Peugeot 308: Der versteckte SCR Kat

Peugeot
14.11.2017

Eine Familie, auf dem Weg in den Urlaub mit einem zwei Jahre alten PEUGEOT 308, macht leidvolle Erfahrungen mit der Komplexität von Abgasreinigungsanlagen, die in französischen Dieselfahrzeugen verbaut sind.
Das AdBlue-Einspritzventil gleich hinter dem Oxi-Kat und eine beheizte Leitung verraten das zusätzliche DeNOx-System des Peugeot 308 Blue HDi.

Der Peugeot 308 wird von einem 2.0 Blue HDi Dieselmotor angetrieben und hat erst 55.000 km auf dem Buckel. Kein Wunder daher, dass die plötzliche Fehlermeldung ziemlich unerwartet kommt. In orangen Lettern erscheint am Display die Warnung: „Fehler Schadstoffverringerung: Starten in 600 km verboten“. Ein Besuch der Werkstatt ist unvermeidlich, und die geplante Urlaubsfahrt muss erst einmal verschoben werden. Denn die Vermutung, dass vermutlich nur ein Additivbehälter nachgefüllt werden muss, erweist sich leider als Irrtum. Ein Diagnosekrimi nimmt seinen Lauf.

DIE FEHLERSUCHE IM DETAIL

▶ Der Werkstatt-Techniker kontrolliert den kleinen Kunststofftank für das Additiv EOLYS 176, das Peugeot zur besonders effizienten Regeneration des Rußfilters FAP in seinen Dieselfahrzeugen verwendet. Dabei zeigt sich, dass der Behälter noch mehr als zur Hälfte gefüllt ist.

▶ Auch die Sichtprüfung des Abgasnachbehandlungssystems mit Oxi-Kat und FAP zeigt nichts Ungewöhnliches. Ein „mega macs“-Diagnosegerät wird angeschlossen, und es zeigt sich, dass im Steuergerät zwei Fehler gespeichert sind: P20E8, „Harnstoff-Additiv- Drucksensor – Signal zu niedrig“ und P20F9, „Additiv Einspritzventil Bank 1 – System klemmt – ständig offen“.

▶ Die Formulierung „Harnstoff“ macht den Meister stutzig, da er auf den ersten Blick keinen zweiten Additivtank für AdBlue zur Reduktion der Stickoxide entdecken kann. Tatsächlich findet sich ein solcher aber in der fahrzeugspezifischen Liste des mega macs.

▶ Eine nähere Untersuchung der Abgasanlage zeigt: Tatsächlich ist im Peugeot 308 Euro 6 ein dreiteiliges System aus Oxi-Kat, SCR und FAP verbaut. Das Problem: SCR und FAP sind durch den Mechaniker nicht trennbar. Der versteckte SCR-Kat verrät sich nur durch eine zusätzliche beheizte Leitung.

▶ Laut Serviceheft liegt die letzte Befüllung des Ad- Blue-Tanks rund 5.000 km zurück. Da eine Füllung normalerweise für rund 20.000 km reicht, kommt der Verdacht auf ein Leck im AdBlue-System auf. Eine Sichtkontrolle der beheizten Leitung zwischen Tank und Einspritzventil hinter dem motornahen Oxi-Kat verläuft negativ.

▶ Eine Druckbeaufschlagung mittels Versorgungspumpe soll mehr zeigen, das AdBlue-Einspritzventil aus dem Abgasrohr wird demontiert. Die elektrische Schnittstelle wird getrennt, um eine Ansteuerung des Ventils während der Druckprüfung auszuschließen.

▶ Im Menüpunkt Diagnose>Motor>Stellglied>Test Abgasreinigungssystem im mega macs wird „Harnstoffeinspritzventil prüfen“ ausgewählt. Daraufhin wird die Versorgungspumpe angesteuert – mit positivem Ergebnis: Die unübersehbare Tropfenbildung entlarvt das undichte Einspritzventil.

▶ Das Ventil wird ersetzt, der AdBlue-Tank aufgefüllt, das System entlüftet. Fazit: Problem behoben, Fall gelöst.

PETER SEIPEL KOMPLEXE DIESELREINIGUNG

Damit sich moderne Dieselfahrzeuge mit dem Euro-6-Label schmücken dürfen, schleppen sie aufwendige Anlagen zur Abgasreinigung mit sich herum. So wird der Rußfilter im Peugeot 308 regelmäßig mittels Nacheinspritzung und Zugabe eines Cer-Additivs freigebrannt. Hinter dem Oxi-Kat und direkt vor dem FAP ist im gleichen Blechmantel zusätzlich ein SCR-Kat integriert. Da die Ad- Blue-Lösung bei -11 °C gefriert, müssen die Leitungen und der Vorratstank im Fahrzeug beheizt werden. Eine Pumpe sorgt für die konstante Versorgung des Einspritzventils vor dem SCR-Kat sowie für den Rückfluss des Harnstoffs nach Abschalten der Zündung. Das Motormanagement steuert die Dosierung des Additivs abhängig vom Abgasmassenstrom und dem Signal des NOx-Sensors hinter dem SCR-Kat. Eine hochkomplexe Anlage, die naturgemäß auch zahlreiche Fehlerquellen birgt. Das kommt den Autohäusern nicht ungelegen, denn an der Wartung und Reparatur eines Fahrzeuges verdienen sie bereits deutlich mehr als an seinem Verkauf.