BMW 635 CSi: Unrunder Leerlauf

Diagnosekrimi
16.06.2017

Ein aus Japan importierter BMW 635 CSi macht seinem Besitzer viel Freude, ärgert ihn aber eines Tages mit einem unrunden Leerlauf. Erste Reparaturmaßnahmen bringen nicht den gewünschten Erfolg, erst das Hightech-Diagnosesystem von AVL Ditest kommt dem Täter auf die Spur.
Der 3,5-Liter-Sechszylinder leistet 211 PS und beschleunigt den BMW 635 CSi in 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
PETER SEIPEL

Das von 1975 bis 1989 gebaute BMW-Oberklasse- Coupé E24 wird 1987 zum zweiten Mal überarbeitet und unter der Bezeichnung 635 CSi um rund 80.000 deutsche Mark verkauft. Heute wird ein gut erhaltenes Exemplar des Luxussportwagens um rund 30.000 Euro gehandelt.

Ein Liebhaber des BMW-Klassikers importiert ein besonders gut erhaltenes Exemplar, das erst 58.000 Kilometer auf dem Tacho hat, aus Japan. Der benzinbetriebene 3,5-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor leistet 211 PS bei einem Drehmoment von 305 Nm und beschleunigt den 1,5 Tonnen schweren Sportwagen in 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 225 km/h. Katalysator und Lambdasonde an Bord sorgen für die Abgasreinigung. Mit unrundem Leerlauf bringt der Besitzer seinen Traumwagen eines Tages in die Werkstatt.

Ein Diagnosekrimi beginnt.
▶ Erstdiagnose: Das Fahrzeug läuft im kalten Zustand normal, bei warmem Motor wird der Leerlauf zunehmend unrund. Stellt man den Motor ab und lässt ihn 15 Minuten auskühlen, springt er bei den folgenden Startversuchen nur schwer an und verbreitet einen deutlichen Benzingeruch.

▶ Erste Maßnahme: Der Leerlaufsteller wird erneuert. Fazit: der Leerlauf verbessert sich etwas, läuft aber immer noch nicht ganz rund.

▶ Bei warmem Motor wird eine Abgaskontrolle mit dem Viergas-Tester am Endrohr durchgeführt. Ergebnis: Alle Werte sind bestens, doch etwa alle 30 Sekunden ist ein zyklisches Anfetten in Verbindung mit einer Änderung der Motorlaufkultur zu bemerken.

▶ Mit dem AVL Ditest-Oszilloskop wird die Spannung der Lambdasonde kontrolliert: Die Kurve zeigt keinen Ausschlag und nach dem Anfetten mit einem Kaltstartspray Spannungsausreißer ins Negative. Schlussfolgerung: entweder ist die Sonde defekt oder ein Kabel ist gebrochen.

▶ Die Steckverbindung der Lambdasonde wird kontrolliert, befestigt und mit Kontaktspray eingesprüht. Mit Erfolg, der Regelkreis zeigt am Oszilloskop ein perfektes Bild, doch auch ein Problem: zyklische Spannungseinbrüche (Magereinbrüche) der Lambdasondenspannung.

▶ Die Einspritzventile werden mit Kaltstartspray eingesprüht. Fazit: Bei den Zylindern 3, 4 und 5 zeigt das Anfetten eine Änderung der Lambdasondenspannung, was den Schluss zulässt: Die Abdichtungen der Einspritzventile sind defekt. Außerdem wird der Kraftstoffdruckregler als Ursache der austretenden Benzindämpfe ausgemacht.

▶ Nach dem Tausch der Ventildichtungen und des Kraftstoffdruckreglers sind alle Probleme behoben, der Motor läuft im gesamten Drehzahlbereich rund, der Fall ist gelöst.

PETER SEIPEL VOM YOUNG- ZUM OLDTIMER

Der 30. Geburtstag ist ein magisches Datum für ein Auto. Er markiert das Ende seiner „Flegeljahre“ als Youngtimer und adelt ihn fortan als Oldtimer. Wer sich dem schönen Hobby der Oldtimerei verschreiben will, macht mit der Anschaffung eines BMW 635 CSi sicher nichts falsch. Da der luxuriöse Sportwagen über 13 Jahre lang gebaut wurde, ist er die am längsten gelaufene Modellreihe von BMW. Somit ist die Ersatzteilversorgung auf viele Jahre hinaus gesichert. Bis 1989 wurden insgesamt 86.219 Fahrzeuge gebaut, bevor die Produktion zugunsten des größeren 8er-Coupés E31 eingestellt wurde. Reifere Exemplare der lange Zeit gepflegten 6er-Baureihe haben zudem den Vorteil, frei von Kinderkrankheiten oder Jugendsünden zu sein. Zuletzt war der legendäre 635er übrigens als Dienstwagen des bayrischen Kommissars Benno Berghammer in der Fernsehserie „Der Bulle von Tölz“ zu sehen.