Stahlgruber zieht Bilanz

Meisterhaft
04.02.2019

 
STAHLGRUBER ÖSTERREICH-GF Hermann Kowarz und Prokurist Roland Hausstätter ziehen im KFZ Wirtschaft-Interview Bilanz für 2018 und wagen einen Ausblick auf 2019.
Hermann Kowarz und Roland Hausstätter im KFZ Wirtschaft-Interview
Hermann Kowarz und Roland Hausstätter im Interview mit KFZ Wirtschaft-Chefredakteur Wolfgang Bauer

KFZ Wirtschaft: Welche Bilanz ziehen Sie für 2018? Hermann Kowarz: Wir haben unseren geplanten Wachstumskurs fortgesetzt und all unsere Ziele erreicht. Im Februar haben wir unser 19. Verkaufshaus in Krems eröffnet, Anfang Jänner 2019 in Freistadt unser 20., gemäß unserer Maxime: jedes Jahr ein neues Verkaufshaus. Vor allem ist uns die geplante Umsatzsteigerung gelungen, und wir sind schließlich in sämtlichen Produktsegmenten gewachsen.

Sie haben im Sommer im Interview mit mir gesagt, dass sie bis Ende des Jahres die 140-Millionen- Umsatzgrenze knacken wollen. Ist das gelungen? Und was ist für 2019 geplant?
Hermann Kowarz: Ja, das ist uns gelungen. Wir haben 2018 die 140-Millionen-Umsatzgrenze geknackt. Für dieses Jahr sind erneut Umsatzsteigerungen in sämtlichen Segmenten geplant.

Wird es 2019 – abgesehen von Freistadt – ein weiteres Verkaufshaus geben?
Hermann Kowarz: Nein, vorderhand ist keines geplant, zumal wir aktuell flächendeckend sind. Aber wir sind selbstverständlich flexibel. Und wenn es die Marktsituation erfordert, werden wir sofort reagieren.

„Weil wir der Anbieter mit der besten Leistung sind, mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft.“ HERMANN KOWARZ, GF STAHLGRUBER ÖSTERREICH

Wie sehen Sie die aktuelle Marktsituation?
Hermann Kowarz: Es wird mit Sicherheit nicht einfacher werden. Aber es wird weiterhin so sein, dass sich Leistung durchsetzt. Aufgrund der Tatsache, dass wir jener Anbieter mit der besten Leistung sind, mache ich mir keine Sorgen um unsere Zukunft.

Zur AutoZum: Einige Big Player wie WM Trost sind diesmal nicht dabei. Ist das etwas, das Sie freut, oder ist es Ihnen egal?
Hermann Kowarz:
Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. In puncto Wettbewerb ist es angenehm, wenn ein Mitbewerber von uns nicht präsent ist. Andererseits war ich immer ein Verfechter der AutoZum und wenn sich Big Player sukzessive zurückziehen, dann wird es irgendwann keine AutoZum mehr geben. Roland Hausstätter: Wenn z. B. WM Trost-Kunden nicht auf die Messe gehen, weil WM Trost nicht ausstellt, dann hat auch Stahlgruber nicht die Chance, diese Kunden von seinen Produkten zu überzeugen.

Sie beide haben stets betont, dass Sie ganz und gar hinter dem Konzept der AutoZum stehen, weil Sie den direkten Vergleich nicht scheuen.
Roland Hausstätter:
Wir präsentieren eine Vielzahl an innovativen Produkten. Abgesehen davon ist an unserem Stand viel Fachpersonal, wir werden in diesem Zusammenhang optimal von unseren Lieferanten unterstützt. Somit erfahren unsere Kunden das beste Service. Hermann Kowarz: Wir haben die namhaftesten europäischen Hersteller im Programm und keine Maschinen aus China. Damit sind wir am Puls der Zeit. Auf unserem Stand gibt’s wirklich was zu sehen.

Ist der Zwei-Jahres-Rhythmus der AutoZum für Stahlgruber ideal?
Hermann Kowarz:
Absolut. Aufgrund der Tatsache, dass die AutoZum nur alle zwei Jahre stattfindet, haben unsere Kunden die Gewissheit, dass sie tatsächlich jedes Mal wirkliche Innovationen präsentiert bekommen.

Herr Hausstätter, wie entwickelt sich „Meisterhaft“, das Werkstättenkonzept von Stahlgruber?
Roland Hausstätter:
Wir haben zurzeit 208 Partnerbetriebe. Im heurigen Jahr sind elf neue dazugekommen. Unser Motto bei „Meisterhaft“ ist stets: Qualität vor Quantität. Besonders erfreulich ist: Vier unserer neuen Partner haben enorm in Neubauten investiert und sind sodann die Partnerschaft mit uns eingegangen.

Werden neue Betriebe dazukommen?
Roland Hausstätter:
In puncto Flächendeckung gibt es zwar immer wieder Regionen, wo es sinnvoll ist, einen neuen Partner dazuzunehmen. Insgesamt allerdings sind wir flächendeckend.

Wie würden Sie in ein paar Sätzen eine freie Werkstätte davon überzeugen, „Meisterhaft“-Partner zu werden?
Roland Hausstätter:
Das Wichtigste für eine freie Werkstätte ist, dass sie weiterhin frei bleibt. Für Werkstätteninhaber ist essenziell, dass sie nicht mit Vorgaben belastet werden, die sie gar nicht erfüllen können. Bei unserem modularen System hat der Partner die Möglichkeit, einzelne Bausteine frei auszuwählen. Diese Flexibilität ist die Stärke unseres Konzepts. Andere Werkstättenkonzepte sind wesentlich enger geschnürt.

