Toyota Avensis Verso D4D: Lebensgefahr im Notlauf

Diagnosekrimi
10.05.2013

Ein Defekt brachte den Fahrer eines zehn Jahre alten Toyota Avensis Verso D4D in Lebensgefahr. In einem Autobahntunnel fiel das Auto in den Notbetrieb, und von hinten näherte sich ein schwerer Lkw. 

Am Kärntner Packsattel wurde der Albtraum jedes Autofahrers Realität: Mitten im Autobahntunnel, auf einer Fahrbahn ohne Pannenstreifen, leuchtete die Motorkontrolllampe im Cockpit eines Toyota Avensis Verso D4D plötzlich auf, und die Tachometernadel fiel rasch von 100 auf 15 km/h zurück. Zum Glück ging die Geschichte gut aus, denn der Lkw hinter dem Kompaktvan konnte rechtzeitig abbremsen. Dennoch saß dem Fahrer des Toyota der Schreck noch lange in den Knochen. Als er im Notbetrieb mit Schneckentempo aus dem Tunnel fuhr und das Auto endlich auf einem Pannenstreifen abstellen konnte, versuchte er einen Neustart. Zu seiner Überraschung funktionierte der Motor wieder problemlos, und auch die Motorkontrolllampe leuchtete nicht mehr auf. Kein Wunder, dass der Fahrer dennoch eine Fachwerkstätte aufsuchte, da er eine solche Situation nicht noch einmal erleben wollte. Dort begann unser Diagnosekrimi, der diesmal gleich zwei Kapitel hat.

Kapitel 1

1. Als das Fahrzeug in der Werkstatt an ein Diagnosegerät angeschlossen wurde, zeigte sich nur einen Fehler an der Kraftstoffpumpe (Code P1229). 
2. Die Werkstatt konsultierte daraufhin die AVL DiTEST Fahrzeug-Hotline, deren Experten mit den geschilderten Symptomen bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt hatten. Der Hinweis, die Ursache könnten schadhafte Saughubsteuerventile (SHSV) sein, erwies sich als goldrichtig.
3. Nach dem Austausch der SHSV trat das Problem vorerst nicht mehr auf.

Kapitel 2

1. Nach etwas mehr als einem Jahr traten erneut Probleme mit der Motorsteuerung auf: Vor allem bei kalten Temperaturen fiel das Auto nach einigen Sekunden im Leerlauf und im Schiebebetrieb in den Notlaufbetrieb, was dem Fahrer im Stadtverkehr so manches Hupkonzert bescherte. 
2. Erster Verdacht: Da das neue Problem stets auftrat, wenn die Gaspedalstellung auf 0 war, könnte daran eine Funktionsstörung des Gaspedalsensors schuld sein. 
3. Das Auslesen des Fehlerspeichers ergab folgende Einträge: P1229 Kraftstoffpumpe und P1250 Turboladersystem.
4. Eine schnelle Prüfung der Gaspedalstellung mittels Fehlerauslese sowie eine Nachmessung mittels Oszilloskop zeigte korrekte Ergebnisse. Die Diagnosewerte  17% Leerlauf und 75 % Volllast  sind bei diesem Typ laut AVL DiTEST Infosystem in Ordnung.
5. Der Raildruck im Leerlauf wurde mit einem Oszilloskop kontrolliert. Fazit: Beim Starten stieg der Raildruck sehr steil und rasch an und verblieb im Leerlauf um mehr als ein Drittel über dem Sollwert.
6. Da die ECU über die SHSV in die Raildruckregelung eingreift, wurde nun die Ansteuerung der SHSV mit der Referenzkurve im Oszilloskop verglichen. Fazit: Im Leerlauf wurden die SHSV nicht angesteuert, da der Raildruck bereits zu hoch war. Nur beim Startvorgang und bei erhöhter Drehzahl erfolgte eine Ansteuerung.
7. Die Ursache war nun klar: Die Saughubsteuerventile SHSV sollten im stromlosen Zustand geschlossen sein. Da jedoch der Raildruck bei Nichtansteuerung der SHSV nicht zurückging, setzte das Steuergerät einen Fehler, und das Fahrzeug ging in den Notlauf.
8. Mit einem neuerlichen Austausch der SHSV war der Fall schließlich gelöst.

AVL DiTEST Expertentipp

Die Praxis hat gezeigt, dass die Saughubsteuerventile trotz einwandfreier elektrischer Funktion durch mechanische Defekte oder Verschmutzung ausfallen können. Bei defekten Ventilen kann es zu Startproblemen, unruhigem Motorlauf oder Leistungsmangel kommen. Außerdem ist häufig ein ungewöhnlicher Raildruckverlauf wie beispielsweise ein schwankender Raildruck bei Konstantfahrt zu erkennen. In diesen Fällen müssen die Ventile trotz einwandfreier elektrischer Funktion ersetzt werden.