Der Querdenker

17.06.2016

 
Gerhard Sprinzl, Autohaus Sprinzl in der Dreyhausenstraße in Wien 14, hat sich vor zehn Jahren aus allen öffentlichen Funktionen zurückgezogen. Jetzt sagt er, wo in der Branche der Schuh drückt.
In der Rubrik  „Ohne Maulkorb“ präsentiert die KFZ Wirtschaft Branchen-Protagonisten, die sich kein Blatt vor den Mund nehmen, weder taktieren noch diplomatisch sind und sagen, was Sache ist. Was es wiegt, das hat’s.
In der Rubrik „Ohne Maulkorb“ präsentiert die KFZ Wirtschaft Branchen-Protagonisten, die sich kein Blatt vor den Mund nehmen, weder taktieren noch diplomatisch sind und sagen, was Sache ist. Was es wiegt, das hat’s.

Alles, was du nicht bewegen kannst, lass’ im Leben.“ So lautet die Philosophie von Gerhard Sprinzl. Der mit den goldenen Ehrennadeln von Wien und NÖ prämierte Branchenprofi, vormals streitbar und kontroversiell, wirkt heute ausgeglichen und überlegt, pointiert, aber nicht weniger angriffig als früher. Sprinzl hat im Jahr 1971 die Kfz-Techniker-Lehre begonnen und bereits zehn Jahre später einen Einzelbetrieb gegründet. Sodann folgten Funktionen als Bildungsreferent und als Wiener LIM-Stellvertreter. Im Jahr 2010 wollte er es noch ein letztes Mal wissen: Als Unabhängiger mit eigener Liste trat er gegen den damals amtierenden Wiener LIM Werner Fessl an, weil er der Überzeugung war, dass in der Innung „dringender Reformbedarf“ be­stehe. „Das Niveau der Aus- und Weiterbildung ist ganz schlecht, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht“, so Sprinzl damals. 

„Zu wenig engagiert“

Heute sieht er die Lage nicht anders: „Das Bildungssystem ist verheerend. Es gibt mehr Schreibtisch­attentäter als Facharbeiter. Das Image des Fach­arbeiters ist vor allem in Wien schlecht. Die Interessenvertretung ist viel zu wenig engagiert.“ Sprinzl plädiert dafür, dass die Funktionäre „in die Betriebe gehen“ und nicht warten, dass sich die Mitglieder melden. Kleinbetriebe müssten effizient gefördert und Meister geehrt und bewusst vor den Vorhang gebeten werden. In puncto Lehr­lings­ausbildung spricht sich Sprinzl dafür aus, dass die Betriebe Geld für die Ausbildung erhalten sollten. „Wir machen eine Grundausbildung und zahlen noch die Lehrlingsentschädigung. Das läuft verkehrt.“ Alles gehöre auf den Kopf gestellt. „Ideal wäre eine zweieinhalbjährige Grundlehre mit kurzgeblockter Berufsschule, um den Bezug zum Betriebsalltag nicht zu verlieren.“ Die „Lehre mit Matura“ würde zudem für „optimale Chancen“ sorgen. 

„Schlechtes Image“

Was das generell schlechte Image der Lehre betrifft, gibt sich Sprinzl keinen Illusionen hin: „Das ist Bundessache. Hier müssten alle Landesinnungsmeister an einem Strang ziehen. Da muss viel passieren.“ Heutzutage werde ein „arbeitsloser Doktor“ mehr geschätzt als ein gut ausgebildeter Facharbeiter. Die Zeit als Interessenvertreter hat Gerhard Sprinzl indessen zurückgelassen. Offiziell ist er seit drei Jahren in Pension. Die Geschäfte seines Betriebs im 14. Bezirk führt Peter Haider. Sprinzl selbst fungiert als Konsulent.