfallrisiko und die Umweltbelastung. Wir setzen daher auf ein Konzept, das echten Mehrwert bietet: Ein Fahrzeug – ein Datensatz.

Was genau verbirgt sich hinter diesem Konzept?

Aktuell sind Fahrzeugdaten in unterschiedlichen, teils privaten Datenbanken mit komplexen Schnittstellen verstreut. Das sorgt für Rechtsunsicherheit, Intransparenz und hohen Abstimmungsbedarf. Unser Ziel ist die Zusammenlegung der Genehmigungsdatenbank, der Zulassungsevidenz und der Begutachtungsdatenbank in eine zentrale Fahrzeugdatenbank.

Wer sollte diese Datenbank verwalten?

Wir schlagen zum Beispiel das Bundesrechenzentrum (BRZ) vor, welches bereits die Führerscheindatenbank erfolgreich führt und höchste Datenschutzansprüche erfüllt. Das schafft Transparenz durch eine öffentliche Ausschreibung und klare Zuständigkeiten.

Welche unmittelbaren Einsparungen bringt diese Fusion?

Ein riesiger Hebel ist der Entfall der physischen Begutachtungsplakette. Durch die digitale Erfassung wird das „Pickerl“ auf der Windschutzscheibe obsolet – ähnlich wie bei der digitalen Maut- oder Park-Vignette. Das bedeutet: Kosteneinsparung: Rund 15 Millionen Euro Einsparungspotenzial durch den Wegfall des Plakettenpreises. Entlastung der Betriebe: Kein Verwaltungsaufwand mehr für Bestellung, Vorfinanzierung und Verwahrung der Plaketten. Entlastung der Verwaltung: Kein Verwaltungsaufwand mehr für Bestellung, Vorfinanzierung und Verwahrung der Plaketten für die Bezirkshauptmannschaften. Einfachere Digitalisierung-Zugänge für die Exekutive. Fälschungsschutz: Digitale Datensätze sind manipulationssicher im Vergleich zu physischen Aufklebern.

Und was hat der Fahrzeughalter davon?

Für den Konsumenten wird alles einfacher und digitaler. Wir nutzen die ID Austria und die App eAusweise, um die uns unsere ausländischen Branchenkollegen schon jetzt beneiden. Das peppen wir noch mehr auf. Digitaler Zugriff: Das § 57a-Gutachten ist jederzeit digital verfügbar; die Aufbewahrungspflicht des Papiergutachtens entfällt. Service-Funktion: Eine automatisierte Erinnerungsfunktion für den nächsten Begutachtungstermin kann direkt integriert werden. Kostenfreiheit: Die derzeit kostenpflichtige Abfrage von Gutachten wird für den Halter kostenfrei.

Ihr Fazit zum neuen Konzept?

Wir ersetzen ein in die Jahre gekommenes System durch eine moderne, europataugliche Lösung. Auch wenn viele das nicht glauben – Österreich ist zwar nicht immer Vorreiter, aber ist in vielen Dingen immer vorne mit dabei. Das erkennt man erst, wenn man die Systeme anderer europäischen Länder hinterfragt. „Ein Fahrzeug – ein Datensatz“ ist der logische nächste Schritt zur Digitalisierung des Kfz-Wesens, der Behörden, Unternehmen und Bürger gleichermaßen entlastet.

Danke für das Gespräch!