Porsche 911: Defekt im Schlüssel

Elektronikdefekt
16.09.2021

Ein 13 Jahre alter Porsche 911 landet in der Werkstatt von Josef Barbach mit einem ungewöhnlichen Problem: Die im Fahrzeugschlüssel individuell programmierten Komfortfunktionen spielen verrückt.
Die Porsche-Spezialisten: Helga Barbach und ihr Vater Josef.

In den höheren Ausstattungsvarianten des Porsche 997, wie die interne Modellbezeichnung für den von 2004 bis Ende 2012 produzierten 911er lautet, lassen sich Sitzposition, Lenkradhöhe, Spiegeleinstellung und sogar der Radiosender via Fahrzeugschlüssel-Programmierung an die Bedürfnisse und den persönlichen Geschmack des Lenkers anpassen. Schon beim Aufsperren werden die Einstellungen automatisch vorgenommen – sofern das System funktioniert, wie es soll. Der 997er aber, der eines Tages in der Werkstatt des Porsche-Spezialisten Josef Barbach in Bad Vöslau landet, weigert sich hartnäckig, den einprogrammierten Steuerbefehlen Folge zu leisten und stellt Sitze, Spiegel und Lenkrad in eine Position, die dem Lenker beim Platznehmen – gelinde gesagt – akrobatische Verrenkungen abverlangen. Manuell lassen sich die Einstellungen zwar problemlos korrigieren, doch bei jedem Neustart des Sportwagens wiederholt sich die durchaus mühsame Prozedur. Da der 911er erst vor kurzem als Gebrauchtwagen gekauft worden war, bringt ihn sein neuer Besitzer zum Händler zurück. Dieser versucht in der hauseigenen Werkstatt, das Problem zu lösen. Als ihm dies nicht gelingt, bringt er den Sportwagen zu Josef Barbach, einen auf die deutsche Traditionsmarke spezialisierten Kfz –Meister, der in Bad Vöslau eine freie Werkstätte betreibt. Ein Diagnosekrimi beginnt.

  • Erstdiagnose: Der Porsche ist mit zwei Schlüsseln ausgestattet, die nach den Vorlieben verschiedener Lenker individuell programmiert werden können. Doch beim Aufsperren mit Schlüssel 1 fährt der Sitz automatisch weit nach vorne und muss vom Lenker vor dem Einsteigen per Knopfdruck in die passende Position nach hinten gefahren werden. Beim Aufsperren mit Schlüssel 2 passiert das Gegenteil – der Sitz fährt weit zurück und muss manuell nach vorne gefahren werden.
  • Der Kfz Meister versucht mehrmals, die Schlüssel nach den Vorschriften der Bedienungsanleitung neu zu programmieren. Er steckt Schlüssel 1 in das Zündschloss, stellt manuell die gewünschte Sitz-, Lenkrad- und Spiegelposition ein und drückt gleichzeitig die Memory- und Schlüsseltasten in der Türverkleidung. Fazit: Die falschen Einstellungen bleiben erhalten.
  • Das Diagnosegerät wird angeschlossen, der Fehlerspeicher ausgelesen – kein Fehler wird angezeigt. Der naheliegende Verdacht: Ein Karosseriesteuergerät ist defekt und muss getauscht werden.
  • Josef Barbachs Tochter Helga, die im Familienbetrieb mitarbeitet, wagt zuvor noch einen Versuch. Mit Schlüssel 1 im Zündschloss programmiert sie den Fahrersitz auf die vorderste, mit Schlüssel 2 auf die hinterste Position. Dabei stellt sich heraus, dass der Sitz nach dem Aufsperren mit beiden Schlüsseln in genau die gegenteilige als die einprogrammierte Position fährt.
  • Helga Barbach findet dafür die einzig logische Erklärung: Die Schlüsselelektronik muss vertauscht worden sein. Die kleine Platine wird beim Batteriewechsel aus dem Schlüssel genommen, und wenn dies bei beiden Schlüsseln zugleich gemacht wird, kann es passieren, dass die Platinen danach verkehrt wieder eingesetzt werden. Helga Barbach tauscht kurzerhand die Platinen aus, das Problem ist behoben, der Fall gelöst.

Kommentar: Komfort geht über alles

So einfach wie der aktuelle Diagnosekrimi sind leider nur wenige Reparaturfälle zu lösen, die die Fahrzeugelektronik betreffen.  In Fahrzeugen der Oberklasse werden Funktionen wie Fahrzeugbeleuchtung, Scheibenwischer, Wegfahrsperre, Funkschlüssel, Klimasteuerung, Start-Stopp Automatik oder Reifendrucküberwachung von mehreren Karosseriesteuergeräten gemanagt. Diese kommunizieren über ein BUS-System miteinander und auch mit den elektronischen Komponenten. Da dieses komplexe Netzwerk die Suche nach einem eventuellen Fehler nicht gerade vereinfacht, geht ein aktueller Trend in der Fahrzeugentwicklung in Richtung eines einzigen zentralen Karosseriesteuergerätes. Der Vorteil: Dieses könnte eine wesentlich größere Datenmenge deutlich schneller verarbeiten und dabei Kabelstränge und Gewicht einsparen. Die heute verbreiteten BUS-Systeme wie CAN, FlexRay, LIN oder MOST sollen dabei durch das leistungsfähige Ethernet ersetzt werden, das ein Datenübertragungsvolumen von 100 Mbit/s zwischen den Knoten des Netzwerks erlaubt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die neuen leistungsstarken Bordcomputer auch ausreichend gegen Hacker-Angriffe geschützt werden.