Opel Astra: Das beleidigte Steuergerät

Diagnosekrimi
11.04.2019

Diesmal kommt unser Diagnosekrimi aus dem Autohaus Wanitschek im niederösterreichischen Leiben. Der mysteriöse Fehler trat bei einem sechs Jahre alten OPEL ASTRA J auf.
Längere Standzeiten, die einen Abfall der Batteriespannung zur Folge haben, können zu Fehlern in der Fahrzeugelektronik führen.
Längere Standzeiten, die einen Abfall der Batteriespannung zur Folge haben, können zu Fehlern in der Fahrzeugelektronik führen.
Das Batteriesensormodul meldet den aktuellen Ladezustand des Stromspeichers laufend an das Karosseriesteuergerät.
Das Batteriesensormodul meldet den aktuellen Ladezustand des Stromspeichers laufend an das Karosseriesteuergerät.

Autohaus-Inhaber Jörg Wantischek berichtet von einem Fall, aus dem zwei Schlüsse gezogen werden dürfen: Ein kleiner Defekt muss nicht gleich mit dem Austausch ganzer Komponenten behoben werden, und das Verfolgen einer oder mehrerer falscher Fährten kann den Werkstattkunden teuer zu stehen kommen. Eines Tages kommt ein Kunde in die Werkstätte Wanitschek, der bereits eine kostspielige Odyssee hinter sich hat: Er hat erst kürzlich einen sechs Jahre alten Opel Astra J Sports Tourer, 1.7 CDTI Ecotec mit 81 kW Dieselmotor erworben, der längere Zeit gestanden ist. Das Auto ist in gutem Zustand, fährt ohne Probleme und hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Der Frontscheibenwischer funktioniert nur sporadisch. Der Kunde fährt also in eine freie Werkstätt e, um die vermeintliche Lappalie beheben zu lassen, doch als er das Auto wieder abholt, wird ihm eine saft ige Rechnung präsentiert. Nach Auskunft des Mechanikers musste der Scheibenwischermotor getauscht werden, den es als Ersatzteil nur komplett mit Scheibenwischergestänge gibt und der mit knapp 600,– Euro zu Buche schlägt. Außerdem war angeblich das Karosseriesteuergerät defekt und wurde ebenfalls getauscht – Kostenpunkt: knapp über 400,– Euro. Zu seinem noch größeren Ärger muss der Kunde feststellen: Der Scheibenwischer funktioniert noch immer nicht einwandfrei. Er beschließt, eine Fachwerkstätt e aufzusuchen, und bringt seinen Astra zu Opel Wanitschek. Dort beginnt ein Diagnosekrimi:

▶ Zuerst werden die Fehlercodes mittels Opel-Diagnosetester ausgelesen. Ergebnis: Zwei Datenbus-Fehler U1515 und U1516 sind gespeichert, Bedeutung: „Keine Kommunikation mit Gerät über LIN-Bus“.

▶ Der erfahrene Kfz-Techniker weiß nun, dass die Kommunikation zwischen Steuergerät, Karosserie, Frontwischermotor- Modul und Batteriesensormodul nicht funktioniert.

▶ Mitt els Stromlaufplan beginnt nun die Fehlersuche, gleichzeitig werden die beteiligten Steuergeräte am LIN-Bus ermitt elt.

▶ Die weiterführende Diagnose zeigt, dass lediglich das Batteriesensormodul nicht angelernt ist.

▶ Abhilfe: Das Batteriesensormodul wird mittels Diagnose-Tester zurückgesetzt, die Fehlercodes gelöscht.

▶ Ergebnis: Der Scheibenwischer funktioniert wieder ordnungsgemäß, der Fall ist gelöst.

PETER SEIPEL LADEN WILL GELERNT SEIN

Bei älteren Fahrzeugen war das Aufl aden einer Batterie eine simple Angelegenheit: Plus- und Minuspol abklemmen, das Ladegerät anhängen und warten, bis das grüne Lämpchen aufl euchtet. In modernen Fahrzeugen jedoch, die dem Stromspeicher deutlich mehr Funktionen und Leistung abverlangen, wird die Batterie von einem Sensor überwacht, der das für den Start-Stopp-Vorgang zuständige Steuergerät laufend über den Ladezustand informiert. Wird dieses Steuergerät beim Aufladen der Batterie im Fahrzeug übergangen, weil das Ladegerät direkt an die Batteriepole angeschlossen wird, reagiert es beleidigt und zeigt das beispielsweise mit einer Fehlfunktion des Scheibenwischers. Fazit: Das Massekabel des Ladegerätes sollte an der Fahrzeug- Masse und nicht an der Minusklemme der Batterie angeschlossen werden – so fl ießt der Strom während des Ladens durch das Batteriesensormodul und informiert das Steuergerät über die Aufladung.