Das schlechteste Autojahr seit 1984

Neuzulassungen
17.01.2022

 
2020 war eine Katastrophe, 2021 noch einen Tick schlechter. Die Pkw-Neuzulassungen in Österreich sind um 3,6 Prozent auf unter 240.000 Stück gefallen - das Niveau der 1980er Jahre! Dabei wäre die Nachfrage durchaus gegeben, allein die Produkte sind oft Mangelware. 
Die Jahreszahlen wurden von den Herren Edelsbrunner, Laimer und Kerle (v.l.) auf einer virtuellen Pressekonferenz vorgestellt.

Jetzt ist es amtlich: Das Jahr 2021 war für den heimischen Autohandel - jedenfalls im Neuwagenbereich - eines zum Vergessen. Die Neuzulassungen des Katastrophenjahrs 2020 wurden tatsächlich unterschritten. Mit 239.803 Pkw wurden 2021 um 3,6 Prozent weniger Autos neu zum Verkehr zugelassen als im Jahr zuvor. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 wurden mehr als ein Viertel weniger Autos verkauft. 

Das gab die österreichische Automobilwirtschaft – Automobilimporteure und Fahrzeughandel – nun gemeinsam mit der Statistik Austria bekannt. Die Neuzulassungszahlen, die Peter Laimer, verantwortlich für die Kfz-Statistik bei der Statistik Austria, präsentierte, dokumentierten, was die Neuzulassungen im Pkw-Bereich betrifft, glatt das schlechteste Autojahr seit 1984. Der 20-Jahres-Schnitt liegt übrigens bei 310.600 Pkw-Neuzulassungen pro Jahr. 

Chipmangel lässt grüßen

Bis vor ein paar Monaten hätte man das nicht für möglich gehalten: „Im ersten Halbjahr herrschte noch so etwas wie Aufbruchsstimmung“, erinnert sich Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure, „aber dann wurde die Abhängigkeit der Autoindustrie von Computerchips und anderen wesentlichen Zulieferteilen aus Asien deutlich.“ Aufgrund des Halbleitermangels entstanden Lieferschwierigkeiten und lange Wertezeiten von bis zu einem Jahr. „Die Nachfrage wäre da, die Produkte sind es meist nicht“, bringt Kerle die spezielle Situation auf den Punkt.

An der Nachfrage mangelt es tatsächlich nicht, wie auch der Obmann des Bundesgremiums des Fahrzeughandels in der Wirtschaftskammer Österreich, Klaus Edelsbrunner, betont: „Die Nachfrage ist da, die Kunden sind in unseren Schauräumen, aber die Fahrzeuge sind oft nicht verfügbar bzw. nur nach langen Wertezeiten.“ Dies führt er teilweise auch darauf zurück, dass die Hersteller die verfügbaren Chips vor allem in E-Autos verbauen (die sie ja schon allein wegen des Flottenverbrauchs forcieren müssen) sowie in den hochpreisigen Modellen, an denen sie mehr verdienen. Aber das sind nicht unbedingt die Fahrzeuge, die die Kunden wollen. 

Private kaufen kaum E-Autos

Das zeigt wiederum die Auswertung der Statistik Austria: Diese  dokumentiert vordergründig zwar einen regelrechten Run auf alternative Antriebe: Die Zulassungszahlen von Benzinern und vor allem von Diesel-Pkw haben sich 2021 deutlich rückläufig entwickelt, die Zahl der mit alternativen Kraftstoffen betriebenen Pkw hat hingegen um beinahe das Doppelte auf 90.062 Fahrzeuge zugelegt. Allerdings wurden diese zum Großteil von juristischen Personen, sprich Firmen, gekauft. Bei den reinen E-Autos (wo die Verkäufe im Vorjahr mit 33.366 Fahrzeugen sogar mehr als verdoppelt wurden) belief sich der Anteil an Firmenkäufen sogar auf rund 84 Prozent. Mit anderen Worten: „Der private Markt will nicht so recht in die Gänge kommen“, wie Importeurssprecher Kerle betont.

Er macht dafür vor allem an zwei Faktoren verantwortlich: Die noch nicht optimal ausgebaute Ladeinfrastruktur und den dabei bestehenden „Tarifdschungel“ mit schwer vergleichbaren  Konditionen unterschiedlicher Anbieter, für die Kunden noch dazu eigene Karten benötigen.

Edelsbrunner sieht derweil die Händler unter Druck: „Wir stehen zwischen den Fronten: Auf der einen Seite die Politik, die die E-Mobilität forciert und der die Hersteller folgen müssen. Auf der anderen Seite die Kunden, die durchaus noch skeptisch sind.“ Den Hersteller geht er unterdessen trotz der in vielen Ländern schwachen Zulassungszahlen gut. Sie profitieren von höheren Verkaufspreisen, da in Zeiten von Lieferengpässen Rabatte kaum noch ein Thema sind, und schreiben, wie Edelsbrunner betont, Milliardengewinne. Die Händler jedoch stünden unter Druck und bekämen kaum Hilfen. Nicht mal ihre Jahresziele würden gesenkt und teilweise bekämen sie sogar noch Druck durch neue Konzepte wie die Agenturmodelle einiger Hersteller.

2022 wird kaum besser

2022 wird, da sind sich die Branchenvertreter einig, auch nicht viel besser werden. Dies, zumal uns die beiden Spielverderber, die COVID-19-Pandemie und der Chipmangel, weiter begleiten werden. „2022 wird ein weiteres sehr schwieriges Jahr werden“, sagt Edelsbrunner.

Permanent angekündigte Steuererhöhungen müssten nun ein Ende haben, wie Kerle fordert, weil diese die Konsumenten zusätzlich verunsichern würden. Apropos Steuer: Die Einführung der NoVA für leichte Nutzfahrzeuge hat 2021 zu Vorziehkäufen geführt und im Lkw-Segment zu mehr Neuzulassungen geführt. Ein Nutznießer der Situation mit den Lieferschwierigkeiten war der Gebrauchtwagenmarkt, der 2021 gewachsen ist und wo auch die Preise deutlich angezogen haben. 

Die meistverkauften Marken bei Pkw waren 2021 VW vor Skoda und BMW. Alle drei hatten allerdings rückläufige Stückzahlen. Diese hatten fast alle Hersteller zu verzeichnen, Audi, Fiat oder Toyota waren mit Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich die Ausnahme. Die meisten E-Fahrzege verkaufte ebenfalls VW, gefolgt von Tesla und Renault. Die beliebteste Fahrzeugkategorie sind nach wie vor SUV und Geländeautos, die sogar um weitere 18,8 Prozent zulegen konnten und nun schon fast 40 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Österreich ausmachen.