Innovationen

Die smarten Scheinwerfer kommen

Werkstatt
17.11.2022

 
Autoscheinwerfer werden mit jeder neuen Generation schmäler, heller und intelligenter – Werkstätten beobachten diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen.
Intelligente Scheinwerfer mit Projektor-Funktion.

In den letzten 20 Jahren wurde der Autoscheinwerfer quasi neu erfunden. Wo früher noch Halogenleuchten vor einfachen Reflektoren platziert waren, sitzen heute Xenon-Brenner, Steuergeräte, Leuchtioden, Stellmotoren und Microchips. Konnte man die Halogenbirne noch einfach selbst wechseln – wenn man die passende Sockelspezifikation wusste –, sind moderne adaptive Laserlicht-LED-Scheinwerfer so komplexe und auch kostspielige Konstruktionen geworden, dass im Falle eines Schadens oft nur mehr der Komplettaustausch möglich ist. Mehrere Tausend Euro pro Scheinwerfer können die Endkunden dann schmerzlich treffen. Für Werkstätten bringt das Geschäft mit modernen Scheinwerfern daher neue Herausforderungen mit sich. Einerseits muss man der Kundschaft erklären, warum ein „gewöhnlicher Scheinwerfer“ ein bis zwei Monatsgehälter kostet. Und anderseits verlangt deren Einstellung die Anschaffung neuer, teurer Einstellgeräte sowie umfangreiche Elektronikkenntnisse. Die Zeiten, in denen der Lehrling mal eben „des Birndl“ gewechselt hat, sind vorbei.

Sensoren im Scheinwerfer

Moderne Scheinwerfer sind technisch faszinierende Komponenten. Einer der Technologieführer in dem Segment ist das österreichische Unternehmen ZKW Group mit Sitz in Wieselburg. Mittlerweile baut man für die prominentesten Automobilhersteller die Licht- und Elektroniksysteme und weiß mit Innovationen zu überzeugen. Eine wichtige Kernfunktion moderner, adaptiver Scheinwerfer ist entweder das automatische Abblenden bei Gegenverkehr oder das gezielte Aussparen des Gegenverkehrs aus den eigenen Lichtkegeln. Somit sieht man als Fahrer mehr und der Entgegenkommende wird trotz voller Lichtleistung nicht geblendet. Um das zu ermöglichen, setzen viele Lichtsysteme auf Unterstützung von im Fahrzeug verbauten Frontalkameras. ZKW hat im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit dem israelischen Startup Newsight Imaging bereits ein neues Konzept entwickelt, genannt „senseZ“. Hierbei sitzen die komplette Sensorik und Steuerung für das autarke Fernlicht direkt im Scheinwerfer. Damit braucht es keine Frontkamera. Das ist vor allem für jene Fahrzeuge interessant, die damit gar nicht ausgerüstet sind. Was ZKW die Möglichkeit eröffnen würde, solch moderne Scheinwerferlösungen auch als Aftermarket-Nachrüstlösungen für ältere Fahrzeugmodelle anbieten zu können. Derzeit befindet sich die Technologie noch in der Erprobung.

Großes Kino

Neben cooler Optik und intelligenten Abblendalgorithmen haben Scheinwerfer aber noch mehr zu bieten: Im neuen Range Rover kommen die „Digital Light Processing“-LED-Scheinwerfer von ZKW zum Einsatz, die es ermöglichen, animierte (dynamische) Bilder auf die Straße zu projizieren. Möglich machen das neuartige LED-Module mit 1,2 Millionen Pixel, deren Licht über mikroskopisch winzige, elektronisch gesteuerte Spiegel gelenkt wird. Serienmäßig liefern die schlanken Scheinwerfer stufenloses, blendfreies Fernlicht, das über eine Frontkamera angesteuert wird und die Verkehrssicherheit zusätzlich erhöhen soll.