Sie betonen „Qualität vor Quantität“. Haben Sie die Standards für die Betriebe erhöht?
Roland Hausstätter:
Wir haben de facto nicht die Standards erhöht, sondern wir schauen genauer hin, wie sich Betriebe – vor allem auch optisch – präsentieren.

Sie haben keine konkreten Ziele, wohin sich die Zahl der Mitgliedsbetriebe entwickeln soll?
Roland Hausstätter:
Nein. Jeder Betrieb, der den Anforderungen entspricht und vom Standort passt, ist uns willkommen. Das Wichtigste an diesem Konzept ist, dass wir als starker Partner dahinterstehen. Es geht ja vornehmlich darum, dass die Ansprüche der Betriebe erfüllt werden. Und Stahlgruber gilt als verlässlicher und kompetenter Partner in puncto Sortiment, Verfügbarkeit, Service und im Besonderen Dienstleistungen. Gerade in diesem Bereich haben wir uns in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Wir sind die Einzigen, die mit „STAkis Profi“ ein eigenes Warenwirtschaftsprogramm anbieten können. Unsere EDV-Komplettlösung „STAkis Profi“ ist in unserem Kundeninformationssystem („STAkis online“) voll integriert und beinhaltet abgesehen vom klassischen Onlinekatalog auch Inspektionsdaten, Arbeitswerte, grafische Teilesuche und eine fahrzeugbezogene technische Datenbank mit sämtlichen Hersteller-Serviceinformationen. „STAkis Profi“ sorgt bei unseren Kunden vor allem für eine große Zeitersparnis.

„Das Wichtigste für eine freie Werkstätte ist, dass sie frei bleibt. Unser ‚Meisterhaft‘- Konzept trägt diesem Anspruch perfekt Rechnung.“ ROLAND HAUSSTÄTTER, PROKURIST STAHLGRUBER ÖSTERREICH & „MEISTERHAFT“-VERANTWORTLICHER

Sind „Meisterhaft“-Partner in den vergangenen Jahren anspruchsvoller bzw. betreuungsintensiver geworden?
Roland Hausstätter:
Betreuung und Service sind immer wesentlich. Wir sind in Bezug auf Außendienstmitarbeiter bei Stahlgruber Österreich hervorragend aufgestellt. Wir haben aktuell 47 Außendienstmitarbeiter und rund 228 Zustellfahrzeuge und können damit ein optimales Service garantieren. Hermann Kowarz: Es wird von unseren Kunden sehr geschätzt, dass wir mit unseren eigenen Mitarbeitern und mit unseren eigenen Zustellfahrzeugen beliefern.

Was planen Sie im heurigen Jahr in puncto Weiterbildung und Schulungen?
Roland Hausstätter:
Wir bieten immer mehr Schulungen an, weil es immer mehr und immer komplexere Themen gibt. Wir haben bereits die komplette Planung für 2019 abgeschlossen. Aktuelle Themen sind etwa „Automatikgetriebe-Ölwechsel“ oder „Fahrerassistenzsysteme“. Hier sind einige Schulungen gemeinsam mit ZF und Valeo vorgesehen. Dieselpartikel- und Turbo-Schulungen stehen stets auf dem Programm. Wir werden auch gemeinsam mit Bosch verstärkt Schulungen anbieten. Stichwort: Werkstattvernetzung. Hermann Kowarz: Wir bieten außerdem Hochvolt- Schulungen an. Das ist notwendig und zweckmäßig, weil Elektrofahrzeuge nach und nach bereits in die Werkstätten kommen. Diese Kurse sind bei uns überaus gut besucht.

Haben Sie den Eindruck, dass Werkstattbetreiber – mehr als noch vor ein paar Jahren – verstärkt bereit sind, sich fortzubilden?
Roland Hausstätter:
Definitiv ja. Reparaturen werden technisch immer anspruchsvoller. Werkstattbetreiber wissen selbstverständlich, dass sie keine Fahrzeuge reparieren können, wenn sie nicht auf dem Laufenden sind. Hermann Kowarz: Teilweise sind diese Kurse ja obligatorisch. Beispielsweise erhält man nach erfolgreicher Absolvierung von Klima- oder Hochvoltschulungen das entsprechende Zertifikat mit der Berechtigung, diese Arbeiten in Angriff zu nehmen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Elektromobilität?
Roland Hausstätter:
Wenn man die Ankündigungen der Automobilhersteller ernst nimmt, wonach in den nächsten Jahren Produktfeuerwerke an E-Autos gezündet werden, dann weiß man, dass diese riesigen Investitionen wohl nicht zum Spaß getätigt werden. Derzeit haben wir bei Elektroautos immer noch die drei Probleme: hoher Anschaffungspreis, geringe Reichweite und suboptimale Ladeinfrastruktur. Aber in den nächsten Jahren wird sich vermutlich sehr viel tun. Hermann Kowarz: Ohne politische Maßnahmen wird sich das Elektroauto meines Erachtens nicht durchsetzen. Erst wenn Verbrenner so teuer in der Anschaffung sind oder exorbitant hoch besteuert werden, dass sie sich niemand mehr leisten kann, wird es eine Trendwende geben.

Können wir mit dem Image der Kfz-Techniker-Lehre zufrieden sein?
Roland Hausstätter:
Der springende Punkt ist: Wie motiviere ich einen jungen Menschen für eine Lehre? Hermann Kowarz: Ich habe zuletzt gelesen, dass die Zahl der Kfz-Techniker-Lehrlinge z. B. in der Steiermark deutlich gestiegen ist. Das ist äußerst erfreulich. Eines muss man auch sagen: Das Berufsbild des Kfz-Technikers ist mittlerweile derartig anspruchsvoll und komplex, dass sich das auch positiv auf das Image auswirkt. Ich bin davon überzeugt, dass das Image der Lehre heute besser ist, als es vor zehn Jahren war.