Diagnosekrimi

Aktenzeichen KFZ gelöst!

Werkstatt
12.04.2022

Der Land Rover Freelander, der sich regelmäßig verschluckte, und der Seat Altea, dessen Motor sich nicht mehr abstellen ließ, konnten ihren Besitzern wieder fahrbereit zurückgegeben werden. Die Lösungen der beiden mysteriösen Diagnosekrimis sind allerdings höchst ungewöhnlich.
Land Rover Freelander

Fall 1: Land Rover Freelander

In der Dezember-Ausgabe der KFZwirtschaft berichteten wir über einen 12 Jahre alten Land Rover Freelander, der mit einem lästigen Defekt in die freie Werkstatt von Radoslaw Hudzik in Wien Hernals kommt. Das Problem: Wird der Wagen über etwa 2200 Touren beschleunigt, bricht er seinen Vorwärtsdrang abrupt ab und fällt auf niedrigere Drehzahlen zurück. Nachdem sich der zuerst vermutete Getriebedefekt als falsche Spur erweist, folgt eine mühsame und viele Wochen lang nicht von Erfolg gekrönte Suche nach der tatsächlichen Fehlerursache. Sowohl der Austausch der Einspritzpumpe und aller vier Injektoren sowie schließlich sogar der kompletten Railschiene mit Druckregler und Drucksensor bringen keinen Erfolg. Auch die durchgeführten Software-Updates bleiben wirkungslos. Ebenso bringt die Kontrolle von Dieselpartikelfilter, Drosselklappe und AGR-Ventil auf eventuelle Fehlfunktionen kein Ergebnis. Schließlich tauscht der Kfz-Meister noch das Motorsteuergerät aus, das vielleicht nach einem Chip-Tuning in der Vergangenheit falsch programmiert worden ist. Doch auch diese Maßnahme bringt keinen Erfolg, der Schluckauf des Freelander erweist sich als überaus hartnäckig.

Lösung durch Zufall

Als sich Radoslaw Hudzik nach wochenlanger, Corona-bedingter Pause wieder dem Freelander widmet, fällt ihm bei der Durchsuchung des Handschuhfachs eine Rechnung über den Einbau eines neuen Autoradios in die Hände. Interessant dabei: Der Termin des Einbaus fällt ungefähr mit dem ersten Auftreten der Motorprobleme zusammen. Das Markengerät kann nicht nur Radio spielen, sondern ist auch mit Touchscreen, Navi und Freisprechanlage ausgestattet. Der Kfz-Meister untersucht die Anschlüsse, und siehe da: Die exklusiv für das Original-Radio eingerichteten Diagnosestecker, über die Fehlfunktionen des Gerätes via OBD-Stecker ausgelesen werden können, sind beim Anschluss des Austausch-Gerätes ebenfalls angeschlossen worden – mit Steckern, die zwar in die Buchse passen, doch fremde und daher störende Signale an das Steuergerät übermitteln. „Mit dem Abschließen dieser Stecker war der Fehler plötzlich verschwunden“, freut sich Hudzik. Fall gelöst.

Seat Altea

Fall 2: Seat Altea

In der März Ausgabe der KFZwirtschaft berichteten wir über einen 11 Jahre alten Seat Altea, dessen Dieselmotor nach Abziehen des Zündschlüssels einfach weiter läuft. Erst wenn der Hauptlichtschalter von „Auto“ auf „0“ gedreht wird, geht der Motor aus. Der Wagen kommt in die freie Kfz-Werkstatt von Alfred und Andreas Grünstäudl in Groß Gerungs im Waldviertel. Das Problem: Das Diagnosegerät zeigt keinen Fehler an, und auch das Durchmessen der Leitungen vom Steuergerät zum Lichtschalter und Zündschloss ergeben keinen Hinweis auf einen Defekt.

Die unerklärliche Lösung

Mechatroniker Andreas Grünstäudl studiert daraufhin gemeinsam mit seinem Vater die Stromlaufpläne und beschließt, testweise das Lenksäulensteuergerät mit dem eines Vergleichsfahrzeugs auszutauschen. „Zufällig hatten wir einen komplett baugleichen Seat in der Werkstatt, mit genau der gleichen Steuergerätenummer“, erzählt Andreas Grünstäudl. Fazit: Nach dem Austausch der Elektronik-Komponenten absolvieren beide Fahrzeuge völlig problemlos ihre Probefahrt und werden den Kunden übergeben - mit dem Hinweis, sich beim Auftreten eventueller Fehler gleich wieder zu melden. „Lustigerweise funktionieren seitdem beide Fahrzeuge ohne Probleme“, so Andreas Grünstäudl, „ich habe nun schon wochenlang nichts von ihnen gehört!“

Dank an die Community!

Sowohl Radoslaw Hudzik als auch Familie Grünstäudl bedanken sich herzlich für die zahlreichen wertvollen Tipps, die aus ganz Österreich von der Kollegenschaft via E-Mail an die KFZwirtschaft geschickt und umgehend an die Werkstätten weitergleitet worden sind. Bei dieser Gelegenheit ein Aufruf: Wenn Sie einmal einen ungewöhnlichen Diagnosefall in Ihrer Werkstatt hatten, der Ihren Kolleg:innen als Lehrbeispiel dienen könnte, oder wenn Sie gerade an einem ungelösten Problem tüfteln, schreiben Sie einfach eine kurze E-Mail an [email protected]. Wir werden eine Lösung finden und gerne darüber berichten!