Licht an: Knorr Bremse will Hella kaufen

Autozulieferer
29.06.2021

Heiße News aus der Zulieferindustrie: Der Münchner Konzern Knorr-Bremse ist in das Bieterrennen um Hella eingestiegen. Es könnte ein neues Schwergewicht neben Bosch, Conti und Co. entstehen. 
Knorr Bremse ist im Bereich Bremssysteme für Nutzfahrzeuge stark aufgestellt.

„Die Knorr-Bremse AG bestätigt, dass sie grundsätzlich am Erwerb des von der Gründerfamilie gehaltenen Pakets von 60 % der Aktien der HELLA GmbH & Co. KGaA interessiert ist." Mit diesen Worten ließ das Unternehmen per Aussendung eine regelrechte Bombe platzen. Tatsächlich reagierten die Verantwortlichen bei Knorr Bremse damit auf Gerüchte, die von deutschen Medien zuvor verbreitet worden waren und im Wesentlichen denselben Inhalt hatten. Dass die Münchener eben Interesse an einer Übernahme des Lippstädter Unternehmens hätten. 

Die Gespräche würden sich in einem sehr frühen Stadium befinden, heißt es nun. "Es kann zu diesem Zeitpunkt nicht abgesehen werden, ob es zu einer Transaktion kommt", so der Wortlaut der kurzen Aussendung von Knorr Bremse. Käme das Unternehmen zum Zug, würde ein Konzern mit einem Umsatz von rund 13 Milliarden Euro entstehen - die Nummer vier hinter den deutschen Autozuliefer-Riesen Bosch, Continental und ZF. 

Big and beautiful

Im Auftrag der Gesellschafterfamilien Hueck und Röpke sucht die Investmentbank Rothschild nach einem Käufer für deren Mehrheitsbeteiligung. Zusammen mit einem stärkeren Partner werde die vor über 100 Jahren gegründete Hella den Branchenumbruch aus Sicht der Familien besser bewältigen können, heißt es in Branchenkreisen zur dahinter steckenden Motivlage. Hella hat sich freilich auf Elektronik spezialisiert und wird damit vom Umbruch in der Autoindustrie weniger stark betroffen sein als andere Player, allen voran solche, die sich beispielsweise auf  Verbrennungsmotoren oder Schmiermittel spezialisiert haben. Mit einem Jahresumsatz von knapp sechs Milliarden Euro rangiert Hella laut dem deutschen "Handelsblatt" von der Größe her eher im Mittelfeld der Branche. 

Gemeinsam hätten Hella und Knorr Bremse enorme Größenvorteile, wären ein stärkerer Partner der großen, von VW angeführten Hersteller. Aber auch vom Produktportfolio her würde ein Zusammenschluss durchaus Sinn machen. Die beiden Unternehmen haben nämlich wenig Überschneidungen. Hella ist in der Elektronik stark und Knorr - Nomen est omen - eben bei Bremsen; Beides wird jedenfalls auch im Zeitalter der Elektromobilität benötigt. Spätestens seit der Milliardenübernahme des Bremsenherstellers Wabco durch den ZF-Konzern steht Knorr Bremse unter Zugzwang. 

Das Aktienpaket der Gesellschafter über 60 Prozent von Hella eröffnet sogar den Weg für eine Komplettübernahme. Mit dem Erwerb wäre der Käufer sogar gesetzlich zu einem Übernahmeangebot der ausstehenden Aktien verpflichtet. An der Börse wird Hella mit rund 6,4 Milliarden Euro bewertet. Freilich gibt es für Knorr Bremse Konkurrenz. Unter anderem wird auch Finanzinvestoren Interesse an dem deutschen Traditionsunternehmen nachgesagt. Eine Entscheidung darüber, mit wem man schlussendlich in Detailverhandlungen tritt, soll über den Sommer fallen.