Akkutechnologie

Schweizer bauen Fabrik für Feststoff-Akkus

Elektromobilität
12.04.2022

 
Eine neu gegründete Firma aus der Schweiz will mit dem weltweit ersten in Serie produzierten Feststoff-Akku den weltweiten Batteriemarkt revolutionieren.
Schweizer bauen Fabrik für Feststoff-Akkus
Schweizer bauen Fabrik für Feststoff-Akkus

Die Swiss Clean Battery AG mit Sitz in Frauenfeld errichtet eine Giga-Factory für Feststoff-Akkus, die nach eigenen Angaben extrem langlebig, unbrennbar und mindestens 50 % besser in der Umweltbilanz als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus sind. Feststoffakkus gelten als Nachfolgetechnologie der herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus. Weltweit wird intensiv daran geforscht – nun geht die Schweiz mit dieser Technologie als erstes Land in die Serienproduktion. Ab 2024 will die SCB AG mit einer Produktion skalierend von 1,2 GWh bis 7,6 GWH sowohl den Schweizer Heimatmarkt als auch den internationalen Markt mit nachhaltigen Batteriespeichern bedienen.

Technisches Problem gelöst

Warum der Feststoff-Akku trotz zahlreicher Ankündigungen und weltweiter Forschungsaktivitäten noch immer nicht marktreif ist, liegt unter anderem an einem zentralen technischen Problem. Es geht darum, den Festionenleiter in den Batteriezellen mit den Elektroden in eine stabile Verbindung zu bringen. Viele Forschungsvorhaben basieren auf einer „modularen Bauweise“, bei der Einzelteile außerhalb der Zelle kombiniert und anschließend in das Gehäuse eingeführt werden. Dabei kommt es zu Problemen beim Übergang der Ionen an den Materialgrenzen zwischen Elektroden und Festionenleiter. Forscher der SCB AG wollen das Problem gelöst haben, indem sie den Festionenleiter ähnlich einem Mehrkomponentenkleber in der Batteriezelle selbst entstehen lassen. Dadurch werden die Übergangsprobleme im Vergleich zur modularen Bauweise überwunden.

Aus Krisen gelernt

Die Swiss Clean Battery AG wurde im Februar 2022 in Frauenfeld im Kanton Thurgau gegründet. CEO ist Roland Jung, CFO Peter Koch und COO Thomas Lützenrath, der gleichzeitig auch COO der lizenzgebenden Technologiegesellschaft High Performance Battery AG ist. In der ersten Produktionsphase von 1,2 GWH plant die SCB AG einen Umsatz von 318 Mio. CHF. Hierfür sind 246 Mio. CHF Investitionsvolumen in den Maschinenpark geplant. In dieser ersten Stufe beschäftigt die SCB AG 181 Mitarbeiter. Es werden 20.000 m2 Produktionsfläche bebaut, um dann 7,2 Millionen Batteriezellen pro Jahr zu fertigen. Die SCB AG hat aus Corona Krise, Chip-Krise und Ukraine-Krise gelernt und bezieht alle Maschinen sowie die Chemie regional aus der Schweiz und aus Deutschland. Neben eine Fremdkapitalfinanzierung der Produktionsstätte wird ein Börsengang (IPO) für Oktober 2022 an der Züricher Börse angestrebt. In der Endphase soll die SCB AG 7,6 GWH produzieren, bei einer Investitionssumme von 775 Millionen CHF und einem Umsatz von über 2 Milliarden CHF. Dafür werden ca. 100.000 m2 Produktionsfläche bebaut. In dieser Ausbaustufe produziert die SCB AG mit 1061 Mitarbeitern nahezu 48 Millionen Batteriezellen pro Jahr.  Der Unternehmenswert beträgt dann 8,6 Milliarden CHF